"Des mit dem Kloster geht mir scho arg nooch." Alexander Raab nimmt sein Fahrrad, um seine Besorgungen fortzusetzen. Jedes Mal, wenn er in die Stadt kommt versäumt er es nicht, an der Klosterkirche Halt zu machen. Um sich fünf Minuten Zeit für ein Gebet zu nehmen. Um die Stille des Raumes auf sich wirken zu lassen. Eine Oase der Ruhe in einer hektischen Umwelt.
So wie ihm geht es vielen älteren Forchheimern. Die Nachricht, dass das Kloster St. Anton zum 1. Oktober aufgegeben wird, hat sie überrascht. Obwohl sich das seit längerem angekündigt hat und sie den Grund dafür nachvollziehen können. Nachwuchsmangel. Klöster sterben aus.


Besondere Bindung


Alexander Raab empfindet seit der Nachkriegszeit eine enge Bindung zum Forchheimer Kloster. Pater Alois Schwarzkopf war Kaplan in St. Martin und Jugendseelsorger.
Die Gruppenstunden der katholischen Jugend fanden im Gereonsheim statt. Der sakrale Bau, Urzelle der Franziskaner, die im 17. Jahrhundert nach Forchheim kamen, hatte eine Zwischendecke und mehrere Räume. Der heute 80-Jährige war dabei, als die katholische Jugend auf dem Rodenstein, der Nachbarberg des Walberla, ein großes Holzkreuz aufrichtete und dieses von Pater Alois geweiht wurde.
"Es geht weiter mit der Klosterkirche": Mit Erleichterung haben die Freunde und Gönner des Klosters St. Anton diese Nachricht vernommen. Die Zukunft steht auf mehreren Säulen. Der Investor für die Wohnbebauung hat - gemeinsam mit zwei Forchheimer Banken - eine Stiftung zum Unterhalt des Kirchengebäudes und zur Unterstützung des Kirchenlebens gegründet. Ein Klosterverein, der sich im Mai 2013 konstituiert hat, übernimmt die Koordination der Aufgaben, die die Klostergemeinde - keine Pfarrei im eigentlichen Sinne - erhält und mit Leben erfüllt.
Klosterchor und Orchester werden weiterhin kirchliche Hochfeste umrahmen, und die Ordensprovinz der Redemptoristen will für die besonderen Gottesdienste Patres abstellen, soweit dies möglich ist.


Weiterhin geistliches Leben


Dem jungen Vorsitzenden des Klostervereins St. Anton, Michael Engelmann, ist die Erleichterung anzumerken, dass das Ende des Klosters St. Anton nicht das Ende des in Jahrhunderten gewachsenen spirituellen Lebens bedeutet. "Geistliches Leben findet weiterhin statt, die positive Aura für die Bewohner Forchheims und des Umlandes bleibt erhalten", sagt der 25-Jährige. Der Wirtschaftsingenieur, der in Nürnberg tätig ist, wurde in der Klosterkirche getauft, war dort Ministrant und Oberministrant, Mitglied bei der Gesangsgruppe "Klosterbären", die das "Neue Geistliche Lied" pflegt, und bei der Jugendorganisation "You for me" in Forchheim-Mitte.
Michael Engelmann weiß, dass die Aufgaben für den Verein und besonders für den Vorstand nicht einfach sind. Aufgaben für Mesner, Lektoren, Organisten, Kirchenreinigung - alles geschieht ehrenamtlich - sind zu organisieren.
Ab Oktober gibt es eine neue Gottesdienstordnung. Es stehen Umbauarbeiten an, da alles, was zum Gottesdienst gehörte, im Kloster verteilt war und nun in der Sakristei der Kirche zentriert werden muss. Das geschieht in Absprache mit dem Pater Provinzial der Redemptoristen.
Der 25-Jährige, der mit seinen Eltern in die Welt des Klosters St. Anton hineingewachsen ist, weiß auch um die Bedeutung des Phänomens "Die Klosterer". Das sind ältere Forchheimer, die sich immer mit den Ordensleuten verbunden fühlten; die sie in der Nazi-Zeit aufgenommen und unterstützt haben. Unterstützt mit Spenden und Naturalien von Feld und Garten: später mit Mesner- und Lektorendiensten, beim Kirchenschmuck und bei der konzertanten Ausgestaltung von Gottesdiensten. "Die Klosterer, irgendwie ein Ehrentitel", weiß Michael Engelmann.
Für den "Klosterverein St. Anton" hat der Wirtschaftsingenieur übrigens kein Beispiel gefunden. Nur, dass aufgegebene Klöster und Kirchen säkularisiert und meist kulturell genutzt werden. "Wir sind einmalig", lacht er und betont: "Wir sind keine Insolvenzverwalter. Die Klostergemeinde soll eine Zukunft haben, ein Angebot für die Menschen und die Bewohner des neuen Wohnprojektes." Michael Engelmann wünscht sich ein "aktives Zentrum des christlichen Lebens".


Die Treue der "Klosterer"


Maria Himmelfahrt: festlicher Gottesdienst, den der Provinzial des Ordens, Pater Edmund Hipp zelebriert. Frauen haben Kräuterbüschel vor den Altar gelegt, wie es guter Brauch ist. Der Viergesang des Klosterchors unter Leitung von Franz Josef Saam singt eine Festmesse von Hans Leo Hassler. Schöne Stimmen und Harmonien erfüllen den weihrauchgeschwängerten Raum. Viele der Gläubigen fragen sich, ob man in Zukunft der Klosterkirche noch so festlich erleben wird. Kürzlich haben sie vom Provinzial die harte Wahrheit über das Nachwuchsproblem des Ordens lesen müssen: "Man braucht es nicht beschönigen, es kommt nichts nach!" Daraus ergebe sich, dass man in der seelsorgerischen Tätigkeit nicht mehr so weiterarbeiten könne wie bisher.
Nach dem Gottesdienst stehen Franz Josef Saam und ein paar "Klosterer" auf der Terrasse zusammen. Da ist nichts von Untergangsstimmung zu verspüren. Sie sprechen darüber, was in den nächsten Wochen zu tun ist.

Reinhard Gojowsky war 1957 Ministrant und stellte sich dann als Lektor und Organist zur Verfügung. In einer Riege mit Maria Räbel, H. Deckert und Richard Knoblach. "Ich gehöre hier zum Inventar", sagt er. "Und ich bin hier reingeboren", beteiligt sich Ingrid Müller an dem Gespräch. Ihre Mutter und ihre Großeltern hatten eine enge Verbindung mit dem Kloster: Im Krieg haben sie Heiligenfiguren auf ihrem Dachboden gelagert und am Sonntag oft Patres bekocht. Unter Pater Gustav Bucher gehörte sie in den 50er Jahren dem Kinderchor an. Später pendelte sie zwischen Klosterküche und Kirche, war immer zur Stelle, wenn eine Hand gebraucht wurde.

Hilde Schuhmann ist seit zehn Jahren Mesnerin, Lektorin und Kommunionhelferin. Wir treffen sie beim Entrümpeln der Nebengebäude im Bereich des Gartens an. Nachdem sie erfahren hat, sagt sie, dass das Kloster aufgelöst wird, hat sie sich eigentlich zurückziehen wollen: "Das ist mir schon nahe gegangen." Als sie aber spürte, dass viele mithelfen wollen, damit der Gottesdienstraum Klosterkirche verbleibt, stand ihr Entschluss fest: "Ich möchte mich auch weiterhin einbringen."