Die mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Strecke der Museumsbahn im Wiesenttal kann in diesen Tagen den runden Geburtstag eines wichtigen Teilstücks begehen: Der 90. Jahrestag der Eröffnung des Streckenabschnittes von Muggendorf nach Gößweinstein am 9. Juli 1927 fällt just mit dem Datum des Oldtimerfestes in diesem Jahr zusammen. So ist der verdichtete Fahrplan an diesem Tag auch als Referenz an dieses kleine Jubiläum der Bahnerschließung des Wiesenttals zu verstehen.

Am Sonntag, 9. Juli, lädt die Dampfbahn Fränkische Schweiz e.V. (DFS) zum großen Oldtimertreffen nach Ebermannstadt ein. Oldtimer aus Nah und Fern geben sich ein Stelldichein mit den historischen Schienenoldtimern der DFS. Weit über 100 historische Fahrzeuge werden an diesem Sonntag im Herzen der Fränkischen Schweiz erwartet. Ältester Teilnehmer bei den Straßenfahrzeugen ist ein Opel 4/16 aus dem Baujahr 1928, also fast so alt wie die Bahnstrecke. Auf der Schiene liegt das Baujahr des ältesten ausgestellten Fahrzeugs bei 1923 mit der Dampflokomotive "Nürnberg".

Rund um den Bahnhof Ebermannstadt wird das Stelldichein der Oldtimer als Fest für die ganze Familie gefeiert: Der traditionelle "Biergarten am Bahnsteig" lädt die Gäste zum Besuch ein. Ebenso werden Kaffee und Kuchen sowie Eis angeboten. Eisenbahnfans können sich mit Souvenirs und Modellbahnen eindecken, und über Ausflugsziele in der Umgebung informiert die Tourist-Information der Stadt Ebermannstadt.

Die historischen Züge der Museumsbahn fahren zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle im Zweistundentakt mit alten Dampfloks 64 491 und Elna 6. Abfahrt in Ebermannstadt um 10, 12, 14 und 16 Uhr, Rückfahrt ab Behringersmühle jeweils eine Stunde später. Besuchern wird empfohlen, einen der Züge zur Mittagszeit oder am Nachmittag zu nehmen, da die erste Fahrt am Vormittag bereits fast ausverkauft ist.

Für alle Eisenbahnfans gibt es am 9. Juli eine Tageskarte zum Sonderpreis von 24 Euro, mit der beliebig viele Fahrten im Rahmen des Oldtimerfestes unternommen werden können. Details zu den Fahrzeiten und weitere Informationen gibt es unter www.dampfbahn.net oder telefonisch unter 09194-725175.

Während der Veranstaltung sind die Parkplätze am Bahnhof Ebermannstadt für die Oldtimer reserviert. Den Besuchern wird empfohlen, die Parkplätze im Ort zu benutzen oder mit der Bahn zu kommen.


Der Bahnbau in Wiesenttal

Dass es erst in den 1920er Jahren zum Weiterbau östlich von Gasseldorf kam, hatte auch damit zu tun, dass die Diskussionen der Gemeinden im Wiesenttal um die Trassenführung die Anliegergemeinden im Leinleitertal als lachende Dritte zu nutzen wussten. Denn zunächst kam es 1915 zur Eröffnung des Streckenastes von Ebermannstadt nach Heiligenstadt. Erst danach schien man im Wiesenttal zur Besinnung zu kommen. Wir zitieren aus gegebenem Anlass aus dem profunden Artikel des Eisenbahn-Historikers Siegfried Bufe zur Geschichte der Nebenbahnen in der Fränkischen Schweiz: "Eine Verlängerung nach Osten war nur im Wiesenttal möglich. Eine Höhenbahn nach Gößweinstein wäre schwieriger zu bauen und zu betreiben. Außerdem hätte sie außer der Endstation kein Einzugsgebiet gehabt. Somit musste sich Gößweinstein schließlich mit einem Bahnhof im Wiesenttal bei der Sachsenmühle abgeben. Obgleich am 2. November 1912 genehmigt, verzögerten die umfangreiche Planung, dann der Krieg und seine Folgen die Fertigstellung, stellten gar den Bau infrage.

Die Bayerische Staatsbahn ging (...) im April 1920 in der Deutschen Reichsbahn auf, so dass die Entscheidungen ab da in Berlin getroffen wurden. Zur Übergabe gehörten auch Verpflichtungen, begonnene Bahnen fertig zu bauen. Doch zur allgemeinen prekären Finanzlage bedurfte es schwerwiegender Lösungen, wie den Fertigbau bedeutender Kopfbahnhöfe wie Stuttgart, Erfurt, Königsberg. So muss man es als Zeichen guten Willens ansehen, dass die Strecke Gasseldorf (jetzt mit Abzweigbahnhof!) - Muggendorf am 14. Juni 1922 eröffnet werden konnte. Das waren zwar nur 5,4 km, doch war die Begeisterung in Muggendorf groß. Die Trasse war damals schon bis zur Sachsenmühle fertig, aber ohne Schwellen und Schienen.

Ein Weiterbau nach Behringersmühle war nur möglich durch Felssprengungen, 200 m neues Bett für die Wiesent, sowie den Bau einer 155 m langen Flussbrücke im Bogen. Das für all das fehlende Geld brachte das Thema am 1. März 1926 sogar in den Landtag. Der zuständige Abgeordnete Graf Pestalozza beantragte, wenigstens bis zur Sachsenmühle fertig zu bauen, dafür wären lediglich 280.000 Mark erforderlich. Doch der bayerische Finanzminister verwies auf die Zuständigkeit des Reichsverkehrsministeriums.

Ein Abgeordneter forderte allerdings, statt die Bahn fertig, bessere Straßen zu bauen. Wegen des Staubs auf den unbefestigten Straßen war der Autoverkehr in der Fränkischen Schweiz zeitweise verboten. Er erklärte, dass die langsame Lokalbahn künftig gegen das Auto keine Chance haben würde. Er sollte Recht behalten.

Diese Rede gefiel in Muggendorf. Sollte doch der Rest der Fränkischen Schweiz hier zum Bahnhof kommen. Doch Pestalozza ließ nicht locker und konnte im Herbst 1926 verkünden, dass die Bahn jetzt bis zum Bahnhof Gößweinstein fertig gebaut werde. Dieser Abschnitt wurde am 9. Juli 1927 eröffnet." (Siegfried Bufe, in: Eisenbahn Geschichte Nr. 69, April/Mai 2015, S. 15 f.)

Im regulären Betrieb stand dieser Abschnitt bis zum 29. Mai 1976 - mithin knapp 49 Jahre. Als Museumsbahn wird er nun in wenigen Wochen dank des Engagements der DFS immerhin schon 37 Jahre lang betrieben. red