Wildwechsel in der Karolingerstraße mitten in Forchheim? Eine Handvoll Autofahrer dürften am Donnerstagvormittag etwas überrascht gewesen sein, als sie auf Höhe des Kinderhorts Sattlertor ein animiertes Reh auf einem LED-Display sahen. Dabei war das springende Wild nur als Demonstration für die technischen Vorzüge der neuen mobilen Geschwindigkeits-Messanlagen gedacht. Seit Ende November sind zwei dieser Messgeräte in Forchheim im Einsatz. Auf Bürgerversammlungen und im Stadtrat wurde die Forderung nach derartigen Geräten in der vergangenen Zeit immer lauter, erklärt Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) den Bedarf.

Rund 9000 Euro hat die Stadt nun in die mobilen Tempo-Anzeigen investiert. Die Besonderheit: Es können beliebige Texte und Animationen bequem vom Schreibtisch aus programmiert werden und mit einem Speicherstick in wenigen Sekunden auf die Messgeräte übertragen werden. "Bewusst haben wir uns gegen die Standard-Smiley-Messanlagen entschieden", sagt Roland Brütting, Sachgebietsleiter des Straßenverkehrsamtes. "Wir haben ein Gerät mit verschiedenen Anzeigen gesucht, das die Verkehrsteilnehmer stärker beeinflusst." Dass es sich bei der Neuanschaffung um keine technische Spielerei handelt, zeigte der erste große Praxistest.


Messgeräte sorgen für Interesse

Am Anfang dieser Woche waren die Ampeln an der Kreuzung Bamberger Straße/Fritz-Hoffmann-Straße abgeschaltet. Die dort platzierte Messanlage zeigte ein Gefahrenzeichen, die erlaubte Geschwindigkeit (30km/h) und den Schriftzug "Ampelausfall" an. Das habe gut funktioniert. "Die normalen Verkehrsschilder haben bei den Verkehrsteilnehmern heute keine Akzeptanz mehr", bedauert Roland Brütting. Die Messgeräte haben bereits nach wenigen Tagen das Interesse von anderen Behörden geweckt. "Ein Vertreter des Staatlichen Bauamtes hat mich angerufen und mitgeteilt, dass sie das für eine tolle Geschichte halten und sich jetzt auch solche Anlagen anschaffen wollen." Auch von der Polizei gab es laut Brütting schnell eine positive Rückmeldung.

Die Standorte der mobilen Messgeräte sollen bewusst häufig gewechselt werden, um bei den Verkehrsteilnehmern kein Gefühl der Lässigkeit durch Routine aufkommen zu lassen, erklärt Kirschstein.
Eine Woche lang war eine Anlage direkt vor dem Kinderhort Sattlertor aufgebaut. Mit dem Text "Vorsicht Kindergarten" und einem Hinweis bei zu hoher Geschwindigkeit sollten die Autofahrer sensibilisiert werden. "Einige haben wahrscheinlich noch nicht gewusst, dass hier in der Straße überhaupt ein Kindergarten ist", sagt Kirschstein. Er betont: "Ich bin der Meinung, dass ein freundlicher Hinweis in dieser Form mehr bringt als ein Strafzettel, der nur für Frust sorgt." Kirschstein ist der Überzeugung, dass das Fahrverhalten mit den neuen Messanlagen nachhaltig beeinflusst werden kann.


Mit Tempo 70 in 30er-Zone

Dass einige Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit dringend anpassen müssen, unterstreichen Zahlen des Straßenverkehrsamtes. Denn die Messanlagen zeigen nicht nur die aktuelle Geschwindigkeit an, sondern können diese auch für alle Fahrzeuge speichern - auch wenn die LED-Anzeige ausgeschaltet ist. Von 5500 erfassten Fahrzeugen sind in der Karolingerstraße über die Hälfte zu schnell gefahren. Bedenklich: Der "Spitzenreiter" war in der 30er-Zone mit knapp 70 Stundenkilometern unterwegs.