Corona-bedingt wurden vom Festausschuss alle kulturellen und kirchlichen Veranstaltungen zum 300. Weihejubiläum der Barockkapelle Schirnaidel abgesagt. Im Dezember kommt nun als Heft 29 der heimatgeschichtlichen Zeitschrift "Vom Main zum Jura" eine umfangreiche Kapellengeschichte mit bislang unbekannten Forschungsergebnissen heraus. Verfasst hat sie Josef Urban aus Eggolsheim.

Wie vielfach angenommen wurde, ist die Kapelle nicht vom Bamberger Hofarchitekten Johann Dientzenhofer geplant worden, sondern von Baumeister Andreas Rheinthaler. Dieser hat 1718/19 die Kapelle auf dem Veitsberg bei Ebensfeld gebaut und nach deren Architekturformen die Schirnaidler Kapelle mit Dachreiter ausgeführt. Am 24. Juni 1720 wurde sie Johannes dem Täufer und den Vierzehn Nothelfern geweiht.

Einzigartig sind im Inneren die barocken Altäre und die Kanzel, geschaffen von der Bamberger Handwerkergemeinschaft Leonhard Gollwitzer und Franz Jörg, Bildhauer und Schreiner. Von Gollwitzer stammen auch die drei Fassadenfiguren und das Bischofswappen, dann die eindrucksvollen, als junge Erwachsene dargestellten Nothelferfiguren in den Nischen der Langhaus- und Chorwände.

Stiftung am Totenbett

So wird die Kapelle als "Klein-Vierzehnheiligen" bezeichnet, damals als Stiftung auf dem Totenbett des fürstbischöflich-bambergischen Kanzleibeamten Johann Georg Pfister (gest. 1718) oberhalb der sechs Häuser erbaut, ähnlich der Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen.

Die "würdige Capelln Sancti Joannis Baptistae Zu Schirn Eitl" erhielt 1718 zwei Glocken aus der Forchheimer Gießhütte. 1732, 1837 und 1917 kamen die Orgeln hinzu. 1880 malte der Münchner Kunstmaler Kitzinger die Kreuzwegstationen. 1890 wurden die öfter durch Unwetter beschädigten Kirchenfenster bunt mit Werken aus der Königlichen Hofglasmalerei F. X. Zettler in München, angeregt und konzipiert von dem aus Schirnaidel stammenden Domkapitular Michael Pfister (gest. 1899). Er half der Kapellenstiftungsverwaltung in allen fachlichen Fragen. 1903 wurde der gesamte Innenraum mit Ornamenten und dem Deckengemälde der heiligen Familie ausgemalt.

"In einer Walnuss"

Schließlich konnte das Ölgemälde an der Emporenbrüstung als "Johannes fährt in einer Walnuss durch die Lüfte" verifiziert und ein christologischer Bezug hergestellt werden.

Freunde der Natur werden über die beiden Artikel zum Schießberg zwischen Unterstürmig und Buttenheim erfreut sein, dessen vielseitige Geschichte dargelegt wird. Die Abonnenten der Zeitschrift erhalten das Heft (180 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Pläne, 17 Euro) automatisch. Wer nicht zu dieser Gruppe gehört und Interesse hat, kann das Heft bis 3. Oktober (Terminschluss für die Auflagenfestlegung) vorbestellen bei: Dr. Josef Urban, Schillerstraße 15, 91 330 Eggolsheim; E-Mail josef.urban@yahoo.de.