Seit zwei Wochen ist Armin Dierl, ehemaliger Leiter der Polizeiinspektion Erlangen-Land, nun im Ruhestand. Beim Besuch bei ihm zu Hause in Rettern ist viel über seine Zeit als Polizist, seine spannendsten Einsätze und seine weiteren Pläne zu erfahren. Am 29. Oktober wurde Hauptkommissar Armin Dierl, Leiter der Polizeidienststelle in Uttenreuth, in den Ruhestand verabschiedet. Die Entscheidung, sich bereits zu seinem 60. Geburtstag aus dem Berufsleben zurückzuziehen, fiel ihm nicht leicht. Schließlich sei er immer "mit Leib und Seele Polizist" gewesen. Auch wenn Dierl seine Berufswahl heute als seine "beste Entscheidung" bezeichnet, war nicht immer klar, dass es ihn zur Polizei verschlagen würde. Als 17-Jähriger begann der gebürtige Oesdorfer zunächst eine Ausbildung als Nachrichtengerätemechaniker bei Siemens. Erst 1978 bot sich die Möglichkeit, eine zweijährige Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Würzburg zu absolvieren, die er im September 1980 abschloss.

Lehrreiche Jahre als Autobahnpolizist

Im Anschluss folgte der Dienst in einer Einsatzhundertschaft bei der Bereitschaftspolizei in Nürnberg. Anschließend bewarb sich Dierl bei der Autobahnpolizei in Erlangen. Die sieben Jahre, die er dort verbrachte, zeigten sich im Rückblick als besonders lehrreich. Rund um den Ausbau der A 73 wurde Dierl Zeuge vieler schwerer, teils tragischer Unfälle. Ab August 1988 war er dann im Sonderunterstützungskommando als Gruppenführer tätig. Von dort aus qualifizierte er sich von 1991 bis 1993 mit einem Fachstudium in Sulzbach-Rosenberg für den gehobenen Dienst.

Verschiedene Führungspositionen

Im Anschluss daran wechselte Armin Dierl zur Verkehrspolizei Erlangen. Als späterer Experte für Gefahrengut und Schwerverkehr erstreckte sich sein Zuständigkeitsbereich über Ober- und Mittelfranken. Auch war er in ganz Bayern als Referent tätig, um jüngeren Kollegen aus der Berufspraxis zu erzählen. Nacheinander übernahm Dierl verschiedene Führungspositionen bei der Verkehrspolizei. In seinen Aufgabenbereich fielen etwa die Umstrukturierung der Polizei oder die Entwicklung eines Verkehrskonzepts bei der Fußball-WM 2006. 2009 bewarb sich der Polizeibeamte bei der Polizeiinspektion Erlangen-Land, 2011 dann bei der Polizeiinspektion Erlangen-Stadt, wo er zum Ersten Polizeihauptkommissar befördert wurde. Als krönender Abschluss seiner Berufslaufbahn erhielt Dierl 2016 dann den Posten als Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Erlangen-Land, den er bis zuletzt bekleidete.

Viele brenzlige Fälle

Überlegt der Polizist, welcher seiner Einsätze der spannendste war, kann er sich nicht recht festlegen. "Es waren so viele Sachen, ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben", meint er. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm jedoch die großen Einsätze der vergangenen Jahre. Einmal habe es beispielsweise eine Demonstration gegen die rechten Parolen einer Erlanger Burschenschaft gegeben, bei der Demonstranten Absperrungen durchbrochen hatten. Aufgabe Dierls war es, die Situation unter Kontrolle zu bekommen, aber auch sich im Nachgang mit dem großen Medieninteresse auseinanderzusetzen.

Das Rathaus geräumt

Ein anderes Mal leitete er die Räumung des Erlanger Rathauses, nachdem ein Mann Mitarbeiter mit einem Messer bedroht hatte. Zudem musste 2015 in kürzester Zeit eine Lösung zur Unterbringung von mehreren Hundert Geflüchteten gefunden werden. Dierl koordinierte hierbei nicht nur den Aufbau einer Zeltstadt auf dem Gelände des Erlanger Freibads West, sondern war auch danach mit dem Schutz dieser Menschen beschäftigt.

Begeisterter Motorradfahrer

Der Beamte erinnert sich aber nicht nur an heikle Situationen. Es habe auch schöne Einsätze gegeben. So bekam er bei der Verkehrspolizei als begeisterter Motorradfahrer die Möglichkeit, an der Sternfahrt nach Kulmbach teilzunehmen. Auch an die Begleitung der BR-Radltour denkt er trotz des 15-stündigen Einsatzes gerne zurück. Insgesamt sei es wohl so, dass im Nachhinein die schlimmen Dinge verblassen und die guten in Erinnerung bleiben würden, resümiert Dierl.

Keine Langeweile in Sicht

Daher bedauerte der Polizist einerseits seinen Abschied aus dem Berufsleben. Die ersten Tage habe er gar nicht glauben können, nun im Ruhestand zu sein. Es sei ein ungewohntes Gefühl, ganz ohne Stress und ohne einen bestimmten Plan durch den Tag zu gehen. Andererseits wird es Armin Dierl jedoch nicht so schnell langweilig werden. Viel Zeit verbringt er, indem er sich mit dem zweijährigen Enkel Phillip beschäftigt oder seinen beiden Kindern beim Hausbau hilft. Für die Zukunft plant er, sein altes Hobby, die Imkerei, zu reaktivieren, und sich mit Laufen, Radfahren und Wanderungen durch die Fränkische Schweiz fit zu halten.

PI Erlangen-Land

Zum 1. November 2020 hat Erster Polizeihauptkommissar Matthias Link, zuletzt Verfügungsgruppenleiter der Polizeiinspektion Altdorf, die Amtsgeschäfte in der Polizeiinspektion Erlangen-Land übernommen.

Die Polizeiinspektion Erlangen-Land betreut ein Gebiet mit einer Fläche von circa 200 Quadratkilometern und etwa 56.000 Einwohnern.

Der Zuständigkeitsbereich erstreckt sich auf die Stadt Baiersdorf, die Märkte Eckental und Heroldsberg sowie die Gemeinden Bubenreuth, Buckenhof, Kalchreuth, Marloffstein, Möhrendorf, Spardorf und Uttenreuth.