Es ist stockdunkel. Ich befinde mich auf dem Weg zur königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft Forchheim - oder kurz: HSG. Ihr Vereinshaus befindet sich am Rande des Annafestgeländes, oben auf den Kellern von Forchheim. Ich gehe über die düstere Terrasse, im Sommer bei schönem Wetter muss es hier wunderschön sein.

Nach der Begrüßung wird mir sofort der Teil des Hauses gezeigt, der schon im 19. Jahrhundert als Schützenheim gedient hatte. "Die Anwesenheit der Schützen hier hat sehr viel dazu beigetragen, dass sich das Annafest so entwickelt hat, wie es heute ist", erklärt Johannes Kalusche. Er ist Vorsitzender der HSG. Jetzt geht es erst einmal in die Gebäude zur Luftgewehr-Schießanlage, zur Großkaliber-Anlage und zu den Kleinkaliber-Anlagen.


Teilweise sind die Schießanlagen mit Computern ausgestattet, damit der Schütze sofort und ohne große Mühe sieht, wie gut er getroffen hat. Für mich sind das aber letztlich nur kalte Räume, Menschen mit Ohrenschützern und lautes Knallen. Was ist das faszinierende an genau diesem Sport? "Es ist fast wie Meditation", erklärt Kalusche. "Man muss ganz still stehen und sich absolut auf den Schuss konzentrieren. Eigentlich muss man sogar versuchen, seinen Herzschlag zu kontrollieren." Das führe den Schützen im besten Falle zu sich selbst. "Man kann das tatsächlich am besten mit einer Meditation vergleichen", sagt Kalusche.


Ein Lob der Kameradschaft

Auch Leo Neidhart berichtet ähnliches: "Meine Frau ist sehr glücklich, dass ich diesen Sport gefunden habe, denn auch ihr fällt auf, dass ich seitdem entspannter bin." Es liegt an der Konzentration, die man mitbringen muss, um bei diesem Sport Leistung bringen zu können. "Wenn ich zum Schießen gehe, fällt der gesamte Alltagsstress von mir ab. Ich vergesse alles um mich herum", berichtet Neidhart weiter. Doch das ist längst nicht der einzige Punkt, der beim Schießsport so entscheidend ist.

"Das Schießen gelangt nur selten in die Öffentlichkeit und hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, deshalb wird oft übersehen, wie wichtig die Kameradschaft in Schützenvereinen wie unserem ist", sagt der Vereinsvorsitzende. Schließlich handelt es sich um einen Mannschaftssport. Auf meinem Weg durch die verschiedenen Schießstände entdecke ich hinter den Sicherheitsscheiben auch einen Rollstuhlfahrer. "Bei uns ist jeder willkommen", sagt Neidhart. Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie im Grunde auch viel Spaß am Schießen haben könnten.