Gleich wegen zwei Anklagen musste der 32-jährige Manuel S. (Name von der Redaktion geändert) am Dienstag vor dem Forchheimer Amtsgericht erscheinen. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Beleidigung und Bedrohung angeklagt. Am Ende der Verhandlung verurteilte ihn Richterin Silke Schneider zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. "Ich hoffe, dass da jetzt nichts mehr passiert, auch wenn ich mir ein bisschen schwer tu'", begründete die Richterin die Entscheidung die Strafe zur Bewährung auszusetzen.


Der Vorverurteilung bezichtigt

Bereits vor Verhandlungsbeginn war Manuel S. laut geworden, weil er sich ungerecht behandelt fühlte. Ebenso sagte er während der Verhandlung, nur weil die Polizei ihn bereits von anderen Delikten kenne, hätten sie ihn bereits bei Ermittlungsbeginn als Schuldigen abgestempelt. "Bleiben Sie ruhig", ermahnte ihn seine Rechtsanwältin, Julia Groß, "Sie tun sich keinen Gefallen. Reißen Sie sich zusammen."

Die beiden Fälle, die verhandelt wurden, waren im April und Mai 2015 vorgefallen. Die Beleidigungen hatte er über Whatsapp verschickt und dabei seinen Vermieter unter anderm als "dreckiger Türke" und "Hurenbock" beleidigt. Der Angeklagte bestritt diese Tat allerdings und sagte aus, er sei den ganzen Tag über unterwegs gegwesen und hätte sein Handy zu Hause gelassen. Demnach könne nur seine damalige Freundin die Nachrichten versandt haben.

Dem widersprach die Ex-Freundin allerdings. Sie habe diese Nachrichten nie verfasst und sich immer gut mit dem Vermieter verstanden. Der Angeklagte habe ihr unterstellt, sie habe ein Verhältnis mit dem Vermieter, was aber nicht stimme. Der Vermieter selbst erklärte, er könne sich gut vorstellen, dass der Angeklagte die Nachricht verfasst habe. "So was ist schon öfter vorgekommen. Ich habe das aber nie ernst genommen", betonte der 27-Jährige. Trotzdem habe es ihm dann einfach gereicht. Er wollte jedoch ein einigermaßen gutes Verhältnis wahren, weil er schließlich der Vermieter von Manuel S. ist.

Die zweite Tat, die verhandelt wurde, wiegte schwerer und war deshalb das führende Verfahren. Dabei ging es um eine Nacht im Mai 2015, in der der Angeklagte seine damalige Freundin verprügelt haben soll. Den Schlägen soll ein Streit auf einer Party vorausgegangen sein. "Das war eher eine Diskussion, kein Streit", sagte der Angeklagte. Er wies jede Schuld von sich und sagte, die 32-jährige Geschädigte habe ihn angegriffen und er habe nur versucht sie zu beruhigen. Die Anschuldigungen habe sie sich im Drogenrausch ausgedacht.


Ex soll drogenabhängig sein

Seine Verteidigungsstrategie belief sich hauptsächlich auf die Tatsache, dass seine Ex immer wieder Kräutermischungen geraucht habe und deshalb zu Wahnvorstellungen neige. Die Geschädigte, die unter anderem eine Bisswunde am Rücken erlitten hatte, bestätigte in ihrer Aussage jedoch die Anklage. Sie sagte ziemlich das selbe aus wie bei der Polizei. Der Angeklagte habe sie auf den Boden gedrückt und mit Fäusten in ihr Gesicht geschlagen. Außerdem habe er sie gewürgt und gebissen.

Eine Nachbarin hatte die Polizei gerufen, weil sie sich in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt hatte. Ein Beamter, der deshalb in die gemeinsame Wohnung des Paares in Forchheim gefahren war, beschrieb beide Konfliktparteien als "recht emotional geladen". Außerdem seien beide alkoholisiert gewesen. Ein Alkoholtest ergab bei ihm über 1,1 bei ihr ungefähr 0,4 Promille. Der Drogentest verlief bei beiden negativ. "Ihre Verletzungen waren augenscheinlich dort, wo man sie sich schwer selbst zufügen kann", erklärte der Polizist.

Auch das Attest, welches das Krankenhaus der Geschädigten nach deren Behandlung ausgestellt hatte, verwies auf mehrere Prellungen, Bissverletzungen und ein Schädel-Hirn-Trauma.

In seinem Plädoyer forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft insgesamt ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe - ohne Bewährung. Er sehe klar eine gefährliche Körperverletzung und ebenso keinen Grund, warum die Ex-Freundin dem Vermieter die Nachrichten geschrieben haben soll. Er plädierte dafür, den Angeklagten in beiden Fällen schuldig zu sprechen. "Er macht für mich einen schulduneinsichtigen Eindruck", sagte er, außerdem sehe er keinen Grund für eine Bewährung.


Verteidigung fordert Freispruch

Ganz anders beurteilte die Verteidigerin Groß die Aussagen der Zeugen. Sie forderte für beide Fälle einen Freispruch. "Ich halte die Zeugin für wenig glaubwürdig", begründete sie ihr Fazit, "alles in allem ist das sehr unsicher." Außerdem sehe sie keinen Nachweis dafür, dass ihr Mandant die Nachrichten verschickt habe.

Richterin Silke Schneider verurteilte den 32-Jährigen jedoch zu einem Jahr Freiheitsstrafe - auf Bewährung. Zu seinen Bewährungsauflagen zählt unter anderem, dass er 1000 Euro an den Brückla e.V. in Forchheim zahlen muss. "Es ist ihr Telefon und auch die Ausdrucksweise in der Nachricht passt zu Ihnen", sagte Schneider zum Beleidigungsfall. Zur gefährlichen Körperverletzung sagte sie "ich bin der Überzeugung, dass es im Großen und Ganzen so war, wie es in der Anklage steht".

Nur weil sie auch ein paar Punkte zu seinen Gunsten gefunden hatte - dazu zählte unter anderem, dass er nun eine Arbeitsstelle hat - setze sie die Freiheitsstrafe noch einmal zur Bewährung aus.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.