Mit der Corona-Impfung verbindet Pflegedienstleiter Matthias Bretfeld vor allem Hoffnung auf Erleichterung im Kampf gegen die Pandemie. Nach drei Vorfällen in den vergangenen Wochen sieht sich der Leiter des Demenzzentrums Lindenhof aber mit einem neuen Kampf konfrontiert: Gegen falsche Gerüchte über schwerwiegende Impfschäden in seinem Pflegeheim in Unterleinleiter.

Mehrere Menschen berichteten Bretfeld: Offensichtlich kursieren Falschbehauptungen, dass der Pflegedienstleiter wegen der Impfung im Krankenhaus läge und viele Geimpfte in Unterleinleiter krank seien. "Diese Macht von Fake-News ist so dermaßen stark, das ärgert mich wirklich. Denn de facto haben ich, alle geimpften Mitarbeiter und Bewohner die Impfung gut vertragen", stellt Bretfeld klar.

Nach Impfung lediglich Schmerzen im Oberarm

Was war passiert? Am 28. Dezember war das mobile Corona-Impfteam im Demenzzentrum Lindenhof. Matthias Bretfeld war die allererste Person im Landkreis Forchheim, der die Spritze in den Oberarm verabreicht wurde. Auch 32 der aktuell 38 Bewohner des Pflegeheims entschieden sich für die Immunisierung. Von den 40 Mitarbeitern ließen sich bisher 28 impfen. "Ich hatte nach der ersten Impfung ganz leichte Kopfschmerzen am Tag danach, aber das war wirklich harmlos. Das könnte auch wegen Stress gewesen sein", erinnert sich Bretfeld. Am vergangenen Montag, 18. Januar, bekamen alle 60 Impfwilligen aus dem Haus die zweite Impfdose verabreicht. Keiner von ihnen habe "große Beschwerden" geäußert. "Es hatte nahezu jeder leichte Schmerzen im Arm, das ist bei Impfungen häufig der Fall. Auch heute ist mein linker Arm etwas schwer und schmerzhaft", sagt er.

Gerücht verbreitet sich weit in der Region

Wo die Gerüchte herrühren, kann sich Bretfeld deshalb nicht erklären. Der erste Vorfall: Der Pfarrer einer Landkreisgemeinde habe sich bei einem Kollegen Bretfelds erkundigt, da der Leiter des Demenzzentrums die Impfung angeblich nicht vertragen habe, es zu Komplikationen gekommen sei und er deswegen im Krankenhaus läge. "Das wird offensichtlich in Pretzfeld herumerzählt", sagt Bretfeld. Anschließend sei ein Pfleger des Demenzzentrums auch in Hirschaid auf Impfschäden unter der Belegschaft angesprochen worden. Auch in Unterleinleiter, wo mehrere Mitarbeiter wohnen, mache das Gerücht die Runde, zahlreichen Mitarbeitern und auch Bewohnern würde es aufgrund der Corona-Impfung schlecht gehen. "Offensichtlich geht das Gerücht ja weit voneinander entfernt herum", sorgt sich Bretfeld.

"Durch das Stille-Post-Prinzip wird eventuell aus einem leichten Kopfschmerz etwas Dramatisches gemacht", mutmaßt Bretfeld und betont erneut: Auch nach der zweiten Corona-Impfung gehe es ihm "blendend". Bretfeld habe alle Mitarbeiter und Bewohner nach der zweiten Impfung extra noch einmal befragt. Unter allen 60 Geimpften habe keiner "große Beschwerden" geäußert. Auch der geimpfte Pflegeheimbewohner Rüdiger Rosner sagt: "Ich habe nach der Impfung absolut nichts. Wenn man sich etwas damit beschäftigt und informiert, muss man keine großen Sorgen haben."

Heimleiter: "Desinformation geht gar nicht"

Aufgrund der Corona-Impfung sei die Stimmung im Demenzzentrum nach dem Jahr massiver Einschränkungen sogar etwas positiver geworden. Für den Pflegedienstleiter sei der Impfstoff weiterhin ein "Geschenk". Wenn nach der Zweitimpfung Schutz gegeben sei, möchte Bretfeld auch wieder Besuche im Demenzzentrum erleichtern. "So dass wieder Leben in die Einrichtung einzieht." Deswegen ist er dankbar, dass in Unterleinleiter die zweite Impfung erfolgt ist. Umso verärgerter ist der Einrichtungsleiter angesichts der falschen Gerüchte, die über Impffolgen in seinem Pflegeheim im Umlauf sind. "Wenn man sich selbst gegen die Impfung entscheidet, kann ich das akzeptieren, aber Desinformation zu streuen, das geht gar nicht."