"Pottenstein ist meine zweite Heimat." Dies sagt der 78-jährige pensionierte Revierförster Gert Meuche aus Berlin- Köpenick. Seit 1990 verbringt er seinen Urlaub nun jetzt schon in der Kohlmühle in Pottenstein. Das erste Mal in seinem Leben war der gebürtige Leipziger jedoch schon 1938 in Pottenstein. Da war er gerade einmal ein Jahr alt.

Denn seine Großmutter Magdalene Meuche wohnte damals im sogenannten "Fuchs-Haus" im oberen Püttlachtal, das heute eine moderne Pension für Urlaubsgäste ist.
Mit seinen Eltern kam bis zum Kriegsende 1945 jedes Jahr nach Pottenstein, um dort seine Großmutter zu besuchen. Diese Besuche sollten sein ganzes weiteres Leben prägen, da er in Pottenstein die Liebe zum Wald entdeckte und unbedingt Förster werden wollte. "Ich habe mehr Kindheitserinnerungen an Pottenstein als an Leipzig", sagt Meuche.


Aus Leipzig geflüchtet

Sein Großvater war der Leipziger Buchhändler Paul Meuche, der 1907 mit dem Unternehmer Ernst Heinrich Lange das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Leipzig sehr bekannte Verlagshaus Lange&Meuche gründete. Paul Meuche hatte Geld , und so pachtete er für seine geschiedene Frau damals das "Fuchs-Haus" in Pottenstein.

So kam Gerd Meuche als Kind nach Pottenstein, wo er 1944 in die erste Klasse der ehemaligen Bauernschule in der Hollegasse eingeschult wurde. "Das war Anfang Januar 1944. Zuvor hatten wir aus Leipzig flüchten müssen", erinnert sich Meuche. Sein Onkel Joachim Meuche, der jüngste Sohn seiner Großmutter, lebte ebenfalls in Pottenstein. Er war unter anderem Bademeister des Pottensteiner Felsenbads. Deshalb kennt Gert Meuche auch noch das alte Felsenbad sehr gut.

Sein Onkel heiratete die Pottensteiner Schreinermeisterstochter Anna Heß, aus deren Ehe Meuches Cousine Erdmuthe Vielauf hervorging. Sie lebt heute in Schweinfurt , und Meuche pflegt mit ihr noch regen Kontakt.


Die Liebe zum Wald

Sein Onkel Joachim Meuche war damals bei der Bergwacht in Pottenstein sehr aktiv und baute die erste Bergwachthütte mit. An gleicher Stelle steht heute noch das Sängerhäuschen. Als er sieben Jahre alt war, hatte er bereits den Wunsch, im Wald zu arbeiten und Förster zu werden.

"In Pottenstein habe ich meine Liebe zum Wald entdeckt und der Wald im Püttlachtal war für mich das große Erlebnis als Kind. Beim Pilze sammeln und Beeren suchen", sagt Meuche. Geld hatte damals so gut wie niemand und das Tauschgeschäft florierte. Am Sonntag kamen die Bauern aus den umliegenden Dörfern nach Pottenstein, um Eier und Butter gegen Tabak aus der Ukraine einzutauschen. "Vom Krieg haben wir in Pottenstein nicht viel mitbekommen", erinnert sich Meuche.


Brot gegen Schokolade

Er kann sich aber noch gut an das KZ-Außenlager in der Magerscheune erinnern. "Von dort bekamen wir einen russischen Häftling, der unser Brennholz gesägt und gehackt hat. Der wollte als Lohn immer Brot haben", erzählt Meuche.

Ein besonderes Kindheitserlebnis in Pottenstein für Gert Meuche war auch ein Gefangenentransport mit Franzosen, die durch Pottenstein zogen. Die französischen Kriegsgefangenen machten bei der Ziersmühle Halt. Meuche tauschte mit ihnen Brot gegen Schokolade.
"Meine Liebe zu Pottenstein hat sich in dieser schweren, aber schönen Zeit entwickelt", sagt Meuche heute. Nach 1945 kehrte er mit seinen Eltern über die grüne Grenze von der amerikanischen in die sowjetische Besatzungszone nach Leipzig zurück. Die Folgen des Eisernen Vorhangs waren uns damals noch nicht bekannt", so Meuche.
Gert Meuche kennt Pottenstein und die Fränkische Schweiz durch seine Wanderungen wie seine Westentasche: "Meine schönste Wanderung führt durch das obere Püttlachtal bis zur Gaiskirche." Auf dem Pottensteiner Stadtfriedhof gibt es noch heute die Grabstätte der Familie Meuche, in der Gert Meuches Großmutter, sein Onkel und dessen Frau ihre letzte Ruhestätte fanden.
Immer wenn Gert Meuche in Pottenstein ist, besucht er auch den Friedhof.