Das Geburtstags-Konzert der Forchheimer Rockband "Insert Coin" ist dem Lockdown ebenso zum Opfer gefallen wie alle Veranstaltungen dieser Art bis Ende August. Am 11. Juli wollten die fünf Hard-Rocker der dienstältesten Band der Stadt, die sich am 10. Juni 1980 gegründet hat, im Innenhof der Kaiserpfalz eine musikalische Party bei freiem Eintritt ausrichten. Diese ist auf Juni 2021 verschoben.

Charlie Pichl, Leadgitarrist und Kopf der Formation, zuckt die Schultern und ist dennoch positiv gestimmt: "Es lässt sich nicht ändern und es trifft andere sicher härter als uns, denn wir sind glücklicherweise nicht existenziell auf die Musik angewiesen. Freilich hätten wir sehr gerne zu unserem 40. Jubiläum vor allem unsere Fans dabei gehabt, die uns über all die Jahre die Treue hielten, aber auch neue und neugierige Rock-Anhänger sind immer willkommen."

Die Planungen für das Freiluftkonzert liefen laut Pichl schon mehr als ein Jahr. Die Plakate waren bereits gedruckt und in ihren Musikproben, die mit Beginn des Lockdowns schlagartig beendet werden mussten, stand die Setlist des Auftritts fest. Bühne, Lichtanlage und Security waren ebenfalls gebucht und der Band-Grafiker Stephan Schneider hat fürs Jubiläum extra neue Motive für die T-Shirt-Kollektion entworfen und ging damit in Vorleistung: "Aber was soll man machen? Ein späterer Termin war auch nicht möglich, jetzt nehmen wir eben im kommenden Jahr einen neuen Anlauf. Wer möchte, kann sich gern auf der Shop-Seite umsehen und sich vielleicht trotzdem schon mal ein Jubiläums-Shirt zulegen. Stephan würde es helfen", sagt Pichl.

Back to the Roots

Die eigentliche Bandgeschichte beginnt bereits 1977 unter dem Namen "Hypozentaurus" und lässt sich seitdem über viele historische Fotos an den Wänden des heutigen Probenraums verfolgen. Der Werdegang von "Insert Coin", das seit über 32 Jahren und bis heute aus Charlie Pichl (Guitar), Dave Scholler (Vocals & Guitar), dem OB-Kandidaten von 2016, Klaus "Faxe" Backer (Vocals & Bass), Tommy Puppich (Drums) und Harry Rödel (Keyboards) besteht, ähnelt dem vieler gleichgearteter Formationen.

Diese Hardrock-Bands, die in den 70er und 80er Jahren weltweit infolge der Ära "Glam & Glitter" sowie "Psychadelic-Rock" entstanden, trotzten neuen Strömungen wie "Punk" und "New Wave", erinnert sich Pichl: "Dieses Popper-Zeugs war nicht unser Ding. Wir wollten ehrlichen, druckvollen Rock spielen ohne Schnörkel und haben uns neben eigenen Songs an Coversongs von Altmeistern wie Deep Purple, Thin Lizzy, Ozzy Osbourne und Ronnie James Dio orientiert. Als wir in der Funzl wieder mal um das Holzfass standen, reifte unser Entschluss: Wir machen selber was als Hard-Rockband."

Personelle Findung am Anfang

Das Gründungs-Trio von "Insert Coin" bestand neben Pichl aus Caesar Z. Kronmüller und Klaus Pöhlmann, den aber schon ein Jahr später Dave Scholler ersetzte. 1982 kam Harry Rödel dazu und mit Bernie Hoffmann, der 1983 einstieg, komplettierte sich das Quintett erstmals, dem ab dieser Phase die "Roadies" Markus Kressler, Stefan Sauer und Jürgen Otto bei Auftritten sowie Günter Weiss im Marketing zur Hand gingen.

"Der Vater von Dave gab uns sein ausrangiertes Wohnmobil, damit wir alle Platz fanden. Wir haben es rot-weiß und ringsum mit unserem Band-Logo angemalt und nutzten es fast ein Jahrzehnt", erzählt Pichl. Noch vor Ablauf dieser Zeitspanne fand sich die endgültige Formation. Auf Hoffmann folgte 1985 Backer von "Ivanhoe" am Bass und ab Herbst 1987 saß Puppich am Schlagzeug, sagt Pichl. Die feste Besetzung wechselte nur noch in Person von Sänger Dominik Giuliano, der ab 2001 für drei Jahre am Mikro stand, und des späteren JBO-Schlagzeugers Holmer Graap, der kurzzeitig den pausierenden Puppich ersetzte.

