Es waren nicht etwa die Romantiker Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck die den Begriff "Fränkische Schweiz" erfunden haben. Als Erfinder der Bezeichnung "Fränkische Schweiz" gilt der Erlanger Geografie-Professor, Historiker und Angelist Johann Christian Fick (1763 bis 1821).
Bisher ging man davon aus, das der Name Fränkische Schweiz erstmals 1812 in Ficks Stadt- und Universitätsführer "Historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Erlangen und dessen Gegend mit Anweisungen und Regeln für Studirende" auftauchte. Darauf geht auch das Jubiläum 200 Jahre Fränkische Schweiz zurück. Demnächst widmet das Fränkische Schweiz Museum in Tüchersfeld diesem "Tauftag" eine Sonderausstellung.
Nun aber hat der Bamberger Professor Wolfgang Krings, der bis 2006 Inhaber des Lehrstuhls für historische Geografie an der Otto-Friedrich-Universität war, herausgefunden, das Fick den Begriff "Fränkische Schweiz" erstmals schon 1807 in einem Bericht seiner Reise von Erlangen nach Königsberg erwähnt hatte. Fick schreibt darin unter anderem: "Das Aufseesthal, welches wir hier, bei dem adligen Dorfe..., dem Rittersitze Wüstenstein durchschritten, ist eine Hauptparthie der fränkischen Schweiz".
Dies sei - so Krings - der Beleg, dass die Ersterwähnung älter ist, als gedacht. "Nachts 10 Uhr verließen wir Streitberg und stiegen zu Fuß den hohen Berg auf der Straße nach Wüstenstein hinauf. Der volle Mond stand über uns an einem wolkenlosen Himmel; der fürchterliche Abgrund zur rechten Seite, die hohen nackten Felsenmassen zur linken, und vor uns das Schloß Streitberg halb in Ruinen, di großen und schönen Ruinen des gegenüber liegenden Neidecks mit dazwischen sich hinwindenden, durch hohe Felsenberge beengten Thale, mit der silbernen Wisent, hinter uns der breite fruchtbare Wisentgrund, boten dem Auge eine Scene dar, womit Helvetiens schönste und wild romantischste Gegenden nur wetteifern können", schreibt Fick 1807 in seinem Reisebericht, als er das "Muggendorfer Gebürg" durchquerte und dieses damals schon mit der Schweiz verglich.

Zurück zur Natur


1812 gab Fick dann ein Benutzerhandbuch für die Universität Erlangen mit Ausflugsvorschlägen für die Studenten heraus. Er wollte die Studiosi dazu bewegen, sich mehr in die unschuldige Natur zu begeben, als den städtischen Verlockungen zu erliegen.
In einem früheren Reiseführer von 1809 hatte Fick weder von der Fränkischen Schweiz, noch von der damals üblichen Bezeichnung "Gebürg" gesprochen. "Als benachbartes Land hat Fick die Schweiz mit berücksichtigt, und er wusste auch von der Sächsischen Schweiz", so Krings, der jedoch bezweifelt, das er diese nach seinen recht fehlerhaften Ausführungen von Details aus eigener Anschauung kannte.
"Die Sächsische Schweiz war jedoch Pionier für die Ausbreitung der Schweizen in Deutschland und wegen der Nähe zu Dresden auch schon früher als die Fränkische Schweiz touristisch erschlossen", so Krings. Der Name Sächsische Schweiz entstand im 18. Jahrhundert. Als Namensgeber gilt der Schweizer Künstler Adrian Zingg, der 1766 an die Dresdner Kunstakademie berufen wurde. Zingg fühlte sich beim Anblick des Elbsandsteingebirges an seine Heimat, den Schweizer Jura, erinnert. Populär wurde die Bezeichnung "Sächsische Schweiz", die als Vorbild für die Fränkische Schweiz gelten könnte, durch die Veröffentlichungen von Wilhelm Lebrecht Götzinger. In seinen Büchern machte er die Bezeichnung einem weiten Publikum bekannt. Heute gibt es allein in Deutschland 60 "Schweizen"; weltweit sind es rund 200.
Drei Wünsche hat Krings für die Fränkische Schweiz. Sein erster Wunsch wurde bereits 1843 formuliert. Es ist der Wunsch, nicht zu "schweizerisch" zu werden. Ferner hofft Krings, dass die Fränkische Schweiz von einer Übernahme durch die Fränkische Toskana bewahrt bleibt und man sich darauf besinnt, was ursprünglich mit der Benennung verbunden war.