Es riecht verlockend nach Gewürzen, öffnet man die Tür zum Pfarrheim in Reuth. Martina Grummel und Gudrun Knorr sind dabei ein kleines Büffet herzurichten. Und gleich bildet sich neben ihnen eine Frauen-Schlange. Sie alle wollen kosten, was die beiden Frauen Exotisches gekocht haben.
Nein, die Pfarrei veranstaltet keine Koch-Show. Die kleinen Kostproben sind die erste Runde des letzten Vorbereitungsabends für den Weltgebetstag der Frauen am Freitag (ab 19 Uhr). Dann werden sich Frauen aus den katholischen und evangelischen Pfarreien St. Johannis, St. Anna, Don Bosco in der Reuther Kirche St. Johannes der Täufer versammeln, um gemeinsam mit christlichen Frauen überall auf der Welt zu beten.
Die Gebetsordnung haben in diesem Jahr Frauen aus Malaysia zusammengestellt. Dazu gehört auch etwas Landeskunde. Und wie kann man die besser vermitteln als durch einheimische Kochrezepte und Musik im Landesstil.
Eingearbeitet in das Thema hat sich Helga Lenhard bei einem Workshop in Stein. Und von dort eben Rezeptvorschläge und Notenblätter mitgebracht. "Früher hatte der Weltgebetstag einen etwas angestaubten Touch", sagt sie. Das hat sich seit einigen Jahren geändert, als junge Frauen in den Gedanken einstiegen. "Jetzt ist es wirklich generationsübergreifend", fügt sie mit Blick in die altersgemischte Runde an. Auch die Jüngsten sind dabei. Die Kinder der Gruppe, die Monika Unterburger leitet, werden noch Tischschmuck und Flaggen in den Landesfarben Malaysias basteln.
Die Köchinnen sind gespannt, wie die doch etwas Ungewöhnlichen kleinen Speisen bei den Frauen des Vorbereitungsteams ankommen. "Eine Suppe mit grobem Spinat kennt man ja nicht so. Aber meiner 16-jährigen Tochter hat sie geschmeckt", meint Grummel. Und ganz offensichtlich auch allen im Vorbereitungsteam. Die Würze der Fleischbällchen - viel Zwiebel, Ingwer und Peperoni - wird gelobt.
Erstaunt sind einige über die gebackenen Bananen. Anders als die im Teigmantel, wie man sie vom Chinesen kennt, werden nach dem malaysischen Rezept die Früchte mit Mehl und Kokosmilch zu einem Teig vermischt und im Ofen gebacken.
Ein wohlschmeckender Weg, um Christinnen in anderen Ländern kennen zu lernen.
Der zweite Weg ist die Musik. Zwar haben fast alle Lieder deutschsprachige Texte, aber die Melodien und Rhythmen sind schon ein wenig fremdartig. "Das fängt wie eine Nationalhymne an und endet wie ein Weihnachtslied", führt Helga Lang die Anwesenden an das Singen heran. Lang spielt die Gitarre und beim Gottesdienst am Freitag stehen ihr noch Perkussionistinnen und Sängerinnen zur Seite. Nach etwas zögerlichem Anfang steigern sich die versammelten Frauen von Lied zu Lied, schaffen bald spielend schwierige Tonsprünge und Synkopen. Und allen Gesichtern ist die Begeisterung anzumerken...