Das Licht im großen Saal des Bayreuther Herzogkellers geht aus. Die grünen, blauen und roten Scheinwerfer auf der Bühne tauchen den Raum in schummriges Licht.
In der Hofbräuhaus-Kulisse tummelt sich ein bunt gemischtes Publikum, junggebliebene Mittvierziger auf den Bierbänken und die Jüngeren, Teenager und Anfang Zwanziger an den Stehtischen. Von Anzugträgern über Jeans-Liebhaber bis hin zu Schlabber-Look-Verfechtern ist alles vertreten, und sie alle verstummen, als eine dreiköpfige Blaskapelle Einzug hält: zwei Bläser in roten Westen - der eine mit einer Trompete, der andere mit einer Posaune - und zwischen ihnen der Akkordeonist mit einer Baskenmütze auf dem Kopf. Sie singen und spielen alt-fränkische Volkslieder aus den letzten 200 Jahren, tanzen Ringelreihen und begeistern so das Publikum, das sich von den Bierbänken erhebt und das Treiben gebannt beklatscht.
Die drei Musiker sind Ilya Khenkin (21), Stefan Schalanda (26) und das langjährige Forchheimer Megafon-Mitglied David Saam (35). Sie tarnen sich scherzhaft als Vorband, denn sie wollen der Meute nur schon mal einheizen, bevor sie mit ihren vier Bandkollegen von "Kellerkommando" gleich die Bühne stürmen. Denn erst mit Patrick Köbler (27) am Keyboard, Norbert Weinhold (28) an den Drums, dem Bassisten Sebastian Schubert (25) und dem Rapper Ali A$ (32) ist die siebenköpfige Band komplett. "Das machen wir immer so, das ist gewissermaßen Tradition bei uns", verrät David Saam diese Show-Einlage schon vor dem Konzert, als die Band im Garten des Herzogkellers bei gut-bürgerlichen Schweinshax‘n mit Klöß und Soß die Ruhe vor dem Auftritt genießt.
Die Tradition gehört bei "Kellerkommando" zum Tagesgeschäft. Nicht, weil es die Band schon so lange gibt - das tut sie erst seit ein paar Jahren; den ersten Auftritt hatten die Musiker im Herbst des Jahres 2009.

Tradition und urbane Trends


Es ist die Musik der siebenköpfigen Gruppe, die mit Tradition verbunden ist: "Wir mischen regionale Musik-Kultur mit urbanen, globalen Trends", beschreibt es Ali. Der 32-Jährige selbst ist für diese Trends verantwortlich, denn er ergänzt die altertümlichen Liedtexte mit selbstgeschriebenen, modernen Rap-Einlagen. Wenn David beispielsweise mit "Gfreid mi nix als wie mei Kunnerla, mei Kunnerla is schä rund und digg!" das historische Frauen-Idealbild besingt, rappt er dazu über Heidi Klum. Kurz gesagt: Bei Kellerkommando trifft fränkische Volksmusik auf Rowdy Rap.
Damit erklimmen sie seit letztem Jahr die Erfolgsleiter. Los ging‘s im Januar: "Da wurden wir für die VW Soundfoundation, ein Förderprogramm für Bands, ausgewählt", erzählt Ali. "Es wurden aus 300 Bands neun ausgewählt, und wir waren dabei!" Als Sieger durften sie im Februar auf der Bandfactory-Bühne in Wolfsburg spielen - und machten dort eine Agentur auf sich aufmerksam. "Bei der stehen wir seit März 2011 unter Vertrag und haben ihr echt viel zu verdanken", sagt David.
Zum Beispiel, dass sie im Juni letzten Jahres als Vorband der HipHop-Gruppe "Die Fantastischen Vier" auftreten konnten. "Das war ein Gänsehaut-Feeling, vor 10 000 Leuten zu spielen, das ist unbeschreiblich!", erinnert sich David. Oder dass sie zum ersten Mal außerhalb Deutschlands auf der Bühne stehen konnten: "Im November bekamen wir über das Goethe-Institut die Möglichkeit, in Mexiko zu spielen", erzählt er. Deutschland war dort als Gastland der internationalen Buchmesse für das Rahmenprogramm verantwortlich. "Die Agentur hat uns vorgeschlagen, und dann durften wir die Buchmesse dort eröffnen."
Florian Denzler, der 35-jährige Ton-Verantwortliche bei Kellerkommando, kennt das Erfolgsrezept der Band: "Neben dem außergewöhnlichen Sound unterscheidet die Jungs von anderen, dass alles von ihnen selbst kommt." Jeder in der Band habe seine besondere Aufgabe. Einer kümmere sich um die Termin-Koordination, ein anderer sei für die Koordination vor Ort verantwortlich. Wieder ein anderer bestimme das Show-Programm und ein Vierter kümmere sich um die Verpflegung bei Auftritten. "Wir liefern der Agentur von vornherein schon das komplette Paket und sind super organisiert."

Bald kommt die erste EP


Die letzte Stufe auf der Erfolgsleiter, die die Jungs von Kellerkommando erklommen haben, ist ihre erste EP - eine CD mit sechs Liedern, die den Namen "Mondscheinbrüder" trägt und am 18. Mai in den Verkauf geht. Auf diese Platte geben die Musiker ihrem Publikum im Herzogkeller schon mal einen kleinen Vorgeschmack.
Begleitet vom Nebel aus dem Dunst-Erzeuger und mit der Ansage von David, "Damit die alten Hits von Opa nicht versauern!", verteilen sich die ersten Töne eines Volkslieds im Raum, verbreiten sich ein, zwei, drei Takte lang im Saal. Dann folgt der Beat von den Drums, Ali betritt rappend die Bühne und einige Kellerkommando-Fans tanzen wild zu dem Mix aus Alt und Modern.

Übrigens: Kellerkommando spielen am Mittwoch, 16. Mai, im Morph Club in Bamberg.