Kreis Forchheim Beim Abkippen von Schotter auf der ICE-Baustelle unweit der Galgenbergbrücke in Baiersdorf verhakt sich die Ladefläche eines Brummis in der 15 000 Volt führenden Hochspannungsleitung der Bahn und reißt sie herunter. Die Funken sprühen, der durch den LKW fließende Strom setzt die Reifen des Fahrzeuges in Brand. Der abspringende Lastwagenfahrer erleidet einen Stromschlag und bleibt im Spannungstrichter neben seinem Fahrzeug liegen.

Das ist aber nur ein Teil des Szenarios der Großübung am Samstagvormittag, bei der die Zusammenarbeit von Bahn, Polizei, Feuerwehr, Rettungskräften und Einsatzkräften des Technischen Hilfswerkes (THW) demonstriert werden sollte. Insgesamt sind rund 350 Akteure im Einsatz.

Für sie gilt es zunächst, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Aufgrund des Erdschlusses der Oberleitung war es zu einem Stromausfall im Fahrdraht der S-Bahn gekommen. Eine mit rund 120 Personen besetzte S-Bahn war vor den Toren von Baiersdorf liegengeblieben. Durch die Notbremsung waren Personen im Zug gestürzt und hatten sich verletzt. Anderen waren Gepäckstücke auf den Kopf gefallen, weitere Personen standen unter Schock. Doch die Passagiere durften den Zug nicht verlassen. Obwohl die Oberleitung der Bahn gekappt ist, steht das Kabel unter einer Restspannung von rund 7000 Volt. Ein Notfallmanager der Bahn muss verständigt werden, der das Kabel erdet. Im Echtzeit-Einsatz. Mit anderen Worten: Es dauerte gut anderthalb Stunden, bis sich die Rettungskräfte gefahrlos dem verunglückten Lkw-Fahrer und dem voll besetzten Zug nähern konnten. Entsprechend ungeduldig sind die Fahrgäste. Die stickige Luft in den Waggons ist bei dem Szenario, das unter dem Namen "Kren-Express" abläuft, noch das geringste Problem. Die rund 60 Fußballfans, gemimt von Beamten der Bundespolizei, beginnen im Zug zu randalieren.

Die Zeit bis der Notfallmanager zu Hilfe eilt, nutzen die Organisatoren, um Plätze festzulegen, an denen die Verletzten später versorgt werden können, wo das Rettungsgerät bereitgestellt wird und wo die Rettungsfahrzeuge auf den Abtransport der Verletzten warten.

Als der Einsatzleiter der Polizeistaffel den Befehl erteilt, den Zug zu stürmen, trennen die Beamten als erstes die Hooligans von den restlichen Fahrgästen. Bei der Evakuierung werden zunächst die Verletzten auf Tragen abtransportiert. Dann werden Frauen und Kinder - teils über eine Rettungsplattform - in Sicherheit gebracht.

Die aufgebrachten Fußballfans dagegen gehen die Einsatzkräfte verbal an, beleidigen sie. Vereinzelt kommt es zu Rangeleien zwischen den gewaltbereiten Anhängern des FC Frankenhausen und den Polizeibeamten. Den Fußballfans gelingt es zudem, so genannte "Bengalos" über die Lärmschutzwand zu werfen und eine Böschung in Brand zu setzen. Einsatzkräfte können aber mit einem Feuerlöscher Schlimmeres verhindern.

"Perfektion war hier nicht das Ziel. Es ging darum, die Landkreisüberschreitende Zusammenarbeit bei Einsätzen im Gleisbereich zu trainieren", urteilt Kreisbrandrat Oliver Flake. Inwieweit dies gelungen ist, werde sich bei der Nachbesprechung herausstellen, denn alle Schritte des Szenarios wurden durch Beobachter dokumentiert und müssen entsprechend aufgearbeitet werden.