In der Küche von "Mega-Cent" gibt es keinen Kaffee. Dafür ist heute keine Zeit. "Heute sind Nudeln im Angebot", erzählt Josefine Neuner dort, wo die Mitarbeiter normalerweise Pause machen. "Miteinander schwatzen können wir derzeit selten. Seitdem die Kunden wissen, dass wir zumachen, ist es manchmal die Hölle", erzählt die Verkäuferin, während sich die Kunden auf die Marken-Nudel-Packungen für 30 Cent das Stück stürzen.

Über dem Einkaufsmarkt in der Haidfeldstraße steht in blau-gelben Lettern "Mega-Cent". Daneben parken die Einkaufswagen in Reih und Glied. In den Schnäppchen-Markt geht man nicht zum täglichen Einkaufen. Man geht auf Schnäppchen-Jagd. Heute sind es die Nudeln mit dem wohlklingenden Namen. Gestern waren es die Notenständer für vier Euro. Die Notenständer stehen heute noch da, wie bestellt und nicht abgeholt. Direkt neben den elektrischen Korkenziehern.

Berlin, Leverkusen, Rostock und ... Forchheim


"Wir bekommen derzeit viel Ware aus Rostock", erzählt die 61-jährige Verkäuferin. "Dort haben sie schon einen Laden geschlossen." Vier Läden mit dem blau-gelben "€"-Zeichen im Emblem gibt es in ganz Deutschland. "Berlin, Leverkusen, Rostock und ... Forchheim", zählt Stefan Chatziparaskewas die Standorte auf. Für den Fachanwalt für Arbeitsrecht hat diese Kette ein "Geschmäckle". Schließlich habe Forchheim eine Geschichte. Am gleichen Standort in der Haidfeldstraße stand früher eine Lidl-Filiale, die viel mit dem berühmten gallischen Dorf gemeinsam hatte.

"2004 haben wir im März einen Betriebsrat gegründet", erzählt Josefine Neuner, die seit 1992 bei Lidl gearbeitet hat. Eineinhalb Jahre später tauschte der Discounter die Schilder aus, und machte aus dem Lebensmittel-Laden eine Reste-Rampe. Irgendwann ging der kämpferische Betriebsrat und plötzlich übernahm Josefine Neuner die Interessenvertretung für die zehn Verkäuferinnen. "Wir wollen wieder für einen Lidl arbeiten", sagt sie. Davon will "Mega-Cent" freilich nichts wissen. Für den Anwalt eine "Sauerei Hoch 10". "Die zehn Frauen werden übertragen auf irgendeine GmbH. Dann macht man den Laden nach ein paar Jahre zu, und sagt: Jetzt könnt ihr alle in die Arbeitslosigkeit gehen."

Josefine Neuner rechnet damit, dass Ende des Jahres endgültig Schluss ist. Sie ärgert sich, dass Lidl keine Verkäuferinnen von "Mega-Cent" übernehmen will. Besonders für ältere Kolleginnen sei das schlimm. Jetzt hofft sie wenigstens auf eine kleine Abfindung nach den vielen Jahren an der Kasse. Oder auf ein Einsehen des blau-gelben Mutterkonzerns. "Im Endeffekt sind wir nur ein ganz kleiner Haufen", sagt die Betriebsrätin resigniert. Das ärgert Chatziparaskewas. "Vielleicht wollen fünf Frauen noch weiter arbeiten. Und Lidl behauptet, sie hätten keine Stellen?" Auch die Gewerkschaft Verdi will für die Verkäuferinnen kämpfen.