13 Nachtwächter und Türmer aus Deutschland, Dänemark und Österreich stimmten zum Abschluss des Gottesdienstes in der Basilika in die Hymne ein. Damit endete auch ein kleines europäisches Nachtwächtertreffen in Gößweinstein zu dem zu Ehren des Gößweinsteiner Nachtwächters Manfred Heckel rund 20 organisierte Nachtwächter und Türmer gekommen waren. Dies, weil der Kunstschmiedemeister sein 22. Jubiläum als Gößweinsteiner Nachtwächter und zugleich seine 20-jährige Mitgliedschaft in der Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft feiern konnte, der 157 Nachtwächter und Türmer aus Europa angehören.

"Hin und wieder haben Bürgermeister eben auch eine Vision". Dies sagte Gößweinsteins Ex-Bürgermeister Hans Backer während des Begrüßungs- und Ehrungsabends im Gasthof Zur Fränkischen Schweiz. Denn Backer ist es zu verdanken, dass Gößweinstein mit Manfred Heckel wieder einen Nachtwächter bekam der sozusagen der direkte Nachfolger von Johann Laugner als Gößweinsteiner Nachtwächter ist. Jener Johann Laugner diente hauptamtlich als Gößweinsteiner Nachtwächter bis 1905 bei der Kirche. Vor allem für die Belebung des Tourismus schwebte Backer vor 22 Jahren vor, in Gößweinstein wieder einen Nachtwächter zu installieren. "Mein Wunschkandidat war von Anfang an Manfred Heckel", betonte Backer und erinnerte, dass ihm Georg Schneiderbanger den ersten Mantel geschneidert hatte, der Habit aus dem Franziskanerkloster stammte und der ehemalige Gößweinsteiner Burgherr Gilbert von Sohlern die erste Hellabarde zur Verfügung stellte. Bei 1000 Rundgängen hat Heckel alleine in Gößweinstein bis heute etwa 7000 Gäste durch den Ort geführt und ihnen die Geschichte erklärt.
Heckel ist auch der einzige Nachtwächter in ganz Europa, der einen echten Ritterhelm trägt. Backer kündigte ein Buch über den Gößweinsteiner Nachtwächterbrauch und dessen Historie an. Allerdings müsse dazu noch einiges erforschst werden. Seinen Freund Manfred, dem er "aufrichtig" dankte und wünschte, das er das Nachtwächteramt noch viele Jahre ausüben könne, bezeichnete Backer als die vierte Lokalzeitung von Gößweinstein. "Ich wünsche mir auch, dass er als Nachtwächter wieder den Gößweinsteiner Weihnachtsmarkt beschließt", so Backer.

800 Einwohner, ein Wächter


"Obertilliach in Osttirol und Gößweinstein verbindet viel mehr, als nur die Nachtwächter", sagte Obertilliachs Bürgermeister Matthias Scherer der mit seinem Nachtwächter Helmut Egartner nach Gößweinstein gekommen war. Zu Gößweinsteins Bürgermeister Georg Lang gewandt sagte Scherer: "Ich hoffe, dass wir eine Verbindung herstellen können". Obertilliach im Regierungsbezirk Lienz hat nur rund 800 Einwohner, dafür aber mit Egartner den einzigen in der Zunft organisierten Nachtwächter in ganz Österreich. Seit über 20 Jahren macht Heckel in Obertilliach schon Urlaub und dreht dort oft mit Egartner auch seine nächtlichen Runden. "Auf deinen Bart sind wir schon etwas neidisch", so Bürgermeister Scherer zu Manfred Heckel dem er zusammen mit Egartner einen geschnitzten Nachtwächter überreichte. "Die Nachtwächter prägen und pflegen den europäischen Gedanken des friedlichen Miteinanders", betonte Lang. Aus dem Gründungsland Dänemark der Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft waren Björn Möller aus Ringkøbing und Niels Steenfeldt aus Odense gekommen, der gleichzeitig Zeremonienmeister der Zunft ist.

Ein Türmer war da


Vor 20 Jahren wurden Heckel und Steenfeldt in Schwallenberg gemeinsam in die Zunft aufgenommen. Auch mit ihnen verbindet Heckel eine ganz enge Freundschaft, ebenso wie zum Beispiel zum Zwönitzer Nachtwächter Werner Störzel oder zum dienstältesten Nachtwächter in Mitteleuropa, Richard Hallmann aus Neustadt an der Waldnaab. Hallmann ist seit 30 Jahren Nachtwächter und dies feiert er dann mit seinen Nachtwächterkollegen am 8. Oktober im Rathaus von Neustadt mit der Eröffnung einer Presse- und Fotoausstellung unter dem Titel "30 Jahre Nachtwächter in Neustadt und Europa". Einziger Türmer dieses Treffens war der Türmer und Mesner der evangelischen Kirche St. Michael in Weiden in der Oberpfalz, wo im nächsten Jahr dann das große europäische Nachtwächter- und Türmertreffen stattfinden wird.
Gekommen waren auch Nachtwächter vom Kaiserstuhl, aus Schwäbisch Hall, aus Annaberg-Buchholz oder aus Hornburg in Niedersachsen und anderen Orten, die dann zusammen mit Heckel am Samstagabend durch die Gößweinsteiner Wirtshäuser zogen und ihre Nachtwächterlieder sangen. Den Gottesdienst für die Nachtwächter in der Basilika hielt Pfarrer Alfred Mayer aus Lichtenfels und Bäckermeister Dietmar Brandes hatte eigens ein Nachtwächterjubiläumsbrot gebacken.