Ned alles, was a Loch hat, muss g`lei hi sei!"
Jeder Heimwerker wird diese Alltagserfahrung bestätigen. Für frauenbewegte Redakteurinnen des Bayerischen Rundfunks aber bedeutete Alexander Göttlicher gleichnamiger Song eine mit vulgären Andeutungen gespickte Provokation, die aus der volkstümlichen Hitparade aussortiert werden musste.
Bei dem fränkischen Pausenclown auf allen Suppen löste diese Emanzen-Zensur keinen Frust aus, sondern war ein Ansporn zu weiteren verbalen Grenzübertritten. Bei seinem Auftritt im Gasthaus Sponsel anlässlich der "Kirchehrenbacher Kulturwochen" zelebrierte der Comedian aus Spöies seine sanften Tabubrüche vor seinen begeisterten Sympathisanten.

Hymne für Nordic Walker


Auf seinem Weg zum Walberla war er auch an Walkersbrunn vorbeigekommen. Der Ortsname gab ihm das Stichwort für seine Einstiegshymne auf den "Nordic - Walking - King", der unter Druck des "Body Mass Index" rigoros sein Gammelfleisch bekämpft. Bei dieser zwar nicht mehr neuen, aber immer noch die Flächen besetzenden, Trendsportart, sieht der zwischen Lust und Gift schwankende Satiriker die Damen gegenüber den Herren im Vorteil.
Das Problem, die Flüssigkeit zu regulieren, lasse sich für sie leichter lösen. Harmonisch fügt sich die, von der Schöpfung vorgesehene, Hockstellung in den natürlichen Bewegungsablauf ein.
Die Herren hingegen benötigen eine besondere "Pinkel-Anlage", ein komplexes, analoges Konstrukt, dessen Bühnenreife Göttlicher im Detail vorführte.
Der göttliche Alexander liebt seine fränkische Ursprache. Er jongliert mit ihren atomaren Laut-Teilchen und formt aus ihnen neue Sinneinheiten. Nach seinem fast rassistischen Vorurteil verfügen fränkische Stammesangehörige über vier Hirnhälften. Sie können daher, wie die neueste Hirnforschung feststellt , in alle vier Himmelsrichtungen denken und die absurdesten Fragen beantworten.
"Warum lieben Pfarrer Salzkartoffeln?" "Weil s` Ka Pelle (Kapelle) ham."
Manchmal braucht die Antwort einen langen Anlauf. "Warum gibt`s in Nürnberg kan Stress? - Weil`s kan Zwang ham!" Gemeint ist Katzwang, der Vorort am Südrand der Noris-Metropole.
Die bayerische Volksmusik, die aus fast allen Medien dröhnt und dudelt, besitzt für den altfränkischen Freiheitskämpfer ein einmaliges Erregungspotential. "Lachen moust, aber graina könnst". Daher mutiert das Naab-Duo on seinem Großhirn zum "Napalm-Duo", das apokalyptische Fröhlichkeit im Gemüt verbreitet. Altbayerns Berge wachsen in den Himmel, aber nur in Franken ist der Horizont weit und weltoffen. Göttlichers Jodler aus dem Nürnberger Knoblauchsland deutet diesen Kampf der Kulturen an. "Ich möcht` a Schupperl in Dei`m Haar sein, a Ringerl in Dei`m Nasenloch, a Öserl an Dei`m BH". Als Dauerrefrain ertönt dazu der "Kohlrabi - Juchzer ".
Einen spannenden Höhepunkt erreicht der fränkische Heimatfilm, wenn Göttlicher in seiner "Moritat aus Velden " eine schlachtreife Sau in die Pegnitz springen lässt. Feuerwehr und Rotes Kreuz werden aufgeboten, um das widerspenstige Tier wieder zu Raison und zum Metzger zu bringen. Denn gegen die regionale Vermarktung regionaler Produkte darf es keinen Widerstand geben. Zum harmonischen Ausgleich sang Göttlicher in allen EU-Sprachen von den "Schweinen in der Nacht" in ihrer Einsamkeit und Freiheit.
Auch altfränkische Fabeltiere wie der "Hoobergaas " und die "Hiedschawoabl" erscheinen in seinen Balladen aus dem Heimatland, wo die "Hasn Hosn haaßn" und die Jungfrauen "haase Huusn" tragen. Doch auch in diese heile Provinz, so beklagt der Poet aus dem Frankenjura, ist die Face.Book-Seuche eingedrungen.
"Neues aus der Fratzenbibel" - sein aktueller Song zeigt hemmungslose Selbstpreisgabe auf. Mit blödem Gesichtsausdruck wird im "sozialen Netzwerk" massenhaft der "virtuelle Stuhlgang" verrichtet. Angesichts dieser medialen Seuche, bleiben dem machtlosen Poeten nur grobianische Wünsche und Flüche. Für die Mitläufer: "Achselschweiß, Überdruck auf der Blase - ausgesaugt von einem Vampir, Durchfall und ka` Klopapier" .
Im Gegensatz zu Göttlichers Programm ist Face-Book langweilig geworden.