Seit über 30 Jahren gibt es "Das weiß-blaue Beffchen", Bayerns ältestes Kabarett evangelischer Pfarrer. Die Besetzung hat sich immer wieder verändert, das für evangelische Pfarrer typische weiße Stofflätzchen um den Hals, genannt Beffchen, ist geblieben.
Am Samstag, 4. Mai, treten die humoristisch begabten Pfarrer um Harald Richter um 20 Uhr im Bürgerhaus in Streitberg auf. Richter ist Klinikpfarrer in Bad Neustadt/Saale.

Wie oft werden Sie gefragt, was ein Beffchen ist?
Richter: (lacht) Ständig. Dabei trage ich selbst gar keines mehr in der Regel. Auch in der evangelischen Kirche kann man jetzt eine Stola tragen. Ich trage das Beffchen eigentlich nur noch im Kabarett.

Wie sind Sie zum Kabarett gekommen?
Ich war damals noch in der Ausbildung. Und war dann bei dem Pfarrer, der "Das weiß-blaue Beffchen" 1976 anlässlich des 175. Jubiläums der Evangelischen Kirche in München gegründet hat. So bin ich in den 80ern da rein geschlittert.

Religion und Humor schließen sich also nicht aus?
Warum sollte sich das ausschließen? Im Unterschied zum politischen Kabarett schießen wir nicht auf andere. In 90 Prozent der Fälle nehmen wir uns selbst aufs Korn. Und wer sollte besser über sich lachen können als wir Christen?

Unterscheidet sich der katholische vom evangelischen Humor?
Eigentlich nicht. Eventuell sind sie im katholischen Kabarett etwas vorsichtiger. Das ist bei uns nicht so. Wir bekommen zwar Kritik von einzelnen Zuschauern, die sich eventuell verletzt fühlen, aber das ist sehr selten. Wir genießen eine große protestantische Freiheit.

Ihr aktuelles Programm heißt "Die Welt ist nicht genug". Eine Anspielung auf James Bond?
Es ist eigentlich immer so, dass wir uns ein bekanntes Leitbild nehmen. Wir gehen dabei vom Motto des Kirchentags aus. Das lautet in diesem Jahr "So viel ihr braucht". Dann schauen wir, ob man das nicht etwas umdrehen kann. Bei Bond sitzt Moneypenny immer brav im Büro und keiner beachtet sie oder Q, der verrückte Wissenschaftler, der ständig mit neuen Ideen ankommt. An den Typen kann man manches festmachen und in den christlichen Kontext bringen. So ein Leitbild hilft auch bei der Themenfindung. Da zieht man sich ein paar Bond-Filme rein und kommt dann auf die Ideen.

Der neue Bond hat ja auch gesagt, sein liebstes Hobby sei die Auferstehung...
... genau. Und James Bond will immer die Welt retten. Das ist ein ur-christliches Motiv.

Welche Gebote befolgen Sie bei der Themenwahl?
Es gibt Bereiche, die immer vorkommen sollten. Einer wären die Ehrenamtlichen. Die nehmen wir dann und ihr Verständnis von Kirche ein wenig auf die Schippe. Und natürlich aktuelle Themen. Der neue Papst wird auch vorkommen. Die katholische Kirche bietet viel an Material. Hochaktuell ist auch der "Fall Hoeneß"...

... kommt der auch noch ins Programm?
So etwas lassen wir nicht aus. Wir werden am Wochenende nochmal drüber reden. Es gibt immer variierbare Nummern. Andere leben eher von der Situationskomik. Das ist es auch, was unser Programm so attraktiv macht. Szenische Geschichten von Pfarrern, Gemeindemitglieder und Ehrenamtlichen. Natürlich geht es immer auch um ihre Schwächen.

Wird zu wenig gebetet oder gelacht in der heutigen Zeit?
Zu wenig gelacht. Vielleicht ist Lachen auch ab und zu ein Gebet.

Religion kommt also in der Gesellschaft nicht zu kurz?
Ich glaube diese Mär nicht, dass Religion keine Rolle mehr spielt. Sie ist eher in etwas Privates abgerutscht, zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ich glaube, die verfassten Kirchen nehmen in der Bedeutung ab. Die Sehnsucht nach Religion und die Frage aber nicht.