Der Biologe Otto Elsner steht mit einer Lupe zwischen einem Weizen- und einem Haferfeld auf der Jurahöhe bei Götzendorf. Er kartiert die Ackerwildkräuter auf den steinigen Feldern des Bioland-Bauern Markus Haslbeck. Mit ihnen nimmt der junge Landwirt am Ackerwildkräuter-Wettbewerb in Oberfranken teil. Ausgerichtet wird die Aktion vom Bund Naturschutz (BN), dem Deutschen Verband für Landespflege und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und Bioland.

"Das ist ein gefurchter Feldsalat", teilt Elsner seine Untersuchung den Vertretern der Ausrichter mit. "Die winzige Frucht sieht wie ein wohlgeformter Po aus; mit Furche in der Mitte", erklärt Alexander Ulmer von der Höheren Naturschutzbehörde aus Bayreuth den ungewöhnlichen Namen. Sechs Arten von Feldsalat gibt es; ihr Lebensraum sind Äcker. Klein und eher unspektakulär sind die Blütchen. Das gilt für viele Pflanzen, die sich mit Getreide vergesellschaftet haben.

Sie stammen allermeist aus dem Vorderen Orient und kamen mit dem Beginn des Feldbaus vor 5000 Jahren von dort nach Europa. Ihre Samen waren unter die Körner gemischt und gelangten mit der Aussaat wieder in den Boden - jedes Mal wieder.

Der Kleeacker

Schon der erste Blick über den Hafer, den Weizen und den Kleeacker zeigt ein anderes farbiges Bild als das angrenzende Grünland. Denn die jeweils vorkommenden Pflanzen unterschieden sich. Die Wiesen wirken jetzt schon braun, haben die meisten Pflanzen doch schon Frucht angesetzt. Im Acker blüht es dagegen noch kräftig. "Das ist ein großer Vorteil für Bienen und Insekten. Sie finden jetzt hier noch reichlich Nahrung", erläutert Elsner.

Jährlicher Umbruch

Die Ackerwildkräuter brauchen den jährlichen Umbruch. Sie sind extrem konkurrenzschwach und halten sich gegenüber den ausdauernden Pflanzengesellschaften auf Wiesen nicht. Sie stellen deshalb auch keine Konkurrenz und damit Ertragsminderung der Hauptfrucht dar. Aber sie sind extrem selten geworden, seit in der Landwirtschaft Mineraldünger und Herbizide zum Einsatz kommen.

Trotzdem hat Elsner 128 Arten gezählt auf den 27 Flächen, die zum Wettbewerb angemeldet wurden - so auffällige wie der Klatschmohn oder die Hundskamille, aber auch recht seltene wie die blaue Variante des Gauchheils oder den Ackerkohl. Keinen halben Zentimeter misst die Blüte des kleinen Gewächses, aber ihr Blau ist so intensiv, dass sie aus den Halmen herausleuchtet. Das gilt auch ganz besonders für den Ackerrittersporn, der wie die verwandte Gartenblume in Miniature ausschaut.

"Der bunteste Acker ist der ertragsärmste", räumt Ulmer ein - so steinig wie bei Haslbauer oder sauer und sandig. Das sind Standorte, die viele Landwirte längst aufgegeben und in Wiesen umgewandelt haben. Die, die ihre Äcker erhalten haben, sollen durch den Wettbewerb belobigt werden, der alle zwei Jahre in einem anderen Regierungsbezirk durchgeführt wird. "Die Programme zum Erhalt müssen ausgebaut werden, auf EU-Ebene", fordert Marion Ruppaner vom BN.