Forchheim Der süßliche Popcorn-Geruch steigt sofort in die Nase, als Kinobetreiberin Manuela Dengler-Redlin die Glastür des Forchheimer Kinocenters öffnet. Seit über drei Monaten durfte sie keine Kinogänger mehr empfangen.

Auf Nummer sicher gehen

"Wir freuen uns jetzt einfach, anfangen zu dürfen. Wir haben so lange gewartet," erzählt sie. Bereits am 15. Juni durften die Kinos im Freistaat wieder öffnen, doch Dengler-Redlin entschied sich bewusst dafür abzuwarten: "Ich wollte die Gewissheit haben, dass wir sicher und mit einem guten Gefühl starten können."

Denn für Kinos gilt ein strenges Hygienekonzept: "Es fängt mit den Sachen an, die man schon kennt: Mundschutz und Abstandsgebot," erklärt sie. Auch am Sitzplatz muss während des Films eine Maske getragen werden. Ein Schluck vom Softgetränk oder ein Haps von den Käse-Nachos ist erlaubt, danach muss die Maske aber wieder übergestülpt werden.

Das Kinocenter musste zudem ein Lüftungskonzept entwerfen. "Wir lüften die Säle nach jeder Vorstellung 20 bis 30 Minuten lang. Wir blasen Frischluft in den Saal und wir haben keinen Umluftbetrieb. Natürlich gibt es auch ein Reinigungskonzept, das heißt, neben der normalen Reinigung werden alle Kontaktflächen in regelmäßigen Abständen desinfiziert," erklärt Dengler-Redlin.

Pro Gast zwölf Plätze sperren

Das Kinocenter hat drei Kinosäle mit insgesamt 720 Plätzen. Doch die Corona-Richtlinien erlauben nur 50 Besucher pro Saal. In dem kleinen Domino-Saal kann selbst diese Zahl nicht erreicht werden.

"In den kleineren Kinosälen, sind wir ja an das Abstandsgebot von 1,50 Metern gebunden, das heißt, drei Sitze nach rechts und links, sowie die vordere und hintere Reihe sind jeweils gesperrt. Die Regel lautet, wenn ich einen Platz besetzte, muss ich zwölf Plätze außenrum sperren. Deswegen kann man in einem Kino wie dem Domino je nach Gruppengröße, nur vielleicht 20 bis 30 Leute einlassen. Mehr aber nicht."

Enormer Organisationsaufwand

Gekennzeichnete Einbahnstraßen markieren den Gästen den Weg in die Kinosäle, dort angekommen sorgen Platzeinweiser dafür, dass jeder seinen Platz findet. "Wir haben unseren Einlass ganz normal übers Foyer geregelt, aber nach der Vorstellung bitten wir die Besucher über die Seitenausgänge das Kino zu verlassen," so Dengler-Redlin.

Der Organisationsaufwand sei enorm, berichtet sie. "Der Betrieb muss komplett neuaufgestellt werden. Das macht es wirklich anstrengend, man hat nicht mehr die Routine. Das merkt der Zuschauer nicht unbedingt, aber ich muss meine Vorstellungen so planen, dass mehr Zeit für die verstärkte Reinigung und die Lüftungspausen bleibt. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass sich die Besucherströme nicht treffen dürfen. Das heißt, ich muss einplanen, dass die Vorstellungen der einzelnen Säle eine halbe Stunde auseinanderliegen, vor allem am Wochenende."

Keine Erhöhung beim Ticketpreis

Auch für die teuren Filmprojektoren wird es höchste Zeit, dass die Kinovorführungen wieder anlaufen. "Unsere Projektoren dürfen nicht über Monate stillstehen, die müssen laufen." Also gab es mindestens einmal pro Woche eine Geistervorstellung vor leeren Kinosesseln, verrät Dengler-Redlin. "Wir mussten alle Projektoren acht Stunden durchlaufen lassen, damit sich die Netzteile wieder vollständig aufladen können. Wenn die kaputtgegangen wären, dass wäre natürlich ein riesen Verlust zu diesem Betriebsstillstand über drei Monate obendrauf."

Trotz Umsatzeinbußen und steigender Kosten durch die geforderten Hygienemaßnahmen, will die Kinobetreiberin die Eintrittspreise vorerst nicht erhöhen. "Unsere Gäste haben so lange gewartet, und uns so großzügig unterstützt, mit netten E-Mails, oder mit dem Kauf von Gutscheinen", resümiert Dengler-Redlin über die vergangenen Wochen und fügt hinzu: "Ich möchte sie jetzt nicht gleich mit einer riesen Preiserhöhung begrüßen."

Dank Kino in ferne Länder

Dass Besucher aus Angst vor einer Infektion den Kinogang meiden könnten, glaubt Dengler-Redlin nicht: "So viele unserer Stammgäste kamen zu unserem Kioskverkauf und immer wieder fragten sie: ,Wann macht ihr endlich wieder auf?'"

Deswegen hat sich die Kinobetreiberin für die Rückkehr ihrer Besucher auch etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Filmreihe mit Reisedokumentationen. "Ich glaube, das Reisen fehlt uns allen in diesem Jahr besonders. Menschen sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Wir zeigen ihnen deshalb Filme wie "Traumreise durch Südostasien" oder durch Südamerika, auch die Azoren sind dabei."

Für alle anderen Geschmäcker wird Dengler-Redlin auch die passenden Filme heraussuchen. Denn das Filmprogramm zusammenzustellen hat ihr in den letzten Monaten besonders gefehlt: "Ich gestalte gerne ein schönes Programm, wo für jeden etwas dabei ist. Für die Kinder, für die Arthouse-Leute, für die, die einfach nur gute Unterhaltung suchen oder für die, die etwas Anspruchsvolleres wollen."