Im Landkreis Forchheim gibt es viel Tourismus. Besonders die Fränkische Schweiz lockt viele (Tages-) Ausflügler in die Region. Davon profitieren besonders die Gaststätten im Landkreis.

Die Suche nach sämtlichen Gasthöfen und Wirtshäusern im Landkreis ergab über 250 Treffer - ob tatsächlich alle gefunden wurden, sei dahingestellt. Eine Vollständigkeit bei dieser überwältigenden Fülle ist fast auszuschließen. Oft war es aus datenschutzrechlichen Gründen nicht möglich die Eigentümer leerstehender Gasthäuser zu erfahren.

Trotzdem kamen einige interessante Fakten bei der Suche nach offenen und leerstehenden Gasthöfen zum Vorschein. Wussten Sie zum Beispiel, dass die älteste Wirtschaft in Pretzfeld aus dem Jahr 1438 stammt? Damals wurde die Behausung und Schenkstatt zum ersten Mal schriftlich erwähnt, berichtet Reinhold Glas, der die Pretzfelder Häusergeschichte niedergeschrieben hat. 1624 wurde eben dieses Gasthaus als "Haus, das vorn im Dorf am Eck liegt" beschrieben. Dieses historische Bauwerk ist allerdings nicht mehr erhalten. Es fiel vermutlich dem 30-jährigen Krieg zum Opfer. 1648 wurde es dann wieder aufgebaut. Dies lässt sich zumindest aus einer Bauholzrechnung aus diesem Jahr schließen. Seit damals gab es natürlich einige Pächter- und Besitzerwechsel. Zuletzt war es ein Treffpunkt für Jugendliche. Mittlerweile steht es zum Verkauf und ist renovierungsbedürftig.

Günstige Preise
Es fällt insgesamt auf, dass es im ganzen Landkreis viele Gasthöfe gibt, die über Jahre hinweg von derselben Familie bewirtschaftet werden. Dort arbeiten dann häufig noch die Senioren mit - auch das ist ein Grund, warum die Preise in der Fränkischen Schweiz häufig sehr weit unter den Preisen in der Stadt liegen. Doch ob diese Häuser auf Dauer überleben können?

"Jedes Wirtshaus, das schließt, ist ein Verlust", sagt der Egloffsteiner Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU). In seiner Gemeinde wurde ein Gasthof umfunktioniert. Seit knapp zwei Jahren leben dort Asylbewerber. Diese Nutzung gibt es mittlerweile in vielen Gemeinden. Aber Förtsch kann auch von positiven Entwicklungen in seiner Gemeinde berichten. Die Schlehenmühle habe nach einem Generationswechsel ein neues Konzept entwickelt und sei sehr erfolgreich damit. Förtsch lobt auch, wie tüchtig und innovativ die Wirt-Familie ist. Als weiteres Beispiel nennt er den Gasthof "Zur Post". Dort stehe nun ein Generationswechsel an, der vermutlich einen Umbau mit sich ziehe.

Dass eine Modernisierung bei vielen fränkischen Gasthäusern nötig sei, davon ist Förtsch überzeugt, denn dadurch, dass Sanierungen nicht zeitnah angepackt werden, könne es zu einem Investitionsstau kommen, der dann irgendwann nicht bewältigt werden kann.

Neue Konkurrenz vor Ort
Auch die Nutzung von Dorfgemeinschaftshäusern oder Sportheimen bei Veranstaltungen sieht er als Gefahr für die heimischen Gasthöfe - obwohl es auch in seiner Gemeinde ein Gemeinschaftshaus gibt. "Die Verlagerung von Feiern trägt auch dazu bei, dass Gaststätten Probleme bekommen", weiß Förtsch. "Wirtshäuser waren früher die Kommunikationszentrale der Dörfer", sagt Bürgermeister Förtsch, "die jüngere Generation tauscht sich aber mit Smartphones und Computern ganz anders aus, als es früher der Fall war. Auch das könnte zu einem Problem werden."


Hintergrund: In eigener Sache
Über mehrere Wochen haben wir mühsam nach bewirtschafteten oder leerstehenden Gaststätten gesucht - und aus der Recherche eine Karte gestaltet, die einen guten Überblick bietet, aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Falls Daten fehlen sollten, freuen wir uns auf einen Hinweis (Telefon 09191/708847, E-Mail redaktion.forchheim@infranken.de).