Bis zur Jahrtausendwende war "Insert Coin" in der fränkischen Rockszene ein gefragter Gig. Hilfreich war, dass es bis dahin kaum regionale Live-Bands gab. Vor allem nach Veröffentlichung der ersten Single "The Warriors" (1987, Auflage 500 Stück) gingen die Auftritte bis in den Hofer Raum und die Oberpfalz, südlich standen Treuchtlingen und Ingolstadt und sogar das Schwabenland auf der Route. Eigenkreationen mischten sich häufiger in die Konzerte, mit "Waiting for Rock'n Roll" wurden diese seinerzeit eröffnet.

Nach und nach etablierte sich die Band auch mit der weiteren musikalischen Formation "Schröder-Show-Sextett", dem einzigen Sextett der Welt mit sieben Musikern, wie Pichl heiter erklärt: "Es gibt Veranstaltungen, für die eher Unterhaltungs- oder Partymusik gebucht wird und das haben wir ja auch drauf. Nur wollten wir uns dann nicht als Hardrock-Band dafür hergeben und die Schröders spielen zudem in zur Hälfte veränderter Besetzung."

Frühe Jahre "Klinkenputzen"

Freilich war die Spanne davor eher mit "Klinkenputzen" vergleichbar, berichtet Pichl, bis dahin standen eher lose Auftritte an: "Der Leiter des Jugendzentrums, Josef Lyp, half uns. Er ließ uns im JUZ vor einer Handvoll Leute kostenlos auftreten - bei freiem Eintritt, versteht sich. Etwa ab 1983 waren wir in der Stadt mehr bekannt und durften häufiger spielen."

Grinsend und leicht ironisch denkt Pichl an diese Phase zurück, die er und seine Mitstreiter als "Große Forchheimer Tournee" in Erinnerung haben: "Wir rockten in der Kuckucks-Klause in Reuth, am Rappenkeller bei Manni Hanika, im Kronengarten - und immer hieß es: Ihr könnt spielen, aber kriegen tut ihr nix." Geprobt haben wir damals sowieso im JUZ und als die Fans mehr wurden, gab uns Josef Lyp unsere erste Gage in Höhe von 50 Mark. Dafür kassierte er im JUZ für den Becher Cola 50 Pfennig und für die Flasche Bier eine Mark."

Über Heinz Götz aus Effeltrich kam weitere, unverhoffte Hilfe: Er gab Gigs an "Insert Coin" weiter, die er terminlich mit seiner Band "Orbis" nicht spielen konnte - und die erstmals etwas Geld einbrachten. "Die Zahl unserer Auftritte stieg damals zwar kontinuierlich, wir wurden davon aber nicht reich. Wir haben eher viel eigenes Geld hineingesteckt. Gagen gab es höchstens mal zwischen 100 und 200 Mark. Aber das war und ist uns eh schon immer egal, denn es ging uns nicht darum, mit der Musik Geld zu verdienen, sondern wie bis heute nur, um Spaß zu haben.", sagt Pichl.

Mit Beginn des Altstadtfestes und durch die Musikerinitiative "Megaphon", die ein Austauschprogramm für Bands mit anderen Verbänden organisierte, kamen die "Coiner" über die Landkreisgrenzen hinaus. Davon zeugen Erinnerungsfotos aus Würzburg und "Hoppls Musikkneipe" in Bad Berneck. 2000 veröffentlichte die Band ihre erste CD "Step in Time" mit elf Eigensongs und stand am Scheideweg zwischen beruflicher und musikalischer Laufbahn. "Da wir alle in verantwortungsvollen Positionen stehen, war die Entscheidung klar. Unsere Gigs haben wir deshalb bis heute nur wenige Male im Jahr", erklärt Pichl.

Puppich ist als Flugkapitän für die Lufthansa viel unterwegs, Backer ist Ordnungsamts-Chef der Stadt, Scholler reist für eine Erlanger Weltfirma oft ins Ausland, Rödel ist selbstständiger Unternehmer und Pichl steht bei der DHL in regionaler Führungsposition.

Ehre, wem Ehre gebührt

Zu einem ihrer letzten größeren Auftritte spielte "Insert Coin" vor ziemlich genau zwölf Monaten am zweitägigen Open-Air der Spaßrocker "JBO" in Weingarts. Band-Chef Hannes G. Laber Holzmann ließ es sich nicht nehmen, die Forchheimer Kultband persönlich als "die Geburtshelfer von JBO 1989" auf der Bühne anzukündigen. "Als er sagte, ohne uns hätte es JBO nicht gegeben, hat uns das schon ein wenig stolz gemacht", erinnert sich Pichl und blickt positiv ins kommende Jahr: "Faxe, unser Bassist, hat bereits den Ausweichtermin für den 19. Juni mit den anderen Stadtverantwortlichen abgeklärt. Dann feiern wir halt 2021 den 40. nach."