Drei Jahre Freiheitsstrafe lautet das Urteil am Amtsgericht Bamberg gegen einen 53-jährigen Mann aus dem Landkreis Forchheim. Er hat nach Überzeugung des Schöffengerichts die eigene, damals 13-jährige Tochter, schwer sexuell missbraucht und im Rauschzustand deren Mutter angegriffen.

Da Aussage gegen Aussage stand, musste geklärt werden, ob der Ex-Frau und insbesondere der Tochter geglaubt werden konnte. Das Gericht konnte es.

Aktenberge

Sie haben es sich nicht leicht gemacht: Drei Verhandlungstage haben der Vorsitzende Richter Matthias Bachmann und seine beiden Schöffen sich durch Aktenberge, Zeugenaussagen und Videovernehmungen gearbeitet. Mehrere Stunden hat alleine die Beratung hinter verschlossenen Türen gedauert. Danach sind sie weitgehend dem Antrag des Staatsanwalts Johannes Bartsch gefolgt, der dreieinhalb Jahre gefordert hatte. Am Ende glaubten man den Aussagen der beiden Zeuginnen.

Insbesondere die Tochter habe sich das Geschehen nicht ausgedacht oder es nur erträumt. Im Gegenteil habe sie den Vater bei der Polizei sogar noch in Schutz genommen. Auch die späte Enthüllung des Missbrauchs sei nachvollziehbar. Dem Vater habe die Tochter nichts gesagt, weil der sich sowieso nicht daran erinnern hätte können, so Richter Bachmann. Die Mutter, geplagt von gesundheitlichen Problemen, Trennungsstress und familiären Tiefschlägen, habe sie schonen wollen. "Wir haben keine Anhaltspunkte, dass die Tochter durch die Mutter instrumentalisiert wurde, um im Scheidungsverfahren eine bessere Position zu haben.", erklärte der Richter.

Der Alkohol und seine Folgen

Der Alkohol und seine Folgen haben das nach außen hin heile Familienleben seit Jahren geprägt. Vor 16 Jahren wurden die Probleme erstmals außerhalb der vier Wände sichtbar. Da hatte man den Mann bei einer Trunkenheitsfahrt erwischt. Vier Jahre später dann das gleiche Spielchen. Vor elf Jahren dann hielt es die Ehefrau nicht mehr bei ihm aus. Es folgte die Scheidung.

Er gelobte Besserung, begab sich in eine Entgiftung im Klinikum Forchheim und der Kopfklinik Erlangen. Er bekam mit einer zweiten Heirat eine zweite Chance. Doch die Schäden am Gehirn durch den langjährigen Alkoholmissbrauch waren bereits eingetreten. Eine gravierende Wesensänderung ergriff von dem Mann Besitz. Das erläuterte der psychiatrische Sachverständige Christoph Mattern aus Bayreuth. Der Mann habe Schwierigkeiten, seine Triebe zu kontrollieren, sei schnell reizbar, und das Sexualverhalten ändere sich auch. "Er neigt unter Alkoholeinfluss dazu, Dinge zu tun, die er nüchtern niemals täte", erläuterte der Arzt.

Dass der Mann nicht mehr wusste, was er tat, das zeigte sich vor sechs Jahren bei einem Aufenthalt in Vietnam, als er im Rauschzustand seine Ehefrau im Streit mit einer Hand am Hals packte und mit den Fingern der anderen Hand in ihre Augen drückte, bis sie nurmehr Sternchen sah. Diese vorsätzliche Körperverletzung, die auch der gemeinsame Sohn miterleben musste, wurde als fahrlässiger Vollrausch geahndet. Ein Jahr später wurde die gemeinsame Tochter während eines Annafest-Besuchs in Forchheim von einem Unbekannten begrapscht. Das und die Erschütterung des Mädchens interessierten den Vater freilich nicht. Er wollte nur weiter auf den Kellern bleiben und trinken. "Er hat sie im Stich gelassen", sagte Richter Bachmann. Dann kam es während eines Urlaubs in Thailand zum Inzest.

Wesensänderung

Die Wesensänderung war es wohl auch, die ihn dazu veranlasste hatte, seine damals 13-jährige Tochter sexuell schwer zu missbrauchen. Wobei die Details erstens unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen wurden und zweitens aufgrund des Opferschutzes nicht breitgetreten werden sollen.

Auch nach den beiden Vorfällen in Fernost blieb der Mann seinen Gewohnheiten treu. Das beweisen zwei weitere Trunkenheitsfahrten, eine erneute Scheidung und die gesetzliche Betreuung. Er war nach Ansicht des Betreuungsrichters nicht mehr dazu in der Lage, seine ganz alltäglichen Dinge alleine zu regeln. Dann landete er vor zwei Jahren wieder vor dem Amtsgericht Forchheim. Er hatte zwei Polizeibeamte massiv beleidigt. Nachdem man ihn trotz Widerstands festgenommen hatte, folgte auf der Polizeiwache eine weitere Schmähung.

In Einrichtung untergebracht

Ob und wann der Verurteilte die dreijährige Gefängnisstrafe antreten muss, ist indes noch nicht klar. Derzeit befindet er sich in einer "beschützenden Einrichtung" in der Oberpfalz. Dort ist er wegen seiner langjährigen Alkoholabhängigkeit untergebracht. Möglicherweise werden sich für den 53-jährigen Mann die verschlossenen Türen dort nie mehr öffnen.

Das niederschmetternde Fazit: Eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei nicht erfolgversprechend. Dafür seien die hirnorganischen Schäden bereits zu groß. Außerdem zeige sich eine beginnende Demenz, konstatierte der Psychologe Jürgen Melzer aus Bayreuth.