Bis kurz vor 23 Uhr ist es im Gößweinsteiner Gemeinderat heiß und in Teilen auch kontrovers zugegangen. Besonders emotional diskutierten die Räte dabei über die Zukunft des Gößweinsteiner Rathauses. Am Ende sprachen sich die Räte dafür aus, ein neues Rathaus zu bauen.

Der Hollfelder Architekt Hartmut Schmidt war gekommen, um den Räten einen Eindruck davon zu verschaffen, was ein Neubau an fast derselben Stelle kosten würde, auf dem das alte Rathaus steht. Das ist deshalb interessant, weil inzwischen das Denkmalamt einem Abriss zugestimmt hat. Auf rund 1,53 Millionen Euro schätzt Schmidt die Kosten für einen Neubau.

Das neue Rathaus wäre rund 500 Quadratmeter groß. Darin sehen die Pläne auch einen Veranstaltungsraum oder Räume für eine Bücherei oder die Volkshochschule vor.
Für diesen Raum könnte die Gemeinde mit einem Zuschuss von etwa 60 Prozent rechnen. Für das Verwaltungsgebäude selbst gibt es dagegen keinerlei staatliche Zuschüsse.

Die Zeit drängt

Bürgermeister Georg Lang (CSU) zählt zu den Befürwortern eines Neubaus.
Dies hätte seiner Ansicht nach im Vergleich zu einer einer Sanierung des bestehenden Gebäudes nicht nur das Argument der Kostensicherheit auf seiner Seite. Die Verwaltung könnte zudem bei einem Neubau solange im bisherigen Rathaus weiterarbeiten, bis das neue Gebäude steht. Anschließend könnte das alte Rathaus nach Langs Vorstellungen abgerissen werden.

So oder so: Die Zeit drängte in Sachen Rathaus. Noch vor dem 1. Dezember muss ein Beschluss her, die Gemeinde damit im nächsten Jahr 100 000 Euro für die weitere Planung eines neuen Rathauses als Bedarfsmitteilung für Städtebaufördermittel bei der Regierung von Oberfranken anmelden kann.

Laut dem Architekten Schmidt liegen inzwischen fünf verschiedene Planungsvarianten auf dem Tisch "Für eine Altbausanierung kann ich aber keine genaue Kostenschätzung abgeben", sagte er. Gleichwohl empfahl auch er den Gößweinsteinern einen Neubau.

Verantwortung beim Kämmerer

"Ich finde das schon gewagt, denn wir sprechen hier über eine satte Million, die die Gemeinde selbst finanzieren muss", sagte Zweiter Bürgermeister Helmut Kießling (FWG). "Es geht heute nur um die Entscheidung, ob Neubau oder Sanierung und es wird noch nicht entschieden, wann gebaut wird", entgegnete Lang.

"Der Zustand des Rathauses ist prekär", kommentierte Jürgen Kränzlein (SPD). In die Verantwortung nahm er vor allem den Kämmerer: "Der muss uns dann sagen, ob wir uns das leisten können."

"Die Frage ist zwar richtig, aber zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, weil es heute nicht darum geht, dass Geld ausgegeben wird", konterte Lang. Peter Helldörfer (CSU) sagte: "Was wir im Moment machen, ist reiner Formalismus. Stellen wir den Antrag auf Bedarfszuweisung nicht bis zum 1. Dezember, dann gucken wir nächstes Jahr in die Röhre."

"Es ist noch gar nicht diskutiert worden, ob man im Sinne des Eigentums überhaupt ein Rathaus braucht, und es nicht günstiger wäre, Räume anzumieten", sagte Hanngörg Zimmermann, der frühere CSU-Sprecher, der nun bis zum Ende der Legislaturperiode der Fraktion der Freien Wähler und Bürgergemeinschaft angehört.
Bürgermeister Lang beharrte drauf, dass sich die Räte zwischen einem Neubau oder nur einer Sanierung entscheiden müssten.

Nur eine zeitige Entscheidung eröffne die Chance darauf, für die weitere Planung Zuschüsse zu bekommen. Siegfried Hutzler (JuF) stellte dann den Geschäftsordnungsantrag, die Debatte zu beenden.
Mit 9:5 Stimmen sprach sich der Rat für einen Rathausneubau aus. Bisher hat die Gemeinde für Planungskosten und die Prüfung der unterschiedlichen Varianten bereits rund 15 000 Euro ausgegeben.