Der Klang wohliger Jazzmusik im kleinen Dörfchen Pettensiedel im Forchheimer Oberland an einem schönen Spätsommernachmittag kann nur eines bedeuten: wer die von einer Affenskulptur mit Spiegel bewachte Treppe der Werkstatt Frey hinaufläuft, befindet sich auf einer der unter Kunstkennern überregional geschätzten Vernissagen.

Die diesjährige Herbstausstellung in der Galerie der Werkstatt, welche in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Galerie Lutz präsentiert wird, ist dabei der seit vielen Jahren in Nürnberg lebenden Österreicherin Gertrud Aumayr gewidmet. Die Künstlerin ist dabei keine Unbekannte für treue Werkstatt-Besucher. Bereits 1996 hatte die aus dem zeichnerischen Bereich kommende, aber seit Jahrzehnten auch in der Aquarellmalerei fest verwurzelte Malerin eine Ausstellung im Igensdorfer Ortsteil. 16 Jahre später ist Aumayr gleich in zwei Ausstellungen in der Werkstatt Frey präsent, denn auch im Rahmen der Dozentenausstellung der Kleinen Sommerakademie Pettensiedel, für welche sie am kommenden Wochenende das zweitägige abschließende Aquarellseminar hält, hatte sie die vergangenen Wochen schon einige ihrer in dezenten Erdfarben gehaltenen Aquarelle mit Winterthematik beigesteuert. Die nun vollkommen auf sie fokussierte Ausstellung, den gewohnten Ausstellungsrahmen der Werkstatt bestehend aus Keramiken der Hausherrin Sigrid Frey und den Bronzen ihres letztjährig verstorbenen Ehemannes Harro Frey einmal außer acht lassend, bietet jetzt allerdings die Möglichkeit, die komplette Bandbreite des Schaffens von Gertrud Aumayr zu zeigen.

Seltene Plastizität in Tusche


Gleich im Eingangsbereich der Ausstellung fallen dabei die filigran ausgearbeiteten Tuschezeichnungen vornehmlich mit Motiven aus New York und Paris ins Auge. "Bei den Tuschezeichnungen setze ich meist zwei unterschiedliche Federn ein: Eine Bambusrohrfeder und für den Hintergrund eine Stahlfeder", sagt Aumayr. Durch diese Kombination entsteht ein Plastizität, die bei Tuschezeichnungen nur selten anzutreffen ist. Fast möchte man meinen, man blickt auf die entsprechenden Stadtszenen. Gleiches kann man auch von den Aquarell- und Acrylarbeiten behaupten, denen man durchaus ansehen kann, wo die künstlerischen Wurzeln Aumayrs liegen: im Zeichnen.

Unüblich für die Aquarellistik setzt Aumayr dabei meist nur wenige Farben in dezenter Manier ein, intensiviert hierdurch aber den bildlichen Gesamteindruck, der durch den oftmaligen Detailreichtum der Bilder noch weiter verstärkt wird. Bei den Ansichten von vertäuten Booten in einem verschlafenen Hafen in den norwegischen Lofoten schmeckt man so förmlich die salzige Luft. "Zeichnen und Malen macht mir Spaß und das darf man auch sehen", sagt die Künstlerin, die häufig auf Kunstreisen in aller Welt unterwegs ist. Ob Indien, Griechenland oder die bereits erwähnten Städte New York und Paris: Von überall bringt sie ihre Eindrücke mit nach Franken. Aber auch in ihrer Wahlheimat findet Aumayr ihre Motive. Besonders stolz sei sie gerade von einem erst in diesem Sommer in Bamberg entstanden Werk, das eine in einem Kaufhausfenster gespiegelte Straßenszene zeigt - mit gerade einmal drei Farben ausgearbeitet. "Das letzte Werk ist immer gerade das Wichtigste", erzählt Aumayr vor ihrem "Schaufensterspiegelung" betitelten Werk und schmunzelt. Am schönsten fände sie es bestimmt, wenn das auch die Besucher der Ausstellung so sehen.

Die Herbstausstellung läuft noch bis zum 28. Oktober in der Werkstatt Frey in Pettensiedel bei Igensdorf.

Die Werkstatt Frey im Klingerweg 2 in Pettensiedel/Igensdorf ist werktags, außer freitags, zwischen 10 und 18 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr, sowie sonn- und feiertags von 11 bis 13 Uhr geöffnet.