Am Freitag flatterte ein amtliches Schreiben in die Briefkästen von Kirchehrenbach, Leutenbach und Dietzhof. Darin steht: Auf Anordnung des Gesundheitsamtes sei, "bis auf Widerruf das Wasser zur Lebensmittelherstellung (z. B. Obst/Salat/ Gemüse waschen) und als Trinkwasser (z. B. Zähne putzen) nur im abgekochten Zustand zu verwenden". Solche Mitteilungen sind nichts Ungewöhnliches in dieser Region, und doch erzürnen sich die Bürger darüber. Der Grund: In der Mitteilung für Mittelehrenbach ist zu lesen, dass die "mikrobiologische Grenzwertüberschreitung" im Trinkwasser bei einer routinemäßigen Untersuchung am 10. Juni festgestellt wurde. Die Bürger wurden aber erst elf Tage später informiert. "Warum erst so spät?", fragen sich einige.


Einst mit der Glocke durchs Dorf

"Die Leute sind verärgert wegen der Langsamkeit der Reaktion", sagt Gemeinderat Raimund Dörfler (Liste Ehrenbach) und erinnert daran, dass in den 50er-Jahren in Mittelehrenbach der Gemeindediener mit der Glocke durchs Dorf marschiert sei und die Bürger informiert habe, das abgekocht werden solle. Später habe es für diese Aufgabe einen Lautsprecherwagen gegeben. "Und in unserer hochmodernen Zeit braucht es so lange, bis die Information bei den Leuten ist", wundert sich Dörfler.

Bürgermeister Otto Siebenhaar (FW) weist die Schuld von sich. Er sei erst am Donnerstag von der Gemeindeverwaltung über die Keimbelastung des Wassers und die Abkochverordnung informiert worden. "Ich gehe davon aus, dass die Gemeindeverwaltung auch erst am Donnerstag Bescheid erhalten hat." Daraufhin habe er sofort das Erstellen eines Flugblatts und dessen Verteilung angeordnet. In Kirchehrenbach scheint es ebenso abgelaufen zu sein.

Alles halb so wild, heißt es indessen von Sabine Funke, deren Umweltinstitut in Möhrendorf die routinemäßigen Wasserproben entnommen und über die Verunreinigung informiert hat. "Niemand wird krank, der da Wasser getrunken hat. Die Abkochverordnung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme", erklärt die Wissenschaftlerin. Die zeitliche Verzögerung erklärt sie damit, dass die Analyse der Proben ja nach Art der Keime unterschiedlich lang dauere und dass danach das Gesundheitsamt auch erstmal reagieren müsse. Funke verweist zudem auf eine Vorschrift, nach der vier Mal im Jahr Kontrollproben zu entnehmen sind. "Das hält der Gesetzgeber für ausreichend", sagt Funke. Wenn es kurz nach der Probenentnahme zu einer Verunreinigung komme, werde das auch erst sehr spät festgestellt und stelle noch lang keine Gefahr dar.

Ultrafiltration als Lösung

Bei der Ursache für die Keimbelastung sind sich Siebenhaar, Funke und Dörfler einig: die starken Regenfälle zu Beginn des Monats und das daraus resultierende Hochwasser. In Mittelehrenbach hat die Gemeinde aus solchen Wasserproblemen schon ihre Lehren gezogen und baut gerade eben für die Quelle in Oberehrenbach ein neues Wasserhaus mit einer Ultrafiltration. Eine solche Anlage gibt es bereits seit gut drei Jahren in Leutenbach, wo sie laut Siebenhaar seitdem die Sauberkeit des Wassers garantiere. Die neue Anlage lässt sich die Gemeinde eine halbe Million Euro kosten.

Und auch das Thema Hochwasser haben die Leutenbacher im Blick. Bei einer Sitzung des Bauausschusses am Samstag seien laut Siebenhaar schon kleinere Maßnahmen beschlossen worden. Diese sollen bereits heute an den Bächen in Mittelehrenbach und Dietzhof umgesetzt werden. Weitere Schutzmaßnahmen sollen nach einer Informationsveranstaltung des Wasserwirtschaftsamtes im Herbst zur Sprache gebracht werden.