Auf der Bühne der Jahn-Wiese in Forchheim steht am 20. Juni mit Peter Maffay eine Legende deutscher Populärmusik. 12.000 Besucher werden zum Konzert der Tournee "Niemals war es besser" erwartet.

Peter Maffay - ein Phänomen. Für viele ist er ein Idol der eigenen Jugendzeit. Ohne Verfallsdatum. Gleichzeitig ist er einer, der mit seiner Musik, seinem authentischen Auftreten auf und neben der Bühne, und mit seinem sozialen und gesellschaftlichen Engagement immer neue, vor allem junge Fans an sich zieht. Für die ganz Treuen, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben, ist er offenbar ein Teil des eigenen Ichs geworden.

Auf Heike Kowalski aus Wiesenthau und eine Gruppe Mädels aus einem Lichtenfelser Ortsteil (heute allerdings schon zwischen 50 und 63) trifft das zu. Alle freuen sich riesig auf das Open-Air-Konzert auf der Jahn-Wiese. "Ich glaub', ich dreh durch!" Das war die erste Reaktion von Heike Kowalski, als sie erfuhr, dass Peter Maffay und Band am 20. Juni in Forchheim auftreten werden. Ihr Freundeskreis zog sie damit auf, dass er "nur wegen ihr nach Forchheim kommt".

Ganz besondere Erinnerungen

Man merkt den Fans (in der Mehrzahl wohl weiblich) das Kribbeln im Bauch an, wenn sie von früheren Konzerterlebnissen erzählen. Von der großen Bühne mit den Lichteffekten, von der Rockmusik, die einen flutet und mitreißt. Von den Liedern, die sie im Chor Tausender mitsingen. Wenn sie von ihrem Peter im Lederoutfit schwärmen, der mit tätowierten Armen in die Gitarrensaiten greift. Und dazu die Fans. "Unvergleichlich. Eine einzige große Familie" sagen sie unisono.

Heike Kowalski ist 47 und Sozialpädagogin in Bayreuth. Sie kam 1986 zufällig zu einem Konzert in der Berliner Waldbühne. Das löste den Whow-Effekt aus; seitdem besucht sie die Konzerte aller Tourneen, die in Bayern Station machen. Wurde Mitglied im Fanclub Oberfranken, der in Bayreuth seinen Sitz hat. Im Februar war sie in Nürnberg im Rahmen der Tournee "Wenn das so ist". Da konnte sie auch Karten für den Soundcheck vor dem Konzert ergattern. "Da hat man die Chance, Peter Maffay nah zu sein. Er spielte alle Lieder selbst an", erzählt Heike.

"Tuchfühlung" oder gar ein Gespräch mit ihm kamen aber nicht zu Stande. "Dafür hat Peter keine Zeit und keinen Blick, er ist hoch konzentriert und man spürt auch, dass er innerhalb der Band der absolute Chef ist." Heike hofft auf Forchheim: "Auf dem Jahn-Platz ist nicht bestuhlt, vielleicht komme ich ganz vor die Bühne und damit noch näher an ihn ran."

Gesellschaftskritik kommt an

Was bringt ihr so ein Konzert? "Es macht mich einfach glücklich. Pure Emotion. Ich schwebe für ein paar Tage auf Wolke 7", lässt Heike Kowalski in ihre Gefühlswelt blicken. Sie findet die Texte sehr schön und ihr imponiert das soziale Engagement des gebürtigen Siebenbürgeners, der Refugien für vernachlässigte Kinder in München, auf Mallorca und in seiner rumänischen Heimat geschaffen hat. Findet es gut, dass er bei Konzerten gesellschaftliche Missstände anspricht: "Einmal hat er gegen Rechtsextremismus klar Stellung bezogen."

Ihr Lieblingslied? "Viele", sagt die 47-Jährige. Sie mag es eher ruhig und besinnlich wie mit "Die Liebe bleibt" und "Der Himmel weint". Für sie eine Ermunterung, "dass es auch in Krisen weitergeht". Maffay habe das selbst mit seiner Alkohol- und Nikotinsucht in den 80er-Jahren durchgemacht.

Auch musikalisch wurde er lange nicht ernst genommen und als Schnulzensänger abqualifiziert, auch als er schon einer der erfolgreichsten deutschen Rockmusiker war. Inzwischen haben auch ihr zwölfjähriger Sohn und die siebenjährige Tochter das Peter-Maffay-Gen in sich entdeckt. Heike nimmt sie mit zum Konzert.

