Der große Hype ist vorbei. Damals, drei Jahre ist es vielleicht her, warteten Mütter mit Thermoskanne und Campingstühlen stundenlang vor dem Feuerwehrhaus, um ihre Kinder für einen Kurs im Ferienprogramm einschreiben zu können. Sicher, nun geht das alles ganz entspannt per E-Mail. Anstellen muss sich in Igensdorf keiner mehr.

Dennoch: Die Zahl der Teilnehmer gehen etwas zurück. Und noch etwas hat sich geändert: "Der Trend geht zurück zur Natur und zur Bewegung", sagt Heike Eckert. Sie stellt das Igensdorfer Ferienprogramm seit fünf Jahren auf die Beine. Wissen, auf welche Angebote die Kinder und Jugendlichen besonders anspringen, ist keine leichte Aufgabe. Manche Kurse könnte Heike Eckert doppelt belegen. Dann gibt es aber auch die vermeintlichen Highlights, die sich dann völlig überraschend als Reinfall erweisen und zum Teil sogar gestrichen werden müssen. Die Gemeinde Igensdorf hat daraus ihre Konsequenzen gezogen. "Weniger ist hier mehr", sagt Heike Eckert.

Gab es im Jahr 2010 noch 35 Ferienkurse sind es heuer nur noch 25. Allerdings hat sich mit diesem Schritt auch die Zahl der ausgefallenen Kurse reduziert: von vormals zehn auf jetzt zwei. Immer gut kommen die Aktivitäten des Bund Naturschutz, die Restaurant-Schule, wo Kinder kochen und dekorieren lernen, oder die Nachtwanderung an. Auf der anderen hat sich das geplante Basketball-Training mit den Coaches der Brose Baskets als völliger Flop herausgestellt. Mangels Teilnehmer war Heike Eckert gezwungen, das Angebot zu streichen.

Eckert verstand die Welt nicht mehr, und machte sich auf die Suche nach den Gründen. "Oft ist auch eine Übersättigung Anlass für die Kinder, in den Ferien einfach nichts tun zu wollen", hat sie in den Gesprächen mit Kindern und Eltern erfahren. Hinzu kommen die Urlaubsfahrten mit den Eltern und natürlich auch der Umstand, dass die Zahl der Kinder generell sinkt.

Vereine sollen profitieren


Christian Schönfelder ist Jugendpfleger in Gräfenberg und mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wie Heike Eckert in Igensdorf: " Ich finde es verfehlt, soziale Arbeit nur in Zahlen zu messen", nimmt er den Problemen mit dem Ferienprogramm aber jede Dramatik.

Schönfelder ist es viel wichtiger, die örtlichen Vereine einzubinden. Die sollen so die Möglichkeit bekommen, Nachwuchs zu finden. Zudem will Schönfelder mit seinem Ferienprogramm auch die Hemmschwelle absenken, später einmal den Jugendtreff zu besuchen.

Sicher könnte er mehr Kinder ansprechen, wenn er Busfahrten ins "Atlantis"-Bad und zu anderen kommerziellen Attraktionen anbieten würde. Allerdings: "Ein Bus kostet etwa 400 bis 500 Euro", sagt Schönfelder. Diese Kosten sind auch für Heike Eckert in Igensdorf ein Grund, derlei Ausflüge eher selten anzubieten. In der Regel kostet ein Kurs für die Kinder zwei Euro. Die Gemeinden bezuschussen die Angebote und sorgen so für einen niedrigen Preis. Für das Programm stellt auch die Verwaltungsgemeinschaft (VG) - also die Orte Gräfenberg, Weißenohe und Hiltpoltstein - 3000 Euro zur Verfügung.

Das reicht für Schönfelder auch aus, da viele Freiwillige und Vereine das Programm ohnehin unterstützen. "Die Kinder sollen eher das Gräfenberger Freibad nutzen", findet Schönfelder. Geld sparte er auch durch seine Entscheidung ein, die Lias-Gruppe lieber in den Gräfenberger Buchwald zu holen, als selbst nach Unterstürmig zu fahren.

Mit den Brose Baskets haben die Jugendlichen in Gräfenberg im vergangenen Jahr trainiert. "Das hat wunderbar geklappt", erzählt der Jugendpfleger. Nur heuer waren es auch hier zu wenige Anmeldungen. "Ich habe das Ferienprogramm nur überflogen und so das Angebot übersehen. Für die früheren Kurse waren meine Kinder zu jung oder die Angebote fanden an Tagen statt, an denen ich arbeiten musste", sagt Anja Streidel aus Sollenberg.

Bewusster Boykott?


Dabei hätte ihren Kindern gerade das Training mit den Coaches gut gefallen, da ihr Sohn erst einen Basketballkorb bekommen hat. "Im Pausenhof der Schule hängt ein Korb, dort spielen sie bei jeder Gelegenheit.
Nächstes Jahr schaue ich das Programm sorgfältiger durch", sagt die Mutter. Neben solchen unglücklichen Umständen ist Jugendpfleger Schönfelder inzwischen auch ein pikantes Gerücht zu Ohren gekommen. Die Eltern hätten das Angebot bewusst boykottiert. Aus Enttäuschung darüber, dass die Bamberger Basketballer die Schüler der Gräfenberger Schulen bereits zwei Mal versetzt hätten. Auch Heike Eckert hat von dem Gerücht schon gehört. Wie viel Bedeutung ihm zuzumessen ist, wissen weder Schönfelder noch sie so recht.

Einig sind sich die beiden aber in einem: Einstellen werden sie ihre Bemühungen um ein attraktives Ferienprogramm für Kinder und Jugendlichen nicht. Heike Eckert hat sich bereits bei Jugendlichen umgehört, was derzeit besonders angesagt ist. Gut möglich, dass der eine oder andere Punkt bald Eingang in das Ferienprogramm findet.