Die 2500 Quadratmeter große Obstwiese, die der Obst- und Gartenbauverein Eggolsheim 2003 angelegt hat, ist ein Dorado für Gartenfreunde. Hier können sie allen Obstarten begegnen, so dass kaum ein Wunsch offen bleibt. Dieses große Engagement für die Natur ist auch dem Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege nicht verborgen geblieben. Vorsitzende Gudrun Brendel-Fischer zeichnete die Verantwortlichen des 6500-Einwohner-Dorfes bei einer Feierstunde in Oberleiterbach (Landkreis Bamberg) mit dem Preis "Dorfökologie - Gartenbauvereine vorbildlich aktiv" aus.

Blütenflor für die Bienen

"Viele im Verein haben in die Obstwiese ihr Herzblut hineingegeben", lobte Friedhelm Haun, der Kreisbachberater des Landkreises Kulmbach und Projektleiter. Er zeigte den rund 80 Gästen der Feierstunde in einer Auswahl an Bildern die vielen schönen Ecken von Eggolsheim. "Für den Blütenflor interessieren sich die Bienen. Ein Insektenhotel fördert auch die Wildbienen, die wesentlich zur Bestäubung beitragen."

Ein großer Schwerpunkt sei auf das Wildobst gelegt, wobei sich für Haselnuss, Sanddorn, Haferschlehe, Holunder und Eberesche nicht nur die Aktiven aus dem Verein, sondern auch die Vögel interessierten. "Erhalt der Biodiversität ist auch Sortenerhaltung. Hier hat der Verein schon 50 Birnenunterlagen angepflanzt. Weil alte Birnbäume für ein Baugebiet weichen müssen, werden hier die Reiser aufgepfropft und so die Sorten erhalten", erläuterte Haun. "Eine Blumenwiese rundet das Angebot ab. Eine große Fläche von immerhin 150 Quadratmetern stand dafür zur Verfügung und wird das Angebot für Bienen und Wildbienen noch erhöhen." In diesem Garten begegne man der Natur, aber auch der Obstkultur.

Aus den Händen von Gudrun Brendel-Fischer, der Vorsitzenden des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege, sowie ihrer Stellvertreterin Jeannette Simon-Tischer erhielten die Eggolsheimer Gartenfreunde eine Urkunde sowie ein Preisgeld von 300 Euro, von den Festgästen gab es reichlich Applaus für die vorbildhafte Arbeit.

Schon weit vor dem Volksbegehren für mehr Insektenschutz hätten sich die Gartenbauvereine für die Belange der Natur eingesetzt. Dabei versuche man immer, ohne Chemie auszukommen. Mit Blick auf die Landwirtschaft aber sagte sie, dass das nicht immer ganz leicht sei. Meist sei der Mittelweg der beste. Die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus und Kreisfachberater Hans Schilling beglückwünschten die strahlende Delegation aus Eggolsheim.

Durch das Landessilberdorf

Der Feierstunde vorangegangen war eine einstündige Führung durch das Landessilberdorf Oberleiterbach. Das Team des örtlichen Gartenbauvereins um die Vorsitzenden Harald Hümmer und Angela Hennemann zeigten ihren Gästen, wie "Lätterboch" dank Energiegenossenschaft, Biogasanlage und Dorfheizung bis zu 900 000 Kilowattstunden Wärme im Jahr selbst produziert, und das aus nachwachsenden Rohstoffen aus unmittelbarer Umgebung. Die Gäste erfuhren, dass Ivo Hennemann, der Popstar unter den Eremiten auf dem Staffelberg und eben jener, der in der fränkischen Nationalhymne "Wohlauf, die Luft ..." mehrfach vorkommt, in diesem Dorf geboren wurde und hier auch seine letzte Ruhestätte im Schatten der Sankt-Laurentius-Kirche fanden. "Oberleiterbach blickt in die Zukunft, ohne die Vergangenheit zu vergessen", sagte Harald Hümmer.

Zum Ausdruck kommt das beim Historischen Dorfrundgang mit QR-Code, eine Art lebendiges Geschichtsbuch, das via Smartphone oder über die Internetseite www.oberleiterbach.de Einblicke in die Zeiten von anno dazumal gibt. Die Besucher staunten ob der vielen schönen Fachwerkhäuser, dem vielen Grün im Dorf und dem riesigen Engagement der Dorfbewohner. "Das Gemeinschaftsgefühl ist genau das, was den Ort so lebens- und liebenswert macht", sagte Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich.