Gößweinstein
Aufregung

Geheime Gelüste auf Burg Bizarr in der Fränkischen Schweiz

Die "Sklavenzentrale", ein Internet-Portal aus den Niederlanden, wirbt für eine "Nacht des geheimen Verlangens". Stattfinden soll das Event im Oktober auf einer Burg in der Fränkischen Schweiz. Aber in welcher?
Solche Utensilien für ein SM-Treffen gibt es im Dolly-Buster-Shop in Forchheim. Foto: Josef Hofbauer
Solche Utensilien für ein SM-Treffen gibt es im Dolly-Buster-Shop in Forchheim. Foto: Josef Hofbauer
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Helle Aufregung in Gößweinstein: Die "Sklavenzentrale", ein Internetportal mit mehr als 200.000 registrierten Sadomasochisten, die größte deutschsprachige Fesselspiel- und Ledersex-Community (BDSM), wirbt unter dem Titel "Burg Bizarr - Die Nacht des geheimen Verlangens" mit einer Fetisch- und Sado-Maso-Play-Party auf der altehrwürdigen Ritterburg von Gößweinstein. Stattfinden soll das Event am 16. und 17. Oktober.

"Du erkennst Dich in Christian oder in Ana wieder und träumst davon, in eine "dunkle Welt der Lust" einzutauchen - in eine Welt, vor der Ihr bislang zurückschreckt und die Euch doch mit unwiderstehlicher Kraft anzieht?" So steht es im Werbetext der "Nacht des geheimen Verlangens" im düster-erotischen Ambiente der "Burg-Bizarr", auf der die Gäste zahlreiche Spielmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen erwarten.


Wo Eppelein hauste

Aus dem Burgverlies, in dem bereits der seinerzeit berüchtigte Ritter Eppelein von Gailingen den passenden Rahmen für sein Unwesen fand, dringen garantiert keine Lustschreie nach draußen. Eine Symbiose von Fetisch- und SM-Party und der Burgherr begrüßt die Gäste im Fetisch-Outfit oder freizügig und sexy höchstpersönlich mit einem Glas Prosecco.

Nicht erlaubt sind Alltagskleidung, Turnschuhe oder Badeschlappen. 79 Euro kostet das Ticket pro Person für dieses Sado-Maso-Event inklusive Essen und Trinken. Tagsüber ist auch ein Bondage-Workshop geplant. Sexperten lehren Praktiken der Fesselung zur sexuellen Stimulation. Geschäftsführer Paul Sponsel im Rathaus ist ratlos, als er von der BDSM-Party hört. "Falls das so etwas wie ein Swinger-Club ist, ist das genehmigungspflichtig", sagt der Beamte, der das überprüfen will.

Im Veranstaltungskalender des Markts Gößweinstein steht davon jedenfalls nichts. "Und nach Gößweinstein passt so was auch nicht", sagt Sponsel, der sich so ein Event auf Burg Gößweinstein nicht vorstellen kann.


Nicht in Gößweinstein

Der Burgverwalter der Burg Gößweinstein weiß davon nichts. Auf Burg Gößweinstein dürfen derzeit schon aus Sicherheitsgründen keine Veranstaltungen stattfinden. "So was würde bei uns gar nicht genehmigt", betont der Burgverwalter.

Eine Gößweinsteiner Hotelchefin, deren Haus in der "Sklavenzentrale" über Google Maps als Beherbergungsbetrieb für die Gäste der "Nacht des geheimen Verlangens" ebenfalls verlinkt ist, zeigt sich zunächst amüsiert. Aber auch sie versichert, dass sie keine Gäste aus der Sado-Maso-Szene hat. "An diesem Tag ist unser Haus mit langjährigen Stammgästen belegt", erklärt die Hotelchefin und meint: "Erwähnen Sie bloß unser Haus nicht."


Veranstalter gibt sich bedeckt

Über einen Link in der "Sklavenzentrale" gelangt man auf die Homepage des Veranstalters. Eine Event-Agentur mit einer Postfachadresse in Nürnberg. Verantwortlich: Dirk Freiherr von Honnerlagengrete. Der "Freiherr", laut seiner Homepage ein Fotograf, passt schon mal zu einer Burg. Am Telefon wiegelt er aber gleich ab. "Die Burg Gößweinstein ist definitiv nicht der Veranstaltungsort", erklärt der Freiherr. "Es ist halt eine Burg in Franken", weicht er aus. Den Namen der Burg erfahre man erst, wenn man fest bucht.

Ist die Burg Burggaillenreuth, etwa zehn Kilometer von Gößweinstein entfernt, der Veranstaltungsort? Dazu würde erstens Rittter Eppelein von Gailingen passen, zweitens gab es dort bereits 2007 und 2013 solche Sado-Maso-Partys. Von Honnerlagengrete sagt dazu nichts. Nur soviel: "Es muss genügen, dass es die Burg Gößweinstein nicht ist." Außerdem sei vor einigen Jahren schon einmal über so ein Treffen berichtet worden. Dann legt er auf.

Wir geben nicht auf. Eine Kollegin ruft beim Veranstalter an und möchte das Event buchen. Sie will natürlich wissen, wo die Burg ist. Das sei eine private Veranstaltung, für die man einen Bürgen brauche, erklärt der Veranstalter nun.


Viele Übereinstimmungen

Fakt ist, das SM-Treffen 2007 fand auf der Burg in Burggaillenreuth statt. Außerdem stimmen die Zimmerbeschreibungen, die Anzahl der Gästezimmer und die Zimmerpreise der Internet-Auftritte der "Hochzeitsburg" Burggaillenreuth und der "Burg Bizarr" bis ins letzte Detail überein. Außerdem taucht im Prospekt der Burg Gaillenreuth das Burgverlies wieder auf. "An der Feuerstelle den Tag ausklingen lassen, ein unvergessliches Erlebnis", heißt es dort. Es kann also nur Burg Gaillenreuth sein.

Der Burgwirt dementiert jedoch energisch. "Wenn Sie wissen wollen, wo das ist, müssen Sie sich ein Ticket kaufen", meint er. Spätestens jetzt ist alles klar. "50 Shades of Grey" auf einer Burg in Franken...