Mit eingezogenem Schwanz und scheuem Blick nähert sich Hündin "Juni" vorsichtig ihrer Pflegerin und schnuppert an dem Futter in ihrer Hand. Zaghaft schnappt sie sich einen Bissen, weicht aber sofort wieder ein Stück zurück. "Dass sie mir aus der Hand frisst, ist schon ein echter Erfolg", berichtet Carmen Baur. Die Büroangestellte ist ein leidenschaftlicher Tierfreund und die treibende Kraft der "Tierhilfe Franken".

Bei diesem Verein handelt es sich um eine wohltätige Gemeinschaft von Menschen, die Kleintiere aufnehmen, sie pflegen und versuchen, für sie ein neues zu Hause zu finden.

Juni ist ein scheuer Hund

"Juni " ist total scheu und hat einen ausgeprägten Fluchtinstinkt", erzählt Carmen Baur. Juni ereilte ein tragisches Schicksal, das erklärt, warum der Hund so verstört ist. Der Vierbeiner stammt ursprünglich aus Spanien, wurde von einer privaten Tierschutzorganisation eingefangen und nach Deutschland vermittelt.

Ein Interessent aus der Umgebung von Würzburg ist per Internet auf die Hündin aufmerksam geworden und ließ daraufhin ihren Transport nach Deutschland vorbereiten. Die Reise von Spanien nach Franken stellte sich im Nachhinein als nicht besonders artgerecht heraus. Mehrere Hunde wurden einfach in Transportboxen verladen und mussten 16 Stunden auf engstem Raum überstehen. In Deutschland angekommen, wurden die Tiere ihren neuen Besitzern in den Transportboxen übergeben. Als die Adoptiveltern ihren Hund begrüßen wollten, nutze dieser die Gelegenheit zur Flucht und entsprang der Kiste.

Daraufhin irrte die Hündin zehn Tage lang im Raum Gößweinstein, Pottenstein, Wildenfels und Obertrubach orientierungslos umher, wurde aber mehrfach gesichtet. Währenddessen gingen viele Anrufe besorgter Tierfreunde bei der Tierhilfe in Franken ein.
Der Besitzer, der Juni aufnehmen wollte, beteiligte sich ebenfalls intensiv an der Suche nach seinem Hund. Er brachte sogar ein weiteres Tier mit, um Juni durch die Anwesenheit eines Artgenossen zu beruhigen. Aber dieser Versuch scheiterte kläglich, weil Juni viel zu misstrauisch und verstört war.

Ein Drama im April

Am Ende rückte die Tierhilfe mit der Lebendfalle aus und schaffte es schließlich doch noch, den ausgehungerten, verwahrlosten Vierbeiner einzufangen. Der ursprüngliche Besitzer gestand sich daraufhin ein, mit dem Tier überfordert zu ein, und gab es in die Obhut der Tierhilfe. Dieses Drama ereignete sich heuer im April. Seither befindet sich Juni in der Tierhilfe in Betzenstein. Der Hund ist nach wie vor äußerst menschenscheu und lässt sich nicht anfassen.

"Eine Berührung kommt für den Mischlingshund einem Stromschlag gleich", erzählt Carmen Baur. "Wir bräuchten jemanden, der sich intensiv mit dem Tier beschäftigen möchte, zu dem Juni Vertrauen fassen und eine Beziehung aufbauen kann", erklärt die Leiterin bedrückt: "Wir hoffen natürlich nur das Beste für den Hund."
Vielleicht können wir sie eines Tages in den Arm nehmen und ihr beweisen, dass es auch Menschen gibt, die alles für ihr Wohl unternehmen und für sie da sein wollen." Interessenten können sich an die Tierhilfe unter Tel. 09244/9823166 wenden.