Lange nach Mitternacht, eine dunkle Landstraße zwischen Forchheim und Neuses, vier junge Männer stehen am Straßenrand und warten. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit spielt sich diese Szene ab. "Aus heutiger Sicht ist das gar nicht mehr vorstellbar", sagt Landrat Reinhardt Glauber. Der 63-Jährige sitzt in seinem Arbeitszimmer am Streckerplatz 3 und hält die Fackel in der Hand, die er in jener warmen Augustnacht vor 40 Jahren in der Hand gehalten hatte. Da stand Reinhardt Glauber mit seinen Freunden Geo Hack, Xaver Helmprobst und Wolfgang Geus im Dunkeln und warteten auf das olympische Feuer.

Aus leichtem Metall ist die Fackel gearbeitet, knapp einen Meter ist sie lang und ungefähr ein Pfund schwer. Eine Gaskartusche ist in den Griff eingelassen; der ist mit einer Gravur versehen: Spiele der XX. Olympiade.
"Im ersten Moment wirkt die Fackel leicht", sagt Glauber, aber wenn man sie eineinhalb Kilometer trage, habe sie doch "ein ziemliches Gewicht".

Reinhardt Glauber war damals 23 Jahre alt, Student an der Fachhochschule Nürnberg und Spielführer der Fußballmannschaft der DJK Pinzberg. Der Verein hatte sich beworben, als das Olympische Komitee rund 700 Läufer suchte, die das Feuer nach Kiel tragen sollten. Dort fanden die Segelwettbewerbe statt. Die Route von München nach Kiel führte durch Baiersdorf und Forchheim in Richtung Bamberg. Die Bewerbung der DJK hatte Erfolg und der Verein schickte Glauber auf die Strecke.

Die Fackel, die weiße Sporthose und das weiße Trägerhemd mit den Ringen und der Aufschrift "München 1972" hatte der Pinzberger Fackelläufer schon vorher bekommen.
Das Olympische Feuer kam dann in doppelter Ausführung. "Der Fackelträger wurde von einem Auto begleitet, das die Flamme ebenfalls transportierte", erinnert sich Reinhardt Glauber: "Daher musste man sich keine Sorgen machen, das Feuer könnte bei der Übergabe ausgehen".

Nach eineinhalb Kilometer, kurz vor Neuses, gab Glauber das Feuer weiter - an einen Radfahrer der Concordia Strullendorf. Und dann? "Dann sind wir nach Hause gegangen", erinnert sich Reinhardt Glauber - und lacht: "Heutzutage würde man wohl ein Event draus machen."
Aus heutiger Sicht unvorstellbar bieder hatte im August 1972 der Forchheimer Stadtrat auf das historische Ereignis reagiert. Der Hauptausschuss der Stadt hatte sich einstimmig gegen eine Feier auf dem Rathausplatz ausgesprochen - "wegen Ruhestörung".

Zwar herrschte dann am Sonntag, 27. August, kurz nach 1 Uhr, Gedränge auf Forchheims Straßen, als der Fackelläufer eintraf; und die Polizei hatte "alle Hände voll zu tun, um die Fotoamateure gegen die Olympia-Kolonne abzuschirmen", wie die Presse berichtete. Aber die Stadt entsandte niemand. Staatssekretär Lauerbach, der den Lauf organisiert hatte, stand am Rathausplatz und wurde nicht einmal offiziell begrüßt.
Trotz dieser glanzlosen Rahmenbedingungen bleibt der Lauf für Glauber "etwas ganz Besonderes". Jeder Läufer durfte seine Fackel behalten. Das Erinnerungsstück hat einen Ehrenplatz in der Kaminecke von Glaubers Haus in Pinzberg. Gelaufen ist er damit nicht mehr, aber er nimmt das kostbare Stück Leichtmetall immer wieder mal in die Hand. Schon deshalb, weil an Silvester sein Enkel danach verlangt: "Opa, die Fackel, mit der müssen wir raus."