Der Theologe und Diplombibliothekar Michael Holz wagt etwas in Forchheim: Er macht sich mit der kleinen Buchhandlung Dacapo in der Apothekenstraße selbstständig. Ein gewagter Schritt in Zeiten von Internet-Giganten wie Amazon oder riesigen Buchhandelsketten, wie Thalia oder Hugendubel, die kleinen unabhängigen Buchhandlungen zusehends die Existenzgrundlage entziehen. Zudem gibt es bereits drei weitere Buchhandlungen in Forchheim.

Doch die große Eröffnungsfeier von Dacapo steht für Samstag unmittelbar vor der Tür - und Michael Holz ist zuversichtlich: "Eine eigene Buchhandlung ist schon immer mein großer Traum. Ich hatte schon lange einen Businessplan dafür in der Schublade, aber nie den richtigen Standort", erzählt der 51-Jährige.

Den richtigen Platz scheint er aber nun in der Apothekenstraße gefunden zu haben.
"Ich wusste, das ist meine Chance und habe beschlossen, ins kalte Wasser zu springen - mit allen Risiken. Ich möchte mir nicht in 20 Jahren vorwerfen, es nie probiert zu haben", erzählt Holz.

Kunden sollen in d er Stadt bleiben

Vor zu großer Konkurrenz in der Stadt hat er keine Angst. "Die Buchhandlugen hier in Forchheim sind sehr gut aufgestellt und haben ihre Stammkunden. Ich setze da eher auf die Laufkundschaft, die durch die Apothekenstraße flaniert."

Auch Hilmar Schmidt, der Besitzer der "Bücherstube an der Martinskirche", sieht in einer vierten Buchhandlung eher einen Gewinn für Forchheim anstatt mehr Konkurrenz für sein Geschäft: "Mit einer weiteren Buchhandlung können wir Händler den Kunden auch eine größere Auswahl bieten. So haben die Forchheimer einen größeren Anreiz in ihrer Stadt zu bleiben, anstatt zum Einkaufen nach Erlangen zu fahren. Der Kunde bleibt am Ort und davon haben letztlich wir alle etwas."

Konkurrenz eher im Netz

Die Konkurrenz sieht Schmidt schließlich nicht in den kleinen unabhängigen Buchhandlungen, die nebeneinander existieren und zusammenarbeiten, sondern vielmehr in den marktaggressiven Konzernen und dem Internet-Giganten Amazon. "Die Leute kommen zu uns in den Laden, lassen sich beraten und bestellen das Buch dann im Internet. Das ist das eigentliche Problem", so Hilmar Schmidt.

Auch Manfred Schade von der Buchhandlung "'s Blaue Stäffala" hat eine ähnliche Meinung. "Läden brauchen wir in Forchheim reichlich. Vor allem, wenn sie bestimmte Nischen bedienen. Überflüssig hingegen wäre beispielsweise der 195. Optiker in der Forchheimer Innenstadt - das macht uns auch nicht hellsichtig", so Schade.

Exklusiveres Sortiment

Doch Michael Holz möchte mit Dacapo durchaus seine eigenen Akzente setzten. "Natürlich richte ich mich nach den Kundenwünschen und habe auch die Bestseller da, aber ganz so breit aufgestellt wie andere Buchhandlungen bin ich nicht. Dafür habe ich vielmehr ein exklusiveres Sortiment. Bei mir findet man auch viele kleinere Verlage, die es schwer haben bei den großen Ketten auf die Büchertische zu kommen. Oder es gibt zum Beispiel Krimis, die fantastisch geschrieben sind, aber nicht so ganz dem Mainstream entsprechen", erklärt er.

Hinzu kommt ein großer Teil von Nonbooks - charmanten Geschenk- und Dekoartikel - in seinem Sortiment. Die Nonbooks sollen ungewöhnlich sein und die gute Laune beim Kunden wecken. "Dacapo soll frischen Wind ins Buchregal bringen", so Holz.

Belletristik, Krimis und außergewöhnliche Bilderbücher bilden den Schwerpunkt des Buchsortiments in der Apothekenstraße. Außerdem will Holz das kulturelle Leben in Forchheim bereichern und fördern. Darum initiiert und beteiligt er sich an Buchvorstellungen, Lesungen und Kulturaktionen.

Auch die Nachbarn in der Apothekenstraße sehen der Eröffnung freudig entgegen. "Die benachbarten Händler haben mir hier schon sehr nett aufgenommen und mir fest versprochen, bei der Eröffnung am Samstag vorbei zu schauen", erzählt Michael Holz.

Auch die zukünftige Konkurrenz ist voller guter Dinge: "Wir kennen Herrn Holz ja schon recht gut als unseren Kunden und wissen, dass man sehr gut mit ihm auskommen kann. Von daher wünschen wir ihm viel Erfolg mit Dacapo und freuen uns auf ein sehr kollegiales Verhältnis", sagt Hilmar Schmidt von der "Bücherstube an der Martinskirche".