Wo soll man nur anfangen, wenn man über Benno Beck schreibt? Bei seinen vielen praktischen Ideen, die der Landwirt und Tüftler am liebsten gleich selbst umsetzt? Bei seinen drei Kindern Lena (13), Tim (9) und Nico (7), die den Hof am Ortsende von Morschreuth jederzeit in einen großen Spielplatz verwandeln können? Bei der GbR, die Beck zusammen mit Markus Distler aus Leutzdorf betreibt? Bei seiner Frau Brigitte, die sich im Büro um die Buchführung kümmert, oder bei Mutter Isolde, die für die Familie und die drei Angestellten kocht? Beim Winterdienst, den er in den nächsten Monaten für 15 Ortschaften zwischen Ebermannstadt und Gößweinstein verrichtet? Oder gar bei seinen politischen Ambitionen?

Nein, ein Text über Benno Beck muss mit seiner Liebe zum Holz anfangen. Holz - schon bei dem Wort weiten sich die Augen des 46-Jährigen. "Mein Mann hat sein Hobby zum Beruf gemacht", schmunzelt Brigitte Beck. Das Werkeln in der Natur und im eigenen Wald habe ihm schon immer besonders gefallen. "Dank der Technik ist das heute ja auch nicht mehr so eine schwere Arbeit wie früher", meint der gelernte Landwirt.

Bis zu 10 000 Ster im Jahr

Vor sechs, sieben Jahren hat er sich bewusst entschieden, sich auf den Brennholzverkauf zu konzentrieren. Er hatte das richtige Gespür: Energie wurde immer teurer, die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz und wohliger Ofenwärme wurde immer größer. Beck profitiert davon. Hatte er mit seinem Vater Emil in guten Jahren früher 150 Ster Holz hergestellt, produziert er nun bis zu 10.000 Ster im Jahr - und zusätzlich noch 3 bis 4000 Kubikmeter Hackschnitzel.

Die Bäume - zu 90 Prozent Buche, ansonsten Weichholz - kommen nur zu zwei, drei Prozent aus den eigenen 30 Hektar Wald. Den Rest bezieht er vor allem von vielen privaten Waldbesitzern. Die Bäume müssen gefällt sein, dann holt er sie direkt von der Waldstraße mit dem LKW ab. Wichtig ist ihm, dass es einheimische Hölzer sind. Beck: "Mir wird oft Holz aus Litauen oder Tschechien angeboten, aber ich nehme nur Rohmaterial aus einem Umkreis von 20 Kilometern. Dann aber auch Kleinstmengen." So wurde er zum inzwischen wohl größten Brennholzhändler in Oberfranken und erwirtschaftet so zwei Drittel seines Umsatzes.

"Früher haben wir gesägt, das Holz ein Jahr liegen lassen und dann verkauft", erinnert sich Beck. Heute geht das einfacher und viel schneller. Zum einen dank einer mobilen Sägespaltmaschine. Diese schneidet die Holzstämme zunächst in der Länge zurecht und zerteilt sie danach in handliche Scheite. Zum anderen spielte ihm das Aufkommen der Biogasanlagen in die Karten - vor allem die staatliche Förderung für die Nutzung der Abwärme.

Vorteile für beide Seiten

Nun kann er das Holz in diverse Anlagen in der Region fahren und dort trocknen lassen. Je nach Technik dauert es sieben bis zehn Tage, bis die Scheite nur noch eine Restfeuchte von 15 Prozent aufweisen. Fertig ist das Brennmaterial. "Für mich bringt das einen viel schnelleren Umlauf, und die Biogasanlagen freuen sich über den Bonus für die Kraft-Wärme-Kopplung", erklärt Beck.

55 Euro zahlt er für einen Festmeter Buche und verwandelt diesen in 1,4 Ster Holz. Für einen Ster Buche verlangt er 85 (50 oder 33 cm) oder 90 (25 cm) Euro plus eine einmalige Frachtkostenpauschale. Diese Preise seien aber im nächsten Jahr nicht mehr zu halten, "weil die komplette Energie teurer wird und die Verkäufer auch mehr für die Bäume verlangen".

