Neben Markus Hahns Schreibtisch hängt ein zusammengenähter Fußballschal an der Wand. Die eine Seite ist rot in den Farben des "Clubs", die Rückseite ziert das Logo von Greuther Fürth. Es sei ein Abschiedsgeschenk aus seiner Zeit als Rektor an der Grundschule Baiersdorf gewesen. Die Franken müssen schließlich zusammenhalten, habe er seinen Kollegen immer wieder gesagt, erinnert sich Hahn schmunzelnd.

Markus Hahn ist seit Ende Oktober der zweite Schulrat am Staatlichen Schulamt im Landkreis Forchheim. In seiner neuen Position versucht er nun ebenfalls, eine gute Zusammenarbeit aller Seiten zu bewirken. Er tritt damit die Nachfolge von Ulrich Löhr an, der als fachlicher Leiter in den Ruhestand gegangen ist, die Leitung hat Kollegin Cordula Haderlein übernommen. Der Wechsel nach Forchheim ging für ihn wortwörtlich abrupt: An einem Freitagnachmittag Ende Oktober noch im Lehrberuf, am darauffolgenden Montag hatte Hahn bereits seinen ersten Tag als Schulrat.

Einen Überblick verschaffen

Noch ist Hahn, der zuvor vier Jahre lang Rektor der Grundschule Herzogenaurach gewesen ist, vorwiegend damit beschäftigt, sich bei allen 40 Grund- und Mittelschulen im Landkreis persönlich vorzustellen. Im Gespräch mit den Schulleitungen versuche er, das Profil der Schule einzuordnen. Außerdem möchte er sich einen Überblick darüber verschaffen, welche Projekte in anstehen und in welchen Bereichen Unterstützung vom Amt wünschenswert sei. Denn jede Schule ist unterschiedlich, weiß Hahn. "Was sind die Eigenarten der Schule? Jede Schule hat ihre Besonderheiten."

Dem 50-Jährigen kommt in seiner neuen Tätigkeit zugute, dass er als vorheriger Schulleiter dreier Schulen auch die Sichtweise der Lehrer gut kennt. "Man stellt sich die Frage: Wie hätte ich das empfunden?" Die Zusammenarbeit mit den Direktoren im Landkreis laufe bisher aber sehr gut. "Ich verstehe meine Tätigkeit als eine beratende", sagt Hahn. Der Schulrat sei das Bindeglied zwischen den Schulen und denjenigen, die einzelne Projekte mittragen.

Wert lege er zudem auf die Wertschätzung der Arbeit der Kollegen. Das zeigt sich auch an den zahlreichen Bildern in seinem Altbaubüro. Fotos und gemalte Bilder von vergangenen Schulprojekten zieren dort die Wände und Tische und verweisen auf gelungene Projekte.

Was Schule leisten soll

Zwei Aspekte, die er in die anfallenden Aufgaben stets mit einfließen lassen möchte, sind Hahn für seine Arbeit als Schulrat besonders wichtig. Zwar dürfe man sich vor den digitalen Veränderungen nicht verschließen, zugleich müsse die körperliche Bewegung der Kinder mehr in den Schulalltag mit einbezogen werden. Hahn kann sich hier gut eine Kooperation mit Vereinen vorstellen, um ungezwungen die Freude an der Bewegung zu erhalten. "Wir müssen bewusst einen Gegenpol zu kognitivem und digitalem Lernen setzen, das überwiegend im Sitzen stattfindet", meint er.

Ein zweiter Aspekt betrifft die Schule als Lern- und gleichzeitig Lebensort. "Für viele endet die Schule nicht um 13 Uhr." Eine gute Partnerschaft zwischen Eltern und der Schule des Kindes sei daher notwendig. Gleichzeitig gelte es, individuelle Fähigkeiten weiter zu stärken. Beispielsweise mit dem Projekt Jeki (Jedem Kind ein Instrument), das vom Schulamt, der Bildungsinitiative FOrsprung, der Oberfrankenstiftung und der Sparkasse Forchheim getragen wird. Ziel dessen sei es, Grundschülern einen kostenlosen Instrumentalunterricht zu ermöglichen.

Zu wenige Lehrer

Doch es gibt auch Hindernisse. "Es herrscht offensichtlich ein Lehrermangel bei Nicht-Fachlehrern." Die Pflichtstunden werden zwar durch Personal abgedeckt, aber Lehrerkräfte, die notwendige und gefragte Förderstunden übernehmen könnten, gebe es an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis zu wenig.

In anderen Punkten wiederum empfindet Hahn Forchheim als "ein progressives Schulamt". Die unterschiedlichen Konzepte einer Ganztagsschule seien in Forchheim beispielsweise schon weiter entwickelt als in anderen Landkreisen.

Markus Hahn selbst ist gerne zur Schule gegangen, sagt er. "Die Lehrer haben es verstanden, einen guten Unterricht zu machen". Die Schule müsse es aus seiner Sicht erreichen, die Anliegen der Eltern und Schüler ernst zu nehmen. Mit dem Ziel, "gemeinsam die Schule gut zu entwickeln."