Manches Kind schreit, andere Kinder schlafen: Zumeist kriegen sie nicht mit, was genau passiert, wenn ihnen etwas Wasser über den Kopf gegossen wird. Die Kleinen verstehen die Bedeutung der Taufe noch nicht.

Die kleine Marie (sechs Monate alt) wird am Samstagabend wohl mitbekommen, dass etwas besonderes passiert. "Das ist normalerweise ihre Schlafenszeit", sagt ihre Mutter Stephanie Drummer lächelnd, "aber ich gehe fest davon aus, dass sie dann nicht schlafen wird." Denn im Hause Drummer wird die Aufregung vor Beginn der Osternacht groß sein. Gleich zwei Taufen stehen der Familie bevor: Mutter Stephanie lässt sich gemeinsam mit ihrer Tochter von Pfarrer Georg Holzschuh in der Kirche St. Martin taufen.


Taufen war im Osten nicht üblich


"Die Aufregung kriegt Marie dann vermutlich schon mit", sagt Stephanie Drummer. Die 27-Jährige ist in der Nähe von Leipzig geboren und wurde dort nicht getauft.

"Meine Mutter ist konfessionslos und ,drüben' war das auch nicht üblich, die Kinder zu taufen", blickt sie zurück.
Die Entscheidung, sich nun im Erwachsenenalter taufen zu lassen, traf Drummer nicht an einem Tag - es war ein Prozess. "Ich glaube, das hat begonnen, als 2012 mehrere Familienmitglieder gestorben sind", erinnert sich die junge Mutter, "da haben mein Mann und ich zusammen gebetet. Das hat einfach gut getan und uns geholfen." Als dann der Nachwuchs unterwegs war, entschied sie sich, "Nägel mit Köpfen" zu machen, berichtet die 27-Jährige.


Zuvor schon oft in der Kirche


"Ich bin auch davor schon oft mit meinem Mann und meiner Schwiegermutter in den Gottesdienst gegangen", sagt Drummer. Daher wandte sie sich mit ihrem Anliegen, getauft werden zu wollen, an Pfarrer Holzschuh. "Erwachsenentaufen sind die Ausnahme", weiß der Geistliche. Im Schnitt wird ein Erwachsener im Jahr in St. Martin getauft. Insgesamt waren es 24 Taufen im vergangenen Jahr.

Die Vorbereitung auf eine Taufe läuft bei Erwachsenen freilich anders ab als bei Kindern. "Bei einer Kindertaufe hat man Eltern, die den Glauben weitergeben", erklärt Georg Holzschuh, "bei Erwachsenen ist es die Aufgabe des Pfarrers, ihn oder sie in die Glaubenslehre einzuführen." Dazu treffen sich der Geistliche und der erwachsene Täufling im Normalfall über ein Jahr verteilt einmal im Monat zum Gespräch. "Bei Frau Drummer war die Vorbereitungszeit verkürzt", sagt Holzschuh.

"Ich habe viel über die katholische Kirche und den Katechismus gelesen", erzählt Stephanie Drummer, "wenn ich eine Frage dazu hatte, habe ich mit Pfarrer Holzschuh oder meiner Schwiegermutter geredet." Die Schwiegermutter war es auch, die den Vorschlag machte, Stephanie solle sich in der Oster nacht taufen lassen. "Ich weiß ja mittlerweile, dass Ostern das höchste Fest der Christen ist", sagt sie. Ihre eigene Mutter wird auch zur Taufe kommen, erzählt Stephanie Drummer. "Sie freut sich schon darauf", erklärt die 27-Jährige "und soweit ich weiß, war sie noch nie bei einer Taufe."

Der Gottesdienst am Samstag wird für die Drummers etwas Besonderes: Stephanie wird ihr Hochzeitskleid vom Standesamt noch einmal tragen und Marie bekommt ein Taufkleidchen. Und weil die sechs Monate alte Marie sich trotz des ganzen Trubels vermutlich nicht daran erinnern wird, bekommt sie ein typisches Tauf-Andenken. "Marie und ich haben jeder eine eigene Taufkerze", sagt Stephanie Drummer, "so können wir den ganz besonderen Abend mit nach Hause nehmen."