Der Pinzberger Joachim Fett fuhr mit seinem Beifahrer Jens Fernholz in zweieinhalb Wochen durch Länder wie beispielsweise Georgien, Ungarn, Türkei bis hin zum Zielort Aserbaidschan. Am Ende reichte es für beiden zu Platz vier.

Welche Aufgabe war am schwierigsten?
Joachim Fett: Die gab es natürlich auch in diesem Jahr. Wir mussten beispielsweise einen Grenzpolizisten oder einen Bürgermeister dazu bringen, mit uns ein Bier zu trinken. Das gestaltete sich aber sehr schwer, weil die Leute dort eher nicht Alkohol in der Öffentlichkeit trinken. Speziell Polizisten. Da wir uns aber in der ungarischen Partnerstadt von Pinzberg befanden, konnten wir den Bürgermeister dazu überreden mit uns ein Bier zu trinken.

Wie erleichtert waren Sie, in Ihr Privatauto zu steigen und das Rallyeauto abgeben zu dürfen?
Eigentlich überhaupt nicht. Nicht nur ich, auch alle anderen Teilnehmer haben ihre Autos richtig lieb gewonnen. Nach den 6000 Kilometern, die man zusammen erlebt hat, fiel die Trennung nicht sehr leicht. Zum Abschluss wurden dann auch noch letzte Erinnerungsfotos geschossen.

Gab es eigentlich Probleme mit dem alten Opel auf der Reise?
Gleich beim ersten Tag auf der Fahrt zum Startpunkt in Oberstaufen ist das Kühlsystem ausgefallen. Aber das Erstaunliche war, dass bis nach Baku nichts mehr passiert ist. Im Zielort ist uns dann der Auspuff abgefallen, aber da war die Reise bereits beendet.

Wie haben Sie die Menschen in den verschiedenen Ländern erlebt?
Ab Ungarn kamen wir mit Menschen verstärkt in Kontakt. Sie waren überaus freundlich. Wir haben gesehen, wie die Menschen auch ohne Reichtum trotzdem ein glückliches Leben führen. Keiner hat über seine Armut gemeckert. In der einen Nacht haben wir in Trabzon (Türkei) übernachtet und im Dorf unser Lager aufgeschlagen. Ein netter Mann kam zu uns und brachte uns einen Teller mit Fleisch, ohne das wir ihn darum gebeten hätten. Bei uns in Deutschland würde jemand die Polizei rufen, wenn er sehen würde, dass fremde Menschen vor seinem Grundstück übernachten wollen.

Apropos übernachten: Wo haben sie sonst die Nächte verbracht?
Wir haben im Auto auf einer Matratze geschlafen, die wir eingebaut hatten. Und es war gar nicht schlecht, muss ich sagen. Da wir jeden Tag nur 11,11 Euro für die jeweilige Nacht hatten, haben wir das Geld zusammengespart und dann auch vier Nächte im Hotel geschlafen.

Beschreiben Sie einmal die Situation am Zielort in Baku.
Der Flughafen ist wirklich toll gebaut. Im Umfeld gibt es auch wirklich schöne Gebäude, die bei Nacht mit Farben beleuchtet werden. Doch am Tag zeigt Baku sein wahres Gesicht: Die Häuser sind zwar alle schön und groß, aber sie stehen leer. Und fährt man 500 Meter weiter, wird einem sofort die Armut geboten. Zwischen Ölfeldern leben die Menschen. Es gibt weder Straßen noch Autos.

Wie haben Sie sich unterwegs verpflegt?
Wir haben das gegessen, was es vor Ort gegeben hat. In Georgien gab es gefüllte Teigtaschen. Die waren schon gewöhnungsbedürftig. In der Türkei haben wir uns Sesamkringel am Straßenrand gekauft. Das war dann unser Frühstück. Es gab auch Döner. Mit Ketchup und Mayonnaise. Ungewöhnlich, mit diesen Zutaten. Und je weiter wir gen Osten gefahren sind, desto mehr Lamm gab es auch zu essen. Morgens und abends habe ich einen kräftigen Schnaps getrunken, damit ich keine Magenverstimmungen bekomme.

Wie haben Sie Kontakt zu ihrer Familie in Pinzberg gehalten?
Über das Handy haben wir regelmäßig telefoniert. Da wir einen GPS-Tracker im Auto an Bord hatten, konnte meine Familie immer schauen, wo wir uns gerade befanden. Da haben sie sich schon mal gewundert,warum wir seit zweit Stunden Pause machen oder warum wir gerade diese Strecke nehmen. Das war schon lustig.

Was konnten sie für Erfahrungen mitnehmen?
Erschreckend war der Zustand in einem Kindergarten in Georgien. Man fühlte sich in die 50er-Jahre zurückversetzt. Und doch sind sie stolz auf ihren Kindergarten. Besonders die Hilfsbereitschaft der Menschen war schon faszinierend. Sie haben eine natürliche Wärme ausgestrahlt, sind auf einen zugekommen, haben gefragt ob sie helfen können. Egal ob in der Türkei, Bulgarien, Rumänien oder Aserbaidschan.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Wir suchen bei uns immer nach dem Größeren. Hat der Nachbar ein neues Auto, brauche ich auch ein Neues.

Und in diesen Ländern?
Dort gibt es weniger Misstrauen. Das konnten wir speziell bei der Aufgabe des Biertrinkens feststellen. Ein Junge auf einem Moped zeigte uns den Weg zum Bürgermeister, ohne dass wir ihn groß überreden mussten.

Sind Sie bei der nächsten Rallye wieder mit dabei?
Wenn die nächste Rallye nach Jordanien gehen sollte, werde ich wieder mitfahren.