Seit Februar 2020 ist es nicht mehr nur ein Gerücht. Die Post gibt die Streetscooter auf. Zehn Jahre lang waren die für den innerstädtischen Gebrauch gedachten Streetscooter und Lastenräder mit Elektrobetrieb entwickelt und produziert worden. Und das sogar direkt von der Deutschen Post beziehungsweise ihrem Tochterunternehmen der Streetscooter GmbH.

"Für uns als Deutsche Post AG sind die Fahrzeuge eigentlich die ideale Lösung", erklärt Erwin Nier, Pressesprecher bei der Deutschen Post auf FT-Anfrage. "Allerdings haben wir damit Verluste gemacht. Wir sind einfach kein Autobauer." Trotzdem habe man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich jemand anders "der Sache annimmt", so Nier.

Weiterhin genutzt

Dass die Forchheimer Post die Elektrofahrzeuge nun aber abrupt aufgibt und zurück zu Dieselfahrzeugen geht, dementiert Nier. "Es ist zwar so, dass die Streetscooter nicht mehr produziert werden", sagt er. "Aber so lange sie funktionieren, werden sie auch genutzt." Ein Problem sei allerdings, dass die Ersatzteilbeschaffung nicht einfach sei. Es gebe jedoch immer mal wieder Fahrzeuge, die einen Unfall haben. Jene müssten dann ausgeschlachtet und als Ersatzteile verwendet werden.

"Ich gehe davon aus, dass wir mindestens noch fünf oder zehn Jahre mit den Streetscootern in Forchheim und ganz Deutschland unterwegs sein werden", betont Nier und unterstreicht, dass man durchaus die Hoffnung habe, dass die Streetscooter so oder in einer anderen Form dann wieder von einem anderen Unternehmen produziert werden.

Die E-Lade-Säulen im Postzentrum in Forchheim bleiben Nier zufolge auch auf unbestimmte Zeit erhalten. "Sie sind wichtig für den Ablauf", erklärt er.

Es geht ums Geld

Dadurch, dass man sich für die Elektromobilität entschieden hat, wollte die Deutsche Post nicht nur Kraftstoffkosten sparen, sondern auch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduzieren. Dass die Elektrofahrzeuge in den ersten zehn Jahren keine Steuern kosten, ist für die Post ein schöner Nebeneffekt.

Kommentar von Jennifer Opel: "Alles nur PR?"

Kommentar der Redakteurin: "Mit Elektroantrieb der Umwelt Gutes tun: ein schönes Vorhaben, das der Post positive Reaktionen bescherte und das Image des Unternehmens aufpolierte. Nun rudert die Post zurück und alle kaputten Streetscooter werden durch Dieselfahrzeuge ersetzt.

Also alles nur PR? Wollte die Post nur die Steuerfreiheit für Elektrofahrzeuge bis 2030 abgreifen? Denn bis dahin hat die Regierung zugesichert, dass E-Autos steuerfrei bleiben. Und ungefähr so lange wird damit gerechnet, dass die Streetscooter noch fahren. Ein Schelm, wer Böses denkt..."