Während seiner Kriegsgefangenschaft war der Bildhauer und Maler Felix Müller im nordfranzösischen Merville bei einem Steinmetz beschäftigt. Obwohl andere Soldaten früher nach Hause durften, musste Müller bis zum September 1948 bleiben; weil er mit einem deutschen Gefangenen gleichen Namens verwechselt wurde, der im sogenannten Kriegsverbrecherbuch in Frankreich eingetragen war.

Für seine Freilassung hat sich das Ehepaar Elisabeth und Brian Vernon von England aus eingesetzt: Brian Vernon hat damals für das Britische Government gearbeitet und beim Foreign Office erwirkt, dass die "Internationale Générale des Prisonniers de Guerre" im August die Instruction zur sofortigen Entlassung des Felix Müller erteilte.


Katholische Gruppierung

Nun: Warum verwendet sich ein Engländer für die Freilassung eines deutschen Kriegsgefangenen? Seine Frau Elisabeth
Vernon, geb. Osemann, stammt aus Haltern am See/Westfalen. Sie lebte in den 1930er Jahren in Bamberg und gehörte dem Quickborn-Bund an, einer in der Zeit der Jugendbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts gegründeten katholischen Gruppierung um Romano Guardini. 1938 übersiedelte Elisabeth nach England.
"Felix Müller stand den Mitgliedern des Quickbornbundes nahe, so hat er wohl damals Elisabeth, damals noch Osemann, kennengelernt", sagt Peter Lichtenberger. Er ist Beauftragter des Neunkirchner Museums.

Vermutlich hat der spätere Bamberger Diözesanjugendseelsorger und Leiter der Jugendarbeit auf Burg Feuerstein, Jupp Schneider, vermittelt, denn er gehörte auch dem Quickborn an und war schon in den frühen 1930er Jahren mit Felix Müller befreundet. Wie auch immer die Drähte gezogen wurden: Felix Müller, aus der Gefangenschaft entlassen, wurde von der Familie Vernon nach England eingeladen und soll schon 1949 dort zu Besuch gewesen sein. 1950 besuchte Elisabeth Vernon noch einmal Deutschland und wurde von Felix Müller porträtiert. Sie starb bereits 1970. Ihr Mann Brian starb 1995 und damit brach der Kontakt nach England ab - im letzten Brief an Felix Müller gab es aber eine Information: "Wir haben immer noch die schöne Bilder, die Sie gemalt haben, so lange her. ... Die Kinder wollen die Bilder haben".

Seit 2005 ist das Felix-Müller-Museum auf der Suche nach diesen Bildern. Mehrere Briefe nach England erreichten ihre Adressaten nicht, Anfragen bei der Deutschen Botschaft in London halfen auch nicht weiter, ein Freund des Museums hat in London recherchiert.


Zu Besuch in Bamberg

Aber dann meldet sich am 5. September dieses Jahres ein Wilfred Vernon aus England per E-Mail und schickt gleich Fotos von Felix-Müller-Werken mit. Er hat das Museum im Internet gefunden.
Zehn Werke von Felix Müller, von denen nichts bekannt war, sind bei der Familie Vernon in England: Arbeiten aus den 1930er Jahren, aus seiner Zeit als Soldat 1941/1942 in Russland und aus 1950. Ohne etwas von der Beziehung Felix Müllers zur Familie Vernon zu wissen, war die in Bamberg geborene Neunkirchnerin Annemarie Gaksch 1962 zu Gast bei der Familie Vernon in England. Ihre Mutter Anny Hain war mit Elisabeth Vernon befreundet.

Deren Sohn Wilfred war 1967 in Bamberg zu Besuch. Er hat damals bei Freunden seiner Mutter übernachtet, vielleicht bei der Mutter von Annemarie Gaksch.