Bei weiß-blauem Himmel schiebt ein Mann eine hölzernen Schubkarre die Hartmannstraße in Eggolsheim hinunter, während vier Kinder gerade aus der Schule kommen. Das Fahrrad eines Mädchens ist so groß wie das Kind selbst. Idylle pur. Statt Autos und Asphalt zeigt die Szenerie der kolorierten Postkarte dörfliche Beschaulichkeit.
Ein kleines Stückchen davon könnten die Eggolsheimer zurückbekommen. Vorausgesetzt die Anwohner zwischen dem Jugendtreff "Faulenzer" und der Brückenstraße bzw. dem Oberen Tor können sich für eine Ortskern-Sanierung erwärmen.

Erste Planspiele


"Da die Ortsdurchfahrt sowieso von Grund auf erneuert werden muss, bietet es sich an, gleichzeitig etwas für die Verschönerung des Ortsbildes zu tun" argumentiert Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerblock), der am Dienstagabend im Gasthaus Schwarzes Kreuz "Planspiele" zu diesem Thema präsentierte.

Den Verkehr aufteilen


Wie bereits 2001, als das Bayreuther Ingenieurbüro Resch und Stiefler eine Einbahnstraßen-Regelung für die Hartmannstraße und die Hauptstraße zwischen Gemeindeverwaltung und Brückenstraße vorschlug, empfiehlt nun auch das Büro Sauer und Harrer aus Strullendorf eine Aufsplittung des Verkehrs. Der Vorteil: In beiden Richtungen wäre neben der 3,75 Meter breiten Fahrbahn noch genug Platz für einen durchgehend anderthalb Meter breiten Gehsteig.
Bei dieser Lösung könnten zwei weitere markante Merkmale von Eggolsheim herausgestellt werden. "Das sind die kleinen Vorgärten, alles öffentliche Flächen, die aber zum Teil bereits vor Jahrzehnten einfach asphaltiert wurden", erklärt Bürgermeister Schwarzmann. Der Ort könnte (wieder) ein Schmuckstück werden. Entlang des Eggerbaches könnte ich mir eine Baumzeile, eine Art Allee, sehr gut vorstellen, findet Schwarzmann.
Auch Imke Mumm vom Sachgebiet Städtebau bei der Regierung von Oberfranken und Landrat Reinhardt Glauber (Freie Wähler) zeigte sich von den ersten Skizzen der neu zu gestaltenden Ortsdurchfahrt begeistert. Für eine geordnete Verkehrsführung könnte ein kleiner Kreisverkehr am Rathaus sorgen und entlang der Hauptstraße und der Hartmannstraße könnten Parkplätze angelegt werden. So würde das "wilde Parken" eingeschränkt.
Entscheidend für Bürgermeister Schwarzmann sind aber die Kosten. "So günstig kommen wir nie mehr an eine Umgestaltung unseres Ortskerns", findet er. Da Fördermittel von der EU und vom Freistaat Bayern fließen, da der Landkreis die Asphaltierung der Straße komplett übernimmt und weil die Gemeinde die gestalterischen Maßnahmen finanziert, bleibe für die Anwohner die finanzielle Beteiligung überschaubar. "Während in Neubaugebieten für die Erschließung Kosten von 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche anfielen, bewege sich die Eigenbeteiligung hier bei fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter, verdeutlichte Schwarzmann vor den Betroffenen in der Eggerbachhalle.
Er macht auch deutlich, dass die Ortskernsanierung "ein Projekt für die nächsten zehn Jahre" ist. Abschnittsweise solle das Eggolsheimer Ortszentrum verschönert werden. Dabei könnten auch Privatleute Fördermittel für die Sanierung ihrer Gebäude in Anspruch nehmen. Als Grundlage einer Förderung schwebt Bürgermeister Schwarzmann eine Gestaltungssatzung vor. "Das Ortszentrum soll ein harmonisches geschlossenes Bild ergeben", argumentiert der Bürgermeister.

Geänderte Vorfahrt


Noch heuer soll Teil eins der Eggolsheimer Ortsdurchfahrt fertig gestellt werden. Dabei handelt es sich um den Bereich zwischen der Bahnhofstraße und dem Rathaus. Entlang dieser Strecke wird die Fahrbahn auf durchgehend sechs Meter verringert, so dass Gehwege und Parkplätze entstehen und Grünflächen angelegt werden können. Die wichtigste Änderung des Status Quo: An der Einmündung der St.-Martin-Straße in die Hauptstraße bzw. Bahnhofstraße wird die Vorfahrt geändert. Hier wird es eine abknickende Vorfahrt geben. Auch hier sollen die Vorgärten bilderbuchmäßig "reaktiviert" werden, so dass der Ortskern wieder mehr Idylle ausstrahlt.

Ideen gibt es genug


Wasser auf die Mühlen des Fränkische-Schweiz-Vereins mit Leo Schilling an der Spitze, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die heimatlichen Kulturgüter und die Schönheit der Heimat zu erhalten und zu pflegen. Da heißt es Zupacken und die Chance wahrnehmen, rät sein Stellvertreter Robert Schmitt.
Zurückhaltend äußert sich dagegen Alfons Schumm, der den örtlichen Obst- und Gartenbauverein leitet. Zur Gestaltung der Vorgärten gebe es Empfehlungen des Landesverbandes, erklärt Schumm, der sich zur Ortskern-Sanierung aber nicht äußern will. Als Ideengeber stehe er aber zur Verfügung.
Vor allem Anwohner der Hartmannstraße zeigten sich in der Eggerbachhalle offen für Neues. Dennoch wurde eine gehörige Portion Skepsis gegenüber der Veränderung, vor allem wegen hoher Kosten deutlich.