Gut vorbereitet kam der 33-jährige Angeklagte mit seiner Verteidigerin Anja Dürer an das Forchheimer Amtsgericht. Er hatte Bilder der bedeutsamen Fahrstrecke vor Wimmelbach ausgedruckt. Ihm wurde zur Last gelegt, auf dieser Strecke einen anderen Autofahrer verkehrsgefährdend überholt und zu einer Vollbremsung genötigt zu haben.

Die Aussagen des Angeklagten und des Geschädigten waren sehr unterschiedlich. Während der Angeklagte von einer "sehr übersichtlichen Stelle" sprach, sagte der Geschädigte, dass das Wetter schlecht und die Straße kurvig gewesen sei.

Der Angeklagte schwitzte, redete wirr und sehr schnell. Richterin Silke Schneider gab ihm dann auch schnell zu verstehen, dass sie seine Aussage anzweifelt.
"Es ist ja schön, dass Sie Ihre Aussage immer so hindrehen, wie ich es Ihnen vorhalte", sagte sie, "wahrscheinlich wäre dieses Verfahren eingestellt worden, wenn Sie nicht schon mal so ein Verfahren gehabt hätten."


Handy vergessen?

So gab sie dem Angeklagten auch schon früh zu bedenken, dass er seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurücknehmen könnte. Trotzdem blieb er bei der Aussage, er habe normal überholt und sich spontan in eine Abbiegespur eingeordnet, weil ihm eingefallen sei, dass er sein Handy vergessen habe.

Der 25-jährige Zeuge und Geschädigte aus Heroldsbach sagte vor Gericht, dass er auf dem Heimweg von einem Geburtstag gewesen sei. Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse sei er langsamer als 100 Kilometer pro Stunde gefahren, jedoch nicht zu langsam. "Hinter mir kam dann einer ganz schnell angefahren", sagt er, "und fuhr ziemlich nah auf." Das Überholmanöver sei dann gefährlich gewesen, weil ein Auto entgegenkam, so dass der Geschädigte schon bremste, damit der Angeklagte noch rechtzeitig einscheren konnte. "Ich fand diese Situation schon gefährdend", betonte der 25-Jährige und erklärte damit auch, warum er dem ihm Unbekannten die Lichthupe gegeben hatte.

Zu einem zweiten Zwischenfall kam es dann kurze Zeit später. Der Geschädigte war bereits dabei, sich auf die Linksabbiegespur einzuordnen, als der Angeklagte abrupt ebenfalls auf diese Spur zog und in die Eisen stieg. "Das war schon eine Schreckenssekunde", erklärte der 25-Jährige, "mein erster Gedanke war, dass er mir für die Lichthupe eins auswischen wollte."

Bevor weitere Zeugen aufgerufen wurden, betonte Richterin Schneider erneut, dass sie dazu raten würde, den Einspruch zurückzuziehen. Sollte der Mann nämlich in diesem Fall verurteilt werden, drohe ihm die Wiederaufnahme des bereits eingestellten ähnlichen Verfahrens.

Nach einer längeren Unterbrechung und einem Gespräch zwischen Verteidigerin und Angeklagtem entschieden sich die beiden, den Einspruch nur auf die Tagessatzhöhe zu beziehen.

Über die Tagessatzhöhe wurde noch einmal gesprochen und so muss der 33-Jährige jetzt 50 Tagessätze zu je 20 Euro, also insgesamt 1000 Euro bezahlen. Im ursprünglichen Strafbefehl waren es noch 2000 Euro. Außerdem muss er für einen Monat seinen Führerschein abgeben.