Die Legende lässt sich durch ihre religiöse Dimension von der Sage abgrenzen; trotzdem greifen natürlich viele Sagen den Volksglauben ihrer Entstehungszeit auf, berichten von großer Frömmigkeit und der tiefen Verehrung der "heiligen Stätten" unserer Region. Die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz bei Hallerndorf ist eine dieser alten Stätten; und auch zu ihrer Entstehungsgeschichte gibt es eine alte Sage zu erzählen:

Vor vielen Jahren hatte ein Hallerndorfer Zimmermann einen Traum. Darin sah er ein hölzernes Kreuz und hörte die Stimme Gottes, die ihm den Auftrag erteilte, ein solches Kreuz zu bauen und auf einem Berg aufzustellen.

Mit Blindheit gestraft

Nachdem der Zimmermann erwacht war, machte er sich sofort an die Arbeit. Die Dorfbewohner sahen ihm erstaunt zu. Als er sein Vorhaben erklärte, schlug das Erstaunen jedoch schnell in ungläubigen Spott um. Sie stichelten und spotteten solange, bis der Zimmermann das fast vollendete Kreuz voller Wut mit seiner Axt wieder zerschlug. Da strafte Gott ihn mit Blindheit.

Der Zimmermann war verzweifelt, betete zu Gott und versprach, ein neues Kreuz zu bauen. Sein Flehen wurde erhört: Nach acht Tagen erhielt er sein Augenlicht zurück.

Ein junger Hallerndorfer ging ihm zur Hand, und gemeinsam zimmerten sie ein prächtiges Kreuz. Nachdem sie es fertiggestellt hatten, luden sie es auf einen Karren und brachten es auf das Plateau des Berges Hohenrode.

Spötter fielen auf die Knie

Als sie es aufgerichtet hatten, erkannten auch alle Spötter den Willen Gottes und fielen dreimal vor dem Kreuz nieder. Viele Wunderzeichen wurden mit diesem Kreuz fortan in Verbindung gebracht. Bald schon fanden sich die ersten Wallfahrer auf dem Berg Hohenrode ein. Neben dem Kreuz wurde eine erste kleine Kirche errichtet.

Die mündliche Überlieferung macht den Charme und auch die Elastizität einer Sage aus; diese Sage wartet allerdings mit einer Besonderheit auf: Im wunderschönen Inneren der Kreuzbergkirche befindet sich eine sogenannte Legendentafel, auf welcher in zehn Szenen die Entstehung des Wallfahrtsortes "in Wort und Bild" dargestellt ist. Gestiftet wurde die Tafel im Jahre 1711 vom Grafen von Wolfsthal. Seiner Familie gehörte zu diesem Zeitpunkt das Untere Schloss in Hallerndorf.

Wie es sich auch zugetragen haben mag, gesichert ist, dass es an diesem Ort schon um 1430 eine Wallfahrtskapelle gab. Die Herren von Seckendorff, Besitzer des Oberen Schlosses und bedeutendste Lehensherren in Hallerndorf, ließen 1463 an ihrer Stelle eine Kirche im gotischen Stil errichten - der zum Bau geeignete Sandstein konnte hierzu direkt an Ort und Stelle gewonnen werden.

Ritterlicher Ehrenkodex

Zum einen trug die Adelsfamilie damit Sorge für das eigene Seelenheil, zum anderen konnte sie dadurch ihre Herrschaft weiter festigen. Die Wahl des Patroziniums Heilig Kreuz kann mit dem Adelsstand der Familie in Zusammenhang gebracht werden: Dem ritterlichen Ehrenkodex der Kreuzfahrerzeit fühlten sich wohl auch die Herren von Seckendorff stark verbunden.

Da Wallfahrten und Prozessionen einen großen Stellenwert in den katholischen Pfarreien eingenommen hatten, blieb die Kirche auch in der Folgezeit ein beliebter Wallfahrtsort. Viele Votivgaben sind erhalten, Krücken und Stöcke hinter dem Hochaltar zeugen von zahlreichen Heilungen.

Nachdem sich die Kreuzbergkirche zum zentralen Wallfahrtsort für die Verehrung des Heiligen Kreuzes im unteren Aischgrund entwickelt hatte, fanden die Wallfahrten mit dem Dreißigjährigen Krieg eine abrupte Unterbrechung. Nach Kriegsende bestand überall in der Gegend großer Bedarf an Baumaterial; daher herrschte rund um die Kirche geschäftiger Betrieb in den "Hohenroder Sandsteinbrüchen".

Bier gelagert

Bald danach wurden die Wallfahrten wieder aufgenommen und die Steinbrüche in diesem Zuge umfunktioniert: Sie wurden mit Gewölben überbaut. Es entstanden Keller, in denen Bier gelagert werden konnte. Damit war auch für das leibliche Wohl der Pilger bestens gesorgt. Schon 1718 erhielt das Gotteshaus zudem eine Orgel und ab 1730 ein spätbarockes Gewand. Mit der Säkularisation fiel die Kirche in den Dornröschenschlaf. Als das staatliche Wallfahrtsverbot jedoch wieder aufgehoben wurde, lebte auch auf dem Berg Hohenrode die Wallfahrt wieder auf - und lebt bis heute fort.