Seit Jahren schwelt zwischen Bootsverleihern, Naturschützern, Behördenvertretern und Anwohnern ein Streit darüber, wie viele Paddler auf der Wiesent unterwegs sein dürfen. In diesem Jahr spitzte sich die Situation noch einmal zu: Denn Corona-bedingt sind so viele Urlauber in der Gegend wie selten zuvor.

Am Montagnachmittag (24. August 2020) hat die Pressestelle des Landratsamtes nun mitgeteilt: Aufgrund des aktuell sehr niedrigen Wasserstandes ist ein Befahren der Wiesent auf Höhe Gasseldorf und im Abschnitt unterhalb von Rothenbühl wegen der dortigen Flachwasserbereiche zum Schutz des Lebensraums der Jungfische ab Mittwoch, 26. August, nicht mehr erlaubt.

Wegen anhaltender Trockenheit: Wasserstände sind zu niedrig

Das Landratsamt Forchheim fordert daher alle Bootfahrer auf, dies bis auf Weiteres bei der Planung ihrer Bootstour zu berücksichtigen und ab sofort den vorausgehenden Ausstieg "Streitberg" bei Niederfellendorf zu nutzen.

Bereits am Montagmorgen hatte die Pressestelle des Landratsamtes mitgeteilt: Aufgrund der anhaltenden Trockenheit sind die Wasserstände in den Bächen und Flüssen - insbesondere im Einzugsgebiet der Wiesent - bereits so niedrig, dass schon geringfügige Wasserentnahmen nachteilige Auswirkungen auf die Gewässerökologie haben können.

Vor allem in kleineren Gewässern sei schnell die Grenze überschritten, bei der für die Lebewesen im und am Gewässer kein oder zu wenig Wasser übrig bleibt, wodurch große Schäden entstehen.

Wasserentnahme aus Wiesent verboten

Das Landratsamt Forchheim weist deshalb darauf hin: Zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt ist eine Wasserentnahme im Einzugsgebiet der Wiesent derzeit nicht mehr zulässig und verboten. Das gilt für den Gemein-, Eigentümer- und Anliegergebrauch, der außerhalb von Niedrigwasserperioden ohne Erlaubnis möglich ist. Das Landratsamt bittet um Beachtung.

Erst vor wenigen Tagen hatte Christian Kiehr (Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Ebermannstadt-Wiesenttal) in einem Offenen Brief das Landratsamt aufgefordert, den Paddel-Verkehr auf der Wiesent strenger zu kontrollieren (wir berichteten).

Dem FT sagte Karin Lämmlein (Leiterin des Fachbereiches Naturschutz und Wasserrecht beim Landratsamt) in der vergangenen Woche auf Nachfrage: Die Behörde erfülle bei der Regulierung der Wiesent-Nutzung ihre Aufgaben sehr wohl. "So gab es schon 2018 und auch 2019 Sperrungen von Streckenabschnitten, beispielsweise unterhalb des Wehrs bei Rothenbühl."

Streit über Kanu-Verkehr ist nicht neu

Der Streit über den Kanu-Verkehr auf der Wiesent ist nicht neu: Aktivisten des Bund Naturschutz (BN) hatten im vergangenen Jahr vor Gericht darauf gedrängt, dass bei den Bootsfahrten auf der Wiesent "geltendes Naturschutzrecht" herrschen müsse.

Daraufhin war es im August 2019 am Verwaltungsgericht Bayreuth zu einem sogenannten Erörterungstermin gekommen. Dabei hatte sich das Landratsamt Forchheim unter anderem verpflichtet, den "mitgeteilten Verstößen" nachzugehen. Beispielsweise muss die Naturschutzbehörde Teilstrecken sperren, wenn die Pegelstände zu niedrig sind. Der BN ist der Auffassung, die Behörde ignoriere die vor Gericht erörterten Themen. red/fr