Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr – so sagt es jedenfalls der Volksmund. Dass dieses Sprichwort nicht immer stimmt, beweist die Volkshochschule (VHS) des Landkreises Forchheim: Bei der kommunalen Einrichtung mit ihren 24 Außenstellen steht die Erwachsenenbildung im Vordergrund. Im Jahr 2019 boten die Dozenten 2300 Kurse mit den Schwerpunkten Gesundheitsbildung, Sprachen, berufliche sowie politische und gesellschaftliche Bildung an.

Das Coronajahr 2020 brachte allerdings massive Einschränkungen mit sich. Wir sprachen mit Marion Rossa-Schuster, Geschäftsführerin der VHS, über ein schwieriges Jahr, neue Konzepte und den gesellschaftlichen Auftrag ihres Bildungsträgers.

Inwiefern konnten Kurse im Corona-Jahr 2020 stattfinden?

Marion Rossa-Schuster: Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst konnte das Semester zunächst planmäßig starten. Im Herbst jedoch mit einem akribisch ausgearbeiteten Hygienekonzept und bereits deutlich reduzierten Teilnehmerzahlen wegen des geltenden Abstandsgebots. Im Frühjahr mussten dann nach drei und im Herbst nach fünf Terminen alle Präsenzkurse abgebrochen werden. Teilweise konnten die Kurse online weitergeführt werden. In den Sommermonaten bot die VHS zur Überbrückung ein spezielles Sommerprogramm an, das weitgehend im Freien stattfand. Dieses wurde sehr gut angenommen.

Gab es bereits vor dem Ausbruch der Pandemie die Möglichkeiten zu einem virtuellen Unterricht, an welche die Dozenten nach dem ersten Lockdown anknüpfen konnten?

Nein. Im Frühjahr waren weder die pädagogische Leitung noch die Kursleiter auf Online-Kurse eingestellt, da für diese bisher keine Nachfrage vorhanden war. Daher haben wir im ersten Lockdown weitgehend Online-Angebote in Kooperation mit anderen bayerischen Volkshochschulen unterbreitet.

Wie sah es nach dem erneuten Kursabbruch im Winter aus?

Anfang Dezember wurden einige Kurse, bei denen es pädagogisch und technisch möglich war, online weitergeführt und beendet. Wir haben uns damals gleich entschieden, alle Präsenzkurse des restlichen Herbst-/Wintersemesters abzusagen, den Beginn des ,offiziellen‘ Semesterstarts Frühjahr/Sommer auf die Zeit nach den Osterferien zu verschieben und für die Übergangsmonate ein reines Online-Kursprogramm anzubieten.

Wann fällt der Startschuss für dieses Programm?

Nach den Weihnachtsferien beginnen die Kurse.

Sicherlich lassen sich nicht alle Angebote online abwickeln. Welche Inhalte werden virtuell angeboten?

Im Bereich Gesundheit erstreckt sich das Angebot von Yoga und Rückenschule über Stressabbau, bis hin zu hochintensivem Body-Workout. Im Sprachbereich bieten wir Englisch-, Französisch- und Italienischkurse an. Im beruflichen Bereich bieten wir die ganze Palette der kaufmännischen Anwendungen an.

Worum geht es hierbei konkret?

Es geht beispielsweise um Themen, wie Buchführung, Lohn- und Gehaltsabrechnung oder Controlling.

Wie kann ich mir das Prinzip einer Online-Stunde vorstellen?

Die Kurse laufen über die vom VHS-Verband entwickelte Internetplattform ,vhs.cloud.‘ Dort müssen sich die Kursleiter und Teilnehmer registrieren. Für den jeweiligen Kurs gibt es einen Kurscode, mit dem man beitreten und dann aktiv mitmachen kann. Den Kursleiter sehen alle Teilnehmer dann groß auf dem Monitor ihres Notebooks. Die Teilnehmer entscheiden dann selbst, ob sie ihre Kamera anlassen möchten oder nicht. Dann leitet der Kursleiter die Stunde wie in Präsenz.

Gibt es im virtuellen Bereich auch Vorteile fernab des Infektionsschutzes?

Es ist sehr unkompliziert, da jeder online bei sich zuhause teilnimmt.

Wo stoßen die Online-Fromate an ihre Grenzen?

Online-Angebote können den realen Kursbetrieb nicht ersetzen, ermöglicht der Präsenzunterricht doch gesellschaftliche Teilhabe und soziale Interaktion zwischen den Kursteilnehmern, die bei einem digitalen Kursangebot nur in unbefriedigendem Maße erreicht werden kann. Mit Sorge beobachten wir auch, dass sich einzelne Teilnehmende bereits im Herbst vollständig aus dem VHS-Kursgeschehen zurückgezogen haben und hoffen, dass sie sich künftig von der VHS und lebensbegleitender Weiterbildung nicht völlig abwenden werden.

Stichwort künftig: Wie sind die Pläne für die Zeit nach der Pandemie?

Das muss sich erst zeigen. Ich könnte mir vorstellen, dass es viele Kurse künftig als Blended- Learning-Angebote geben wird: Präsenzkurse mit ergänzendem Online-Angebot zur Weiterbearbeitung und Vertiefung zu Hause.

Apropos Internet-Angebot: Auf Internetseiten, wie Youtube, gibt es mittlerweile auch zahlreiche Lehrvideos. Stellen derartige Formate eine Konkurrenz zur VHS dar?

Möglicherweise schon, wobei hier natürlich schon Qualitätsunterschiede bestehen.

Wie wird der Qualitätsanspruch Ihrer VHS sichergestellt?

Unsere Kursleiter müssen bei ihrer Bewerbung entsprechende fachliche und pädagogische Qualifikationen nachweisen. Darüber hinaus werden vom Bayerischen VHS-Verband fortlaufend Fortbildungen zu pädagogischen, fachlichen und natürlich auch digitalen Themen angeboten – zum Beispiel zur Durchführung von Onlinekursen über die vhs.cloud.

Was bietet eine VHS – neben dem gesicherten Qualitätsanspruch – was ein Tutorial auf Youtube nicht leisten kann?

Unsere Online-Kurse bieten die Möglichkeit der persönlichen Betreuung und der direkter Interaktion. Es können konkrete Verständnisfragen gestellt werden, die die Kursleiter live beantworten. Es ist eine direkte und unmittelbare Kommunikation möglich, die ein Youtube-Video nicht leisten kann.

Eine VHS hat darüber hinaus den Anspruch, eine größere gesamtgesellschaftliche Bedeutung als Videokanäle im Internet zu haben. Wie würden Sie den gesellschaftlichen Auftrag Ihres Instituts in Forchheim beschreiben?

Die Aufgabe von Volkshochschulen – als Einrichtungen von Erwachsenenbildung – ist es, einen essenziellen Zugang zum lebensbegleitenden Lernen und Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe für alle zu ermöglichen, und das zu einem fairen Preis, den sich jeder leisten kann.

Hier geht's zum Kursangebot der VHS: https://www.vhs-forchheim.de/programm/online-kurse.html