Nur die Freunde dürfen es nicht wissen

Tochter Lina malt an einem Bild zum Lied "Über sieben Brücken musst du gehn" und hofft, es für Peter Maffay abgeben zu können. Sohn Luan teilt die Leidenschaft seiner Mutter, aber es wäre ihm schon peinlich, gestand er ihr, wenn ihn ein Klassenkamerad beim Konzert sehen würde.

Marga, Karin und Gitti sind Schwestern und in einer Familie mit mehreren Geschwistern in einem Dorf bei Lichtenfels (heute ein Stadtteil) aufgewachsen. Die beiden Älteren schauten regelmäßig die Hitparade mit Dieter Thomas Heck und da hat sie 1970 ein junger, fast schüchtern wirkender Sänger mit einer schönen Stimme elektrisiert. Peter Maffay sang "Du". Nicht wenige lästerten "Schnulze", aber mit seinem "Du bist alles, was ich habe auf der Welt" stürmte er damals Mädchenherzen und Hitparaden. Bald folgte der zweite Hit "Du bist anders".

Marga hat sich beide Singles gekauft, für viel Geld damals. Später sollten noch 16 LPs und alle CDs von ihm hinzukommen. Auch heute, 45 Jahre später, mag sie lieber die ruhigen, nachdenklich stimmenden Lieder. Das kann sie auch mit der eher trotzigen, rebellischen und provokanten Ausstrahlung ihres Idols in Übereinstimmung bringen. "Weil er ehrlich ist. Da ist nichts Gekünsteltes."

Alles als Andenken aufgehoben

Oft habe sie das Gefühl verspürt, sie müsse Maffay gegen die Häme, die in der Branche und in den Medien über ihn ausgegossen wurde, verteidigen. Gitti hat in der "Bravo" alle Berichte über Peter Maffay verschlungen. Heute geben die Vier zu, dass sie alles aufgehoben haben: Eintrittskarten, Poster, Trinkbecher, T-Shirts usw. Marga hat sogar ein Foto mit einem persönlichen Gruß geschickt bekommen. Aber persönlich begegnet sind sie ihm "leider" noch nicht.

Schon früh stand die Frage eines Konzertbesuchs an. München sollte es sein. Da waren sich die Schwestern einig, und hinzu kam noch Margas Freundin Regina. Wer fährt? Inzwischen hatten die Mädels Partner und die erklärten sich bereit, den München-Ausflug mitzumachen. Es blieb bei dem einen Mal. "Ihr mit eurem Maffay", lästerten sie und fuhren lieber zum FC Bayern. Es folgten Konzertbesuche in Würzburg, Bayreuth und Nürnberg. "Sonne in der Nacht haben wir in Würzburg und München gesehen" erzählt das Quartett. "Und bei Tabaluga in München ist uns das Feuerzeug explodiert" lachen die Vier heute noch.

Kleiner Mann, großer Sänger

Karin ist das Konzert in Nürnberg 2010 mit dem philharmonischen VW-Orchester unvergesslich. "Es war so, als würden die Noten tanzen." Gitti war 1996 überrascht, als sie ihr Idol zum ersten Mal vor sich auf der Bühne sah: "Peter ist so klein, und doch so groß." Sie hat ihm dann zu Nikolaus ein Säckchen gepackt und ein Buch von Vierzehnheiligen geschickt. Regina hat kein Problem, bei den Konzerten mit jungen Leuten in einer Reihe zu stehen, die ihre Kinder oder sogar Enkel sein könnten. "Wir gehören dazu, wir altern mit Peter Maffay mit", erklärt sie.

Das große Erlebnis für das Quartett, das die Eintrittskarten allesamt zu Weihnachten geschenkt bekommen hat, beschreiben die "Mädels” - sie sind es in ihrer Begeisterung geblieben - so: "Man ist einer von vielen, der sich in eine große Familie einreiht, Party macht, auf die alten Songs und die Zugaben wartet, mit den Fans in Kontakt kommt und dann friedlich nach Hause fährt." Friedlich und glücklich.

Aber erst einmal sind die Maffay-Shirts herausgesucht, gewaschen und gebügelt. Auf nach Forchheim! Und sie gehen einig mit dem Motto der Tournee: "Niemals war es besser!"