Die Windräder schieden auch im Forchheimer Kreistag die Geister. Während Freie Wähler, SPD, und die Räte der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Energie-Sicherung Priorität einräumten, führten die Vertreter von CSU und Jungen Bürgern (JB) auch ästhetische Gesichtspunkte ins Feld. Windkraftanlagen auf dem Gebiet des Naturparks Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst seien unvereinbar mit dem Tourismus. Die geplanten Vorranggebiete Kasberg-Nord (85,8 Hektar) und Rüsselbach-Ost (14,8 Hektar) sollten daher gestrichen werden.
Der fraktionslose Peter Kaiser mochte keinem einzigen Windrad zustimmen. "Wir haben hier allenfalls die Wahl zwischen Pest und Cholera", polterte er. "Nur weil die Bundesregierung eine Energiewende beschließt, sollen wir das ausbaden." Windräder seien eine Umweltverschandelung, die Pläne der Bayerischen Staatsregierung, die 1500 Windkraftanlagen fordere, nannte Kaiser ein "Horror-Szenario."
Dem hielt Landrat Reinhardt Glauber (FW) entgegen, dass Windkraftanlagen laut Bundesbauuordnung als privilegierte Bauwerke eingestuft seien, die überall errichtet werden dürften. Vorranggebiete hätten den Vorteil, dass "dort keine Windräder gebaut werden, wo wir sie nicht wollen.

Ästhetik oder Energiesicherung?


Jürgen Kränzlein (SPD) wollte geklärt wissen: "Reden wir über Umweltverschandelung oder darüber, wie die Energie für die nächsten Jahrzehnte gesichert werden soll?" Windräder seien zwar nicht Architekturpreis-verdächtig, schafften aber mehr Unabhängigkeit von Energie-Importen, senkten die Klimatischen Emissionen und könnten zur Stärkung der heimischen Wirtschaft beitragen. "Windräder sind etwas, mit dem wir uns anfreunden wollen verdeutlichte Kränzlein die Position der SPD. Der vorliegende Regionalplan Entwurf räume die Bedenken hinsichtlich schädlicher Auswirkungen auf den Tourismus weitgehend aus.
Karl Waldmann (Die Grünen) plädierte sogar dafür, die Windkraftanlagen in Oberngrub auszubauen, auch wenn sie innerhalb des Naturparks lägen. Kollege Peter Morys ergänzte, die Bürger müssten sich von den Sehgewohnheiten lösen. Hochspannungsleitungen seien auch nicht sonderlich ästhetisch.

Ohne Naturpark-Flächen


Peter Eismann (CSU) mahnte zu mehr Einsparung und Effizienz auf dem Energiesektor. Die energiepolitischen Ziele seien auch ohne die Vorrangflächen auf dem Gebiet des Naturparks Fränkische Schweiz zu erreichen. Deshalb forderte Eismann: Die 85,5 Hektar Kasberg Nord und das Gebiet Oberrüsselbach müssen gestrichen werden.
Michael Hofmann (JB) stellte in Abrede, dass mit Energie aus Windkraft die Grundlast gesichert werden könne. Bemerkenswert fand Hofmann, dass eine Erlaubnis notwendig sei, wenn im Naturpark ein Schild aufgestellt oder ein Schrifttafel angebracht werden soll, auf der anderen Seite aber ohne weiteres Windräder errichtet werden könnten.
De Frage müsse lauten, Woher bekommen wir die Energie, die wir brauchen, fragte Franz Schmidtlein (FW). Dieser Dialog, sei in die Welt gesetzt und er müsse jetzt diskutiert werden. Wichtig dabei, der Kriterienkatalog. Es geht um die Frage: was muss ein Regionalplan beinhalten?.
Willi Müller (CSU) sah einen großen Konsens für die Windkraft. Allerdings schränkte er ein: Der Naturpark muss geschützt werden. Windräder sollen nicht rings um Kasberg oder in Leutenbach, sondern an der Autobahn A 9 errichtet werden.
Albert Dorn (SPD) hielt diese Argumentation der Konservativen für schizophren. Einerseits kritisierten sie die Verschandelung des Landschaftsbildes, andererseits seien die Kollegen der CSU bereit, in Streitberg eine Teilfläche aus dem Naturpark herauszunehmen, und mit Häusern bebauen zu lassen. Wenn es um das Versilbern geht, ist der Naturschutz ratz fatz vergessen, hielt Dorn den Kollegen vor.
MdL Eduard Nöth (CSU) bemühte sich, die vorgebrachten Änderungen in das Verfahren einzubringen. "Wir wollen damit deutlich machen, dass man über die beiden Gebiete im Naturpark reden muss", mahnte Nöth.
Vergeblich. Bei der Anstimmung setzte sich die Mehrheit aus Freien Wählern, SPD und Grünen mit 26:23 Stimmen durch. Die Fortschreibung des Regionalplanes ist somit gegen die Stimmen der CSU gebilligt.