Ihren Hals schmückt eine silberne Kette mit einem Kirschenpaar als Anhänger. Ihr Oberteil leuchtet in kirschrot. Ihre Augen weiten sich, als sie in eine der ersten reifen Früchte des Jahres beißt. Und ihr Mund scheint am liebsten über das süße Steinobst zu reden - genauso fachkundig wie begeistert. Marina Fink und die Kirschen - das ist schon eine kleine Liebesbeziehung.



Am Montag, 24. Juni, um 18 Uhr wird die 26-Jährige aus Weilersbach im Berggasthof Hötzelein (Regensberg) offiziell als neue Kirschenkönigin für das Anbaugebiet Forchheim-Fränkische Schweiz vorgestellt. Marina I. folgt auf Carina (Hack) I., die jetzt zwei Jahre lang regiert hat. Bei ihrer vor allem repräsentativen Aufgabe wird Marina von Elisa Hänfling (18 Jahre) aus Dorfhaus unterstützt. Die Stellvertreterin soll einspringen, wenn die Königin verhindert ist.


45 niedrigstämmige Kirschbäume besitzt derzeit die Familie der neuen Kirschenkönigin im Gräfenberger Ortsteil Guttenburg. Derzeit hängen sie voller Früchte in den verschiedensten Farben: einige grünlich, viele hellgelb und wenige schon saftig-rot. In wenigen Tagen beginnt hier die Ernte. "Die Sorte Burlat ist als erstes dran", erzählt die junge Frau, während sie die Kirschen begutachtet. Ihre Lieblingssorte, die Kordia, und die beliebte Regina brauchen noch ein paar Tage mehr.

Frei nehmen für die Ernte
Marina I. freut sich schon aufs "Kerscha bloden", wie das Pflücken im Raum Guttenburg genannt wird. Während der rund fünfwöchigen Erntezeit ist sie am Wochenende und werktags nach der Arbeit fast ausschließlich im Kirschgarten anzutreffen, nimmt sogar mal ein paar Tage frei fürs Pflücken. "Das macht einfach Spaß, weil man mit der Familie zusammen ist und sich ganz lange unterhalten kann. Die Arbeit hat etwas Beruhigendes", sagt Marina Fink.

Jetzt, kurz vor der Kirschernte, schaut sie regelmäßig auf den Wetterbericht - und der macht sie bei Unwetterwarnungen wie am Donnerstag ähnlich nervös wie der Gedanke an ihren ersten offiziellen Auftritt heute Abend. Schließlich kann ein Hagelschauer oder lang anhaltender Regen die reifen Früchte allesamt zerstören und die ganze Erntefreude kaput machen. Deshalb sei auch der Ertrag 2013 noch nicht abzuschätzen.

Seit der Kindheit dabei
Marina ist deutlich anzusehen, wie sehr sie sich auf ihre zwei Jahre als Kirschenkönigin freut. Ihre Bewerbung begründet sie damit, dass sie "bereits seit meiner Kindheit in die Kirschernte mit einbezogen wurde". Im Gespräch gesteht sie, dass sie zwar als Teenager etwas "rebellisch" war und sich nicht mehr so sehr für das Steinobst interessierte, doch das habe sich dann wieder schnell geändert. "Je älter ich wurde, umso mehr wurde mir bewusst, dass die Kirschen zu meiner Familie gehören", sagt Marina.

Heute ist sie bereit, sich voll und ganz auf ihre Aufgabe als Kirschenrepräsentantin zu konzentrieren. Ihr Vorgesetzter bei ihrem Arbeitgeber, der Firma Datev, hat der Sekretärin bereits signalisiert, dass sie auch Termine unter der Woche wahrnehmen kann. Und ein fester Freund lenkt sie derzeit auch nicht ab. Alles ist also angerichtet für eine großartige zweijährige Regentschaft.