Man kann getrost von Handwerk sprechen, denn Norbert Sperke arbeitet auch mit Schrauben und Stäben.
"Pathfinder", also Pfadfinder, nennt sich das System, das der Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie und Schmerztherapie erstmals in Forchheim anbietet. Es ist eine Technik, um die Lendenwirbelsäule zu versteifen. Dabei werden die verengten Zwischenwirbelräume mit Hilfe eines Bandscheibenersatzes aufgerichtet und die Wirbel werden durch Schrauben und Stäbe miteinander verbunden.

Gespräch unter 25 Kollegen


Die Technik, sagt Sperke, habe er vor Jahren schon mal erprobt; eine minimalinvasive Behandlungsmethode, die auf "schonendes Operieren" bedacht sei. Minimalinvasiv, das heißt: Die bis zu 20 Zentimeter großen Schnitte, die oft traumatisierend wirkten, sind nicht mehr nötig. Stattdessen: 1,5 Zentimeter kleine Schnittchen. Norbert Sperke arbeite mit Mikroskop und Röntgenapparaten.

Aber der 56-Jährige ist nicht nur am Operationstisch aktiv, sondern auch in fünf Fachverbänden und medizinischen Gesellschaften. Er mag Kongresse; nicht jene, wo Mediziner zusammenkommen und lange Referate halten. Der Chirurg bevorzugt jene Kongresse, "wo ich eine neue Technik gezeigt kriege und mir ein eigenes Bild mache". Gerade kommt er von so einem Kongress aus London zurück. Es ging um den "Pathfinder". Ein Fall-Report eines Mannes wurde vorgestellt, der bei einem Unfall ein schweres Schädelhirntrauma erlitten hatte; seine Wirbelsäule war verletzt, seine Organe waren in Mitleidenschaft gezogen.

Was würden Sie mit der Wirbelsäule machen? 25 Kollegen saßen im Kreis - und erörterten die beste Lösung. "Ich streite gern, das macht Spaß in meinem Alter", scherzt Sperke. Natürlich sei es weniger ein Streit gewesen, sondern "ein kollegialer Austausch".
Und wer hatte am Ende Recht? Nachdem sich alle 25 Chirurgen geäußert hatten, meldete sich der Kliniker zu Wort, der den Fall erfolgreich behandelt hatte. Ganz einfach, sagt Norbert Sperke: "Recht hat der, der hilft."
Das sei auch die Frage, die er sich bei jedem seiner Klienten neu stelle: "Helfe ich dem Patienten?" Die Ergebnisse müssten stimmen, sagt Norbert Sperke: "Ich bin zufrieden, wenn ein Patient zu Fuß aus der Klinik geht."
Daher ist er auch mit seinem Forchheimer Debüt zufrieden. Mitte Dezember operierte er am hiesigen Klinikum erstmals, seitdem acht Mal. "Darunter auch ein inkompletter Querschnitt." Erstmals sei am Klinikum Forchheim "eine Operation im Inneren der Wirbelsäule durchgeführt" worden. Dabei entfernte der Neurochirurg unter Sicht des Mikroskops einen komplizierten Bandscheibenvorfall, der den Patienten zuletzt an den Rollstuhl gefesselt hatte.

Norbert Sperke hat noch die fröhlichen Worte des Patienten im Ohr, als er kurz vor Weihnachten entlassen wurde: "Mit dem Rollstuhl kam ich, auf meinen eigenen Füßen verlasse ich die Klinik".
Dank der rechtzeitigen Zuweisung durch die niedergelassenen Kollegen sei es gelungen, "den Patienten vor größeren bleibenden Schäden zu bewahren", erklärt der Neurochirurg:
"Darauf können wir stolz sein."