An einem Kulturwanderweg zwischen Kirchehrenbach und Pretzfeld waren sich ein Jogger und ein Mofafahrer in die Haare geraten. Jetzt gab es vor Amtsrichterin Silke Schneider ein Wiedersehen.

Der eine war ein Mann, der auf dem Weg von Kirchehrenbach in Richtung Sportplatz Pretzfeld unterwegs war und diese Strecke öfters nimmt. Auch, um seinen Hund Gassi zu führen. Da er ein sportlicher Mensch ist, nutzt er diese Zeit auch zum eigenen Lauftraining. Dabei kam es zu einer mehr oder weniger folgenschweren Begegnung.

Kurz vor dem Sportgelände des SV Pretzfeld überholte ihn ein junger Mann, der auf seinem Mofa in Richtung Pretzfeld unterwegs war. Darüber ärgerte sich der Läufer so sehr, dass er dem Jüngeren in die Lenkung griff, ihn aber zunächst nur erschreckte.

Der Jüngere war irritiert, setzte aber seinen Weg fort, um zu erledigen, was ihn nach Pretzfeld geführt hatte.
Wie er später sagte, wollte er im Ort in den dortigen Dorfladen. Doch als er ihn erreichte, hatte er bereits geschlossen, denn es war bereits 18 Uhr.

Viel Glück gehabt

Danach wollte er noch einen Bekannten besuchen, traf diesen jedoch nicht an, sodass er schon nach einer knappen Viertelstunde wieder auf dem Heimweg nach Kirchehrenbach war.

Das brachte den Jogger ein weiteres Mal in Rage. Nun brachte er den Mofafahrer auch wirklich zu Fall. Dabei durfte er noch von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Denn einen Zweiradfahrer vom Bock zu stoßen, hätte mit erheblichen Verletzungen enden können. Dennoch entstand an dem Roller ein Schaden, den die Polizei später mit etwa 300 Euro angab, der aber in der Verhandlung auf etwa 170 Euro korrigiert wurde.

In der Verhandlung ging es vor allem um scheinbar belanglose Fragen: Auf welcher Seite hatte der Mofafahrer Herr und Hund überholt? Hatten beide Beteiligten genügend Seitenabstand eingehalten?

Die Geschwindigkeit war eher unstrittig, sie lag beim Mofafahrer zunächst bei ungefähr 20, auf dem Rückweg bei zehn bis 15 Stundenkilometern. Dem Jogger wurde seinerseits ein mittleres Lauftempo attestiert. Dennoch hätte alles ein fatales Ende haben können, und das sah auch die Richterin so.

Als Rechtfertigung führte der Jogger an, dass man auf dem Wanderweg überhaupt nicht fahren dürfe; er sei allein für Fußgänger zugelassen. Darüber gab es prinzipielle Uneinigkeit, denn der angegriffene Mofafahrer konterte, dass der Zwischenfall außerhalb des Orts geschehen sei.
Und dort es auch einem Zweiradfahrer erlaubt, den weg zu benutzen.

Höheres Einkommen

Auch auf Betreiben des Staatsanwalts legte die Amtsrichterin den Tagessatz auf 70 Euro fest für den Jogger fest.
Unterm Strich macht das einen Betrag von 4900 Euro. Damit sollte wohl der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der Jogger ein wesentlich höheres Einkommen angegeben hatte als der Mofafahrer, der sich noch in Ausbildung befand.