Ein Spagat kann sehr schmerzhaft enden. Ulrich Schürr entschied sich ganz bewusst für dieses Kunststück, als er für CSU und Junge Bürger zur Wahl des neuen Oberbürgermeisters antrat.

Sollte er sich von seinem CSU/WUO-Vorgänger Franz Stumpf abgrenzen oder sich bei ihm anlehnen? Für beides gab es gute Argumente: Einerseits hat sich die Stadt in 26 Stumpf-Jahren wirtschaftlich prächtig entwickelt. Der Noch-OB ist - Schelsky-Affäre hin, Ärger um das Katharinenspital und andere Aufreger her - bei vielen Bürgern populär. Andererseits hat sich zuletzt die Meinung verbreitet: Ein Vierteljahrhundert der gleiche Mann und noch länger die gleiche Partei an der Spitze - das reicht!

Schürr entschied sich nicht für das eine oder das andere, sondern für einen Spagat und blieb auf Abstand zu Stumpf, ohne sich von ihm richtig zu distanzieren. In seinem Slogan vom "neuen Kapitel", den er mantraartig wiederholte, brachte er das zum Ausdruck: Ich mache etwas neu, aber kein komplett neues Buch, sondern ich schreibe das Erbe von Stumpf fort - in einem anderen Kapitel. Ein Balanceakt, um für Stumpf-Fans wie Stumpf-Gegner wählbar zu sein.

Und Kirschstein? Der verkünstelte sich nicht, blieb gelassen und geradlinig. Er proklamierte den "Wechsel" und machte ihn vor der Stichwahl zu seinem eigentlichen Programm. Damit sicherte er sich alle, die etwas komplett neues wollten. Das wäre der Zeitpunkt für Schürr gewesen, den Spagat aufzugeben, den Noch-OB an seine Seite zu holen und sich dessen Fans zu sichern.

Zur Erinnerung: Für Stumpf endete die Stichwahl gegen Kirschstein vor zwei Jahren mit gut 55 Prozent. Für Schürr endet sie nun mit Schmerzen.