In Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat die Bürgerwerkstatt die Einwohner befragt - und das Ergebnis nun vorgestellt. Die Auswertung der Daten übernahm Dominique Böhm (Institut für Geografie an der Uni Erlangen) unter Leitung von Professor Werner Bätzing.

Das Ergebnis war ernüchternd, was die Zukunftseinschätzung der Einwohner betrifft. Doch gebe das große Interesse an der Aktion "Mut zum Weitermachen" so Bätzing. Es wurden 195 Fragebögen von möglichen 880 Haushalten ausgefüllt, womit man nach seiner Einschätzung "schon von einem repräsentativen Ergebnis ausgehen kann". Viele der Ergebnisse klingen negativ, bergen aber einen ungewohnt positiven Kern.

Zum Beispiel: 79 Prozent der Befragten finden die derzeitige Lösung (kein Supermarkt am Hauptort) unbefriedigend, weshalb eine Frage auch auf einen genossenschaftlichen Einkaufsmarkt abzielte. Bei der Frage "Können Sie sich vorstellen, bei einem Versorgungsladen des täglichen Bedarfs als Verkäufer oder Helfer mit zu arbeiten?" sagten zwar 128 Personen Nein und 29 sagten Ja. "Mit diesen 29 Leuten könnte man einen Laden personell gut bestücken", meinte Bätzing.

Die große Mehrheit (151 von 190 Befragten) gab zu, derzeit in Gräfenberg einzukaufen, was auch mit der Tatsache zusammenhängen mag, dass viele Berufstätige auf dem Heimweg von der Arbeit noch schnell im nächsten Supermarkt am Weg einkaufen gehen. Hierbei spielt natürlich auch das Parkplatzangebot eine große Rolle; was auch eines der großen Mankos von Egloffstein ist.

Medizin vermisst

90 Prozent der Befragten wünschen sich eine gute medizinische Infrastruktur (Allgemeinarzt, Zahnarzt, Apotheke). Derzeit sind alle drei Betriebe rund um den Marktplatz untergebracht. Und gerade hier sind Parkplätze Mangelware, was sich im Winter noch verstärkt, wenn wegen des Schneepfluges an vielen Straßen Halteverbote entstehen.

Neben den mangelnden Einkaufs- und Parkmöglichkeiten wurde der Verkehr im Allgemeinen und der Mangel an gastronomischen Angeboten als "die drei größten Probleme in Egloffstein" bezeichnet, die man auch als erstes beseitigen sollte - urteilte eine überwältigende Mehrheit bei der Frage nach den Missständen, die zuerst beseitigt werden sollten.

Die Befragung zeigt auch: der Tourismus ist "notwendig". Das sagen 90 Prozent; aber fast genauso viele sind nicht bereit im Tourismus mitzuhelfen, um ihn auszubauen. Immerhin 40 Prozent der Befragten finden die Lebenssituation im Gemeindegebiet gut, weitere 30 Prozent befriedigend. 51 Prozent würden Egloffstein als Wohngebiet empfehlen, 62 Prozent halten Arbeitsplätze in der Gemeinde für "sehr wichtig", was vor allem durch den Ausbau von Gewerbegebieten (36 Prozent sind dafür) erreicht werden soll.


Es gibt einiges zu tun


Am Wichtigsten ist den Egloffsteinern ihr Freibad. 90 Prozent der Befragten nutzen es: Sie vergaben im Schnitt die Note zwei. Die Kneippanlage dagegen wurde von 70 Prozent überhaupt nicht genutzt, ebenso wie das Sportgelände, das 83 Prozent nicht nutzen. Allerdings sind zwei Drittel der Befragten über 60 Jahre alt.

Vermisst werden Radwege (62 Prozent), ein besseres ÖPNV-Angebot (81 Prozent nutzen es derzeit nicht), mehr Blumen an den Anwesen in Egloffstein. Pessimistisch werden die Zukunftschancen eingestuft. 40 Prozent sehen eine schlechte Gemeindeentwicklung voraus, 28 Prozent sind neutral und nur 31 Prozent sehen optimistisch in die Zukunft.

Fazit Böhm: "Die hohe Beteiligung zeigt das große Interesse der Bevölkerung, an der Weiterentwicklung des Dorfes mitzuwirken." Der nächste Schritt aus Sicht von Bätzing: die Entwicklung eines umfassenden Gemeindeleitbildes.

von Reinhard Löwisch