Karatevereine - oder überhaupt Vereine, die asiatisch Kampfsportarten lehren - gibt es inzwischen wie Sand am Meer, aber was macht die Faszination des Sports aus? "Wenn Kinder in den Anfängerkurs kommen, dann bin ich nicht daran interessiert, ihnen Schlagtechniken beizubringen. Mir geht es darum, dass sie ein Rückgrat bekommen und aufrecht durch die Straßen laufen", erzählt Jutta Zimmermann, die Frauenbeauftragte des Shotokan-Karate-Zentrums Forchheim und eine der Kindertrainerinnen.
Dieses Selbstbewusstsein erlangen die Kinder oft durch das neue Körpergefühl, welches der Sport vermittelt. "Ich glaube, es macht sehr viel aus, wenn man weiß, wozu man im Stande ist. Ganz nach dem Motto: Wenn man weiß, dass man sich behaupten kann, hat man es gar nicht mehr nötig, dass man sich behaupten muss", erklärt Joachim Hartmann, ebenfalls Kindertrainer im Verein.
Leider sei es ja inzwischen so, dass ein Mauerblümchen, das sich in einer Ecke verkriecht, viel leichter zu einem Opfer wird als jemand, der aufrecht und selbstbewusst durch das Leben geht, meinen die Vereinsmitglieder einstimmig.


Ausstrahlung


"Dabei darf man nicht vergessen, dass Karate eine Kampfsportart ist. Man lernt also, sich zu verteidigen und das führt wiederum zwangsläufig dazu, dass man etwas nach außen ausstrahlt, was einen potenziellen Angreifer zumindest schon einmal vorsichtiger werden lässt", sagt Joachim Hartmann.
Auch Oliver Schnabel, der Presseverantwortliche des Vereins, kann ein Geheimnis um die faszinierende Kampfsportart lüften: "Ein großer Vorteil unseres Vereins erscheint oft erst einmal als Nachteil: der Umstand, dass wir uns nur mit uns selbst beschäftigen und nicht mit einem Ball oder einem anderen Sportgerät. Wir sehen den Erfolg nicht unmittelbar, indem beispielsweise ein Tor fällt, dafür spüren wir den Erfolg aber in uns selbst. So fangen die Menschen an, sich selbst zu vertrauen, weil ihr Erfolg nicht vom Wetter, der Qualität eines Schlägers oder einem Mitspieler abhängt."

Bisher hatten die Jugendlichen Vereinsmitglieder auch noch keine Probleme in der Schule wegen ihres Hobbys. "Es gibt schon Vorurteile in der Schule, zum Beispiel Leute, die dann sagen: 'Der haut den anderen jetzt gleich kaputt.' Aber das will ich nicht und das musste ich bisher auch noch nie. Denn zu wissen, was man kann, strahlt eben auch ein gewisses Selbstbewusstsein aus", erzählt der 16-jährige Kilian Schnabel.
Zudem legt der Karateverein in Forchheim ganz andere Maßstäbe an, als einfach nur ein Kampfsport-Verein zu sein. "Leider kommen ja genau die Eltern nicht zu uns, die Vorurteile in sich tragen und nicht wollen, dass ihr Kind einen Kampfsport lernt. Dabei wären genau diese Eltern so wichtig. Denn dann könnten wir ihnen zeigen, was ihre Kinder hier wirklich lernen und das ist vor allem Koordination", erklärt Kindertrainer Hartmann.


Respekt ausdrücken


"Außerdem werden den Kindern hier auch Werte vermittelt, die anderen vielleicht inzwischen als verstaubt erscheinen, dennoch aber einen gewissen Respekt ausdrücken", ergänzt Oliver Schnabel, "so wird bei uns beispielsweise immer die Halle begrüßt, in der man miteinander trainiert, und auch die Trainingspartner werden mit höchstem Respekt behandelt."
Auch das Verletzungsrisiko ist bei dieser Sportart relativ gering. Joachim Hartmann hat dazu eine vielsagende Anmerkung: "Ich habe zwei Söhne, die beide Fußball spielen - ich bin nicht der Kampfsportler in der Familie!"