Dafür verspricht Beck seinen über 1000 Kunden aus dem gesamten Ballungsraum qualitativ hochwertiges Holz, das sogar von Kaminkehrern empfohlen werde. Das garantiere eine Eigenentwicklung: das Trommelsieb. Das hat er aus einer ehemaligen Kartoffelwaschtrommel gebaut. Direkt vor der Auslieferung wandern die Scheite in die Trommel, wo Sägespänne, Rinde und Kleinteile mit viel Gepolter ausgesiebt werden. 400 bis 500 Kubikmeter "Abfall" ist das pro Jahr, der freilich als Biomasse oder Anschürholz verwendet wird. Das Ergebnis sind Holzscheite, die Pizzabäckern als Dekoration dienen und auch "für zarte Frauenhände geeignet sind", lacht der Landwirt.

Für die Auslieferung hat er zwei Anhänger - einen konventionellen zum Kippen, der in Garagen nicht aufgerichtet werden kann, und einen Marke "Eigenbau" mit Schieber. Letzteren hat er mit seinem Nachbarn Christian Müller in vielen Monaten selbst zusammengezimmert und patentrechtlich geschützt. Der Vorteil: Das trockene Holz kann bei schlechtem Wetter direkt in die Garage der Kunden gefahren und dort vom Anhänger herunter geschoben werden, ohne nass zu werden. "So brechen wir Arbeitsspitzen", freut sich der Familienvater. Schließlich gebe es im Jahr keine zehn Arbeitstage, an denen nicht ausgeliefert wird. Von August bis November wurden fast täglich vier bis fünf Touren mit insgesamt 20 bis 25 Ster gefahren - sechs Tage die Woche. "Der größte Ansturm ist jetzt aber rum", erzählt Beck. Die 25 mal zwölf Meter große Halle, die im Sommer zu zwei Drittel voll war, ist jetzt fast leer. "Wir leben derzeit von der Hand in den Mund."

Weitere Investitionen stehen an

Ein Grund mehr für Benno Beck, im nächsten Jahr den Betrieb weiter zu vergrößern. Ein leiseres und schnelleres Sternsieb soll das altgediente Trommelsieb ablösen, eine 200 000 Euro teure, stationäre Spaltmaschine mit zwei Bändern soll die doppelte Menge an Baumstämmen in der gleichen Zeit verarbeiten. Zweifel, ob sich die Investitionen lohnen und noch mehr Holz auch Abnehmer findet, beschleichen ihn nicht - die Nachfrage nach dem "nachwachsenden Gold" steige stetig auch ohne Werbung.

Was darf man nicht vergessen, wenn man über Benno Beck schreibt? Natürlich die Distler Beck GbR. Hätte er diese nicht im September 2006 zusammen mit Markus Distler gegründet, hätte er sich wohl nie derart auf den Brennholzverkauf spezialisieren können. Damals musste sich Beck entscheiden, ob er die 22 Milchkühe entweder aufgibt oder weitere Tiere anschafft und den Stall modernisiert. Durch die Kooperation mit Distler gelang eine Zwischenlösung: Die Milchproduktion und die Kälberzucht mit 50 bis 60 Tieren läuft in einem neuen Stall in Leutzdorf, die weibliche Nachzucht mit maximal 50 Tieren ist in Morschreuth untergebracht. Gleichzeitig bewirtschaftet die GbR gemeinschaftlich 160 Hektar Acker, ein Großteil davon in Morschreuth. So werden Becks Fahrzeuge besser ausgelastet, und die Abrechnung über die GbR bringt sogar noch steuerliche Vorteile. Den Gewinn teilen sich die Partner nach Anteil der Arbeit und des Besitzes - alles vertraglich festgesetzt.

Ist das ein Modell für die Zukunft der Landwirtschaft? Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Forchheim, ist skeptisch: "Alleine die GbR-Gründung wird keinem Betrieb das Überleben sichern." Dazu müssten dann schon die Erzeugung, die Vermarktung und die Betriebswirtschaft passen. "Außerdem müssen die beiden sich mögen und miteinander können, wenn es einmal klemmt", gibt Nützel zu bedenken. Bei Beck und Distler funktioniert das mustergültig. Als Beck in diesem Jahr für zwei Monate ausfiel, weil ihn ein Ast niedergestreckt hatte, sprang sein Kompagnon mit den Arbeitern Matthias Roppelt, Bernd Linsner und Michael Roppelt ein. "Wenn er nicht da gewesen wäre, hätte ich das nicht geschafft", gibt Brigitte Beck zu.

Künftig Gemeinderat?

Womit soll man aufhören, wenn man über Benno Beck schreibt? Vielleicht mit der Kommunalwahl im März 2013. Da bewirbt sich der Morschreuther um einen Sitz im Gemeinderat